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Kapitel 67: Die Rettung von Tuo-Luo festigt die stille Zen-Natur, das Lösen aus Schmutz und Unrat klärt den Dao-Geist

Tang Sanzang und seine drei Schüler verlassen die Kleine Westliche Welt und gelangen nach Tuo-Luo, wo ihnen vom Sieben-Absolute-Berg, dem fauligen Persimmonpass und einem wilden Dämon berichtet wird. Zhu Bajie wird zum großen Schwein, das den Berg aufreißt und den Weg freibuddelt.

Die Reise nach Westen Kapitel 67 Kapitel

So verließen Tripitaka und seine vier Begleiter das Kleine Westliche Paradies und zogen vergnügt weiter. Sie waren einen ganzen Monat unterwegs, und gerade als der Frühling voll aufgeblüht war, sahen sie vielerorts Gärten und Haine im dunklen Grün stehen, während Wind und Regen den Abend schon wieder in Dämmerung verwandelten. Tripitaka zügelte sein Pferd und sagte: „Schüler, die Nacht bricht herein. Auf welchem Weg sollen wir ein Nachtlager suchen?“

Wukong lachte. „Meister, macht Euch keine Sorgen. Wenn es keinen Ort zum Übernachten gibt, haben wir doch alle ein wenig Handwerk im Leib. Bajie schlägt Gras, Sha-der-Mönch zieht Kiefern aus dem Boden, und der alte Sun kann sogar Zimmermann spielen. Wir bauen uns eben am Wegesrand eine Laubhütte, und wenn es sein muss, wohnen wir dort ein ganzes Jahr. Wovor solltet Ihr Euch denn fürchten?“

Bajie sagte: „Bruder, ist das etwa ein Ort zum Wohnen? Der ganze Berg ist voller Tiger, Panther, Wölfe und Ungeheuer. Am Tag ist es schon schwer genug zu gehen, wie sollten wir nachts hier schlafen dürfen?“

Wukong erwiderte: „Du Tölpel bist noch immer nicht klüger geworden. Das sage ich nicht großspurig: Solange ich diesen Stab in der Hand halte, selbst wenn der Himmel einstürzt, kann ich ihn stützen.“

Während die Schüler so redeten, sahen sie nicht weit entfernt einen Gutshof. Wukong sagte: „Gut, wir haben einen Platz zum Übernachten.“ Der alte Mönch fragte: „Wo denn?“ Wukong deutete: „Dort zwischen den Bäumen steht doch ein Gehöft. Wir gehen hin und bitten um Nachtlager; morgen früh ziehen wir weiter.“

Der alte Mönch trieb sein Pferd voran, stieg vor dem Tor des Gutes ab und sah nur ein fest verschlossenes Holzportal. Er klopfte und rief: „Macht auf, macht auf!“

Drinnen kam ein Alter heraus, gestützt auf einen Hirtenspieß, mit Bastschuhen an den Füßen, schwarzer Kopfbedeckung und schlichtem Gewand. Er öffnete das Tor und fragte: „Wer macht hier so ein Geschrei?“

Tripitaka legte die Hände vor die Brust und verbeugte sich. „Guter Wohltäter, ich bin ein Mönch aus dem östlichen Land, von dort gesandt, um im Westen die Schriften zu holen. Nun sind wir hierher geraten, und weil es Abend geworden ist, möchte ich höflich um eine Nacht Herberge bitten. Bitte seid so gut.“

Der Alte sagte: „Mönch, wenn Ihr nach Westen wollt, dann ist das hier ein Ort, an dem Ihr nicht weiterkommt. Dies hier ist das Kleine Westliche Paradies; wenn Ihr zum Großen Westlichen Paradies wollt, ist der Weg noch sehr weit.

Von all der Mühe des Weitergehens ganz zu schweigen: Schon dieser Ort hier ist schwer genug.“

Tripitaka fragte: „Wieso schwer genug?“

Der Alte zeigte mit dem Finger. „Westlich von meinem Dorf, etwa dreißig Li entfernt, gibt es einen Weg durch eine Reihe wilder Persimmonbäume. Der Berg heißt Sieben-Absolute-Berg.“

Tripitaka fragte: „Warum nennt man ihn Sieben-Absolute-Berg?“

Der Alte sagte: „Dieser Bergzug zieht sich über acht Hundert Li hin, und der ganze Berg ist von Persimmonfrüchten bedeckt. Die Alten sagen: ,Der Persimmonbaum hat sieben Vorzüge: Erstens verlängert er das Leben; zweitens spendet er Schatten; drittens bauen die Vögel keine Nester in ihm; viertens wird er nicht von Würmern befallen; fünftens sind seine Blätter mit Reif schön anzusehen; sechstens trägt er edle Früchte; siebtens sind seine Zweige und Blätter besonders kräftig.‘ Darum nennt man ihn Sieben-Absolute-Berg. Mein armes Dorf liegt weit und breit, und in der tiefen Wildnis hat seit Urzeiten niemand den Weg dorthin genommen.

