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demons Chapter 64

Aprikosenfee

Die Aprikosenfee ist eine Dämonin, die sich aus einem Aprikosenbaum auf dem Dornranken-Hügel kultiviert hat und sich in ein hübsches junges Mädchen verwandeln kann. Beim Gedichtabend im Holz-Unsterblichen-Kloster gesteht sie Tripitaka ihre Liebe mit einem Liebesgedicht. Damit ist sie die einzige Dämonin in *Die Reise nach Westen*, die Tripitaka mit Poesie statt mit Gewalt, Zauberei oder Verwandlung umwirbt. Unter allen Monstern des Romans ist ihr literarisches Talent unübertroffen, und ihr Heiratsversuch ist die sanfteste Form der "Zwangsheirat" auf dem Weg gen Westen: kein Entführen, kein Gift, nur ein Gedicht im Mondlicht und ein offenes Herz.

Aprikosenfee Aprikosenbaumgeist Dornranken-Hügel Holz-Unsterblichen-Kloster Aprikosenfee-Gedicht weibliche Dämonin in Die Reise nach Westen Kapitel 64 Aprikosenfee und Tripitaka Talent vom Dornranken-Hügel

In der zweiten Hälfte des Gedichtabends im Holz-Unsterblichen-Kloster sagt Oberster Achtzehn mit den drei anderen alten Baumbestien zu Tripitaka: "Wir haben eine schöne Dame, die mit dem ehrwürdigen Mönch eine gute Verbindung eingehen möchte." Kaum sind diese Worte gefallen, tritt eine junge Frau aus dem Hinterhof heraus. Sie ist anständig und anmutig, mit ruhigem Auftreten und feinen Manieren. Niemand anderes als die Aprikosenfee, ein Aprikosenbaumgeist vom Dornranken-Hügel. Sie springt Tripitaka nicht an, sie bindet ihn nicht, sie verzaubert ihn nicht mit Magie und droht ihm auch nicht mit einer furchterregenden Fratze. Sie tritt einfach vor ihn hin und trägt ein Gedicht vor. Der Sinn ist schlicht: Der Frühlingswind hat die Aprikosenblüten geöffnet, die gute Zeit darf nicht vergeudet werden, und sie wünsche sich, mit einem edlen Herrn eine gute Verbindung einzugehen. Auf dem Weg der Pilgerfahrt ist das die einzige wirkliche "Liebesbotschaft", die Tripitaka erhält, und sie kommt in Versform.

Die Talentierte vom Dornranken-Hügel

In Die Reise nach Westen gibt es viele weibliche Dämonen. Die Weiße-Knochen-Dämonin setzt auf Verkleidung, der Skorpiondämon auf rohe Gewalt, Der Jadehase auf Palastintrigen und die Spinnen-Dämoninnen auf Masse und Zauberei. Misst man sie aber an Kultur und sprachlicher Begabung, steht die Aprikosenfee über allen.

Sie ist die einzige weibliche Dämonin im Roman, die einen vollständigen Vers im Text hinterlässt. Ihre Sprache ist zart, ihre Bilder sind klar, und ihr Ton trägt den Duft von Obstgarten und Frühling. In der chinesischen Dichtung ist die Aprikosenblüte ein klassisches Zeichen für Liebe und Schönheit der Jahreszeit; genau diese Blume wählt die Aprikosenfee für ihr Geständnis. Sie spricht wie eine Frau mit Geschmack und Haltung.

Darum unterscheidet sie sich so sehr von den anderen Frauen, die Tripitaka verfolgen. Der Skorpiondämon packt ihn mit Gewalt. Die Königin aus dem Frauenreich setzt politische Macht ein. Der Jadehase baut eine königliche Täuschung auf. Alle verlassen sich auf Zwang oder List. Die Aprikosenfee dagegen verlässt sich auf eigenes Talent und aufrichtiges Gefühl. Sie steht da, rezitiert ihr Gedicht und wartet auf eine Antwort.

Etwas still Trauriges liegt darin. Sie ist ein Baum, der gelernt hat, menschliche Liebe auszusprechen. Sie kultivierte nicht für Reichtum, Macht oder Unsterblichkeit, sondern damit sie fühlen und lieben konnte wie ein Mensch. In der Dämonenwelt von Die Reise nach Westen macht sie das zugleich rein und hoffnungslos nutzlos.

Eine sanfte Zwangsheirat

Tripitaka wird im Roman mehrmals zur Heirat gedrängt. Mal geschieht das durch Verkleidung, mal durch Magie, mal durch Politik. Der Versuch der Aprikosenfee ist der sanfteste von allen. Sie droht ihm nicht. Sie bindet ihn nicht. Wenn er ablehnt, ist die Sache vorbei.

Tripitaka lehnt natürlich ab, und zwar mit der Ruhe eines Mönchs. Er sagt in ernstem Ton, dass er ein Ordensmann sei und solche Gedanken nicht hegen dürfe. Er ist nicht unhöflich, nur fest. Er behandelt das Gedicht mit Respekt und sagt dann Nein.

Das Ende ist auf leise Weise grausam. Im Morgengrauen erscheint Zhu Bajie, und mit einem Hieb seines Neun-Zinken-Hakens schlägt er die vier alten Baumgeister nieder und bringt die Aprikosenfee wieder in ihre ursprüngliche Gestalt zurück. Sie fällt als Aprikosenbaum zu Boden, die Blütenblätter verstreut.

Dieses Bild ist im Roman einzigartig. Die meisten Dämonen kehren in Tiere zurück, vor denen die Menschen instinktiv zurückschrecken: Tiger, Schlangen, Füchse, Skorpione. Die Aprikosenfee kehrt als blühender Baum zurück. Die Szene wirkt weniger wie die Bezwingung eines Monsters als wie der Zusammenbruch eines schönen Lebens.

Die einseitige Liebe eines Baumes

Ihre Geschichte lässt sich auch als Fabel über das Überschreiten von Grenzen lesen. Sie ist ein Baum, der eine Frau wurde, und eine Frau, die einen Mönch lieben gelernt hat. Doch so anmutig die Verwandlung auch sein mag, sie bleibt ein Baum. Der Wunsch eines Baumes, einen Menschen zu lieben, überschreitet eine Grenze, die diese Reise nicht zulassen kann.

Moralisch ist sie nicht böse. Sie verletzt niemanden. Sie möchte nur eine Liebe, die die Geschichte ihr nicht erlaubt. Darum ist sie zugleich so bewegend und so verloren. Ihr Gedicht ist aufrichtig, aber Aufrichtigkeit reicht nicht aus, um die Regeln des Weges gen Westen zu ändern.

So wird die Aprikosenfee zu einer der einprägsamsten Gestalten in Die Reise nach Westen: die einzige Dämonin, die mit einem Gedicht statt mit einer Waffe kommt, und die einzige, deren Niederlage sich anfühlt wie das Brechen des Frühlings.

Verwandte Figuren

  • Piniensgeist - der ältere Baumgeist, der ihre Verbindung einfädelt
  • Tripitaka - der Gegenstand ihrer Zuneigung
  • Zhu Bajie - der sie im Morgengrauen wieder in einen Baum verwandelt
  • Sun Wukong - am Gedichtabend im Kloster nicht direkt beteiligt

Story Appearances

First appears in: Chapter 64 - Der Pilger am Dornranken-Hügel ringt hartnäckig; im Holz-Unsterblichen-Kloster spricht Tripitaka über Poesie

Tribulations

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