Jedes Jahr fallen die reifen, fauligen Persimmonen auf den Pfad und füllen den schmalen, steinigen Gang ganz und gar aus. Regen, Tau, Schnee und Reif lassen sie über Sommer und Winter verderben, sodass daraus ein Ort voller Schmutz und Unrat wird. Die Leute hier nennen ihn schlicht den faulen Persimmonpass. Wenn der Westwind bläst, steigt ein Gestank auf, der sogar schlimmer ist als eine ausgefegte Abtrittgrube. Jetzt ist es gerade Frühling, und der Südostwind weht kräftig; deshalb riecht man es noch nicht.“

Tripitaka wurde innerlich betrübt, sagte aber nichts.

Wukong konnte sich nicht zurückhalten und rief: „Alter Mann, Ihr seid ja wirklich sehr unhöflich. Wir kommen von weit her und bitten um Unterkunft, und Ihr erzählt uns so viele Geschichten, um uns zu erschrecken. Wenn Ihr wirklich keinen Platz zum Schlafen habt, dann hocken wir eben unter diesem Baum und bringen die Nacht so herum. Warum müsst Ihr so viel schwatzen?“

Als der Alte sein hässliches Gesicht sah, erschrak er zwar, sammelte aber seinen Mut und rief mit dem Hirtenspieß auf ihn zeigend: „Du Knochenfresser mit dem krummen Gesicht, der eingerissenen Stirn, der plattgedrückten Nase, den eingesunkenen Wangen und den borstigen Augen - du Tuberkulosegeist! Du weißt wohl nicht, wo oben und unten ist und wagst es, mich Alten anzurempeln?“

Wukong lächelte. „Alter Herr, Ihr habt wirklich ein Auge für Schönheit, habt aber keinen Blick für mich armen Tuberkulosegeist. Ein Sprichwort sagt: ,Ein seltsam aussehender Körper kann in einem Stein dennoch einen schönen Jadekern bergen.‘ Wenn Ihr nur nach Aussehen urteilt, habt Ihr Euch gründlich geirrt. Ich bin zwar hässlich, aber etwas kann ich schon.“

Der Alte fragte: „Woher kommst du? Wie heißt du? Und was kannst du denn?“

Wukong lachte:

Mein Stamm stammt aus dem großen göttlichen Land des Ostens, am Blumenfruchtberg lernte ich schon als Kind das Dao. Ich verbeugte mich beim Ahnherrn auf dem Altar des Geistes, lernte die Kampfkunst, und zwar ganz und gar. Ich kann das Meer aufwühlen und Drachen mütterlich bändigen, ich kann Berge auf dem Rücken tragen und die Sonne jagen. Ungeheuer binden und Dämonen packen, darin bin ich der Erste, Sterne versetzen, den Wagen des Himmels wenden - selbst Geister fürchten mich. Durch Himmel und Erde zu reisen, ist mein großer Name, ich bin der wandelbare, grenzenlose schöne Steinaffe.

Der Alte hörte das, legte seinen Zorn ab und lächelte plötzlich. Er verbeugte sich tief und sagte: „Bitte, bitte, tretet in mein armseliges Haus ein und richtet Euch dort ein.“

So führte er die vier Reisenden hinein. Zwischen den beiden Höfen standen Dornen und Gestrüpp dicht an dicht. Das zweite Tor war von einer Mauer aus Ziegeln und Steinen eingefasst, darüber lagen erneut Dornenzweige als Dach. Innen gab es nur drei Räume mit Ziegeldächern. Der Alte stellte Stühle auf, setzte sich mit ihnen zusammen, ließ Tee bringen und befahl dann, das Essen zu bereiten.

Bald rückten Tische und Schüsseln heran: Gluten, Tofu, Taro-Stängel, Rettich, scharfer Senf, Rüben, Reis aus duftendem Korn und saure Suppen mit angebratenem Gemüse. Die Schüler aßen sich satt.

Nachdem sie gegessen hatten, zog Bajie Wukong beiseite und flüsterte: „Bruder, warum wollte uns der Alte zuerst nicht aufnehmen und bereitet uns dann so ein Festmahl?“

Wukong sagte: „Was soll das schon wert sein? Morgen soll er uns noch mit zehn Früchten und zehn Gemüsen zusätzlich beschenken.“

Bajie sagte: „Schämst du dich nicht? Erst mit ein paar großen Worten täuschst du ihn, damit er uns zu essen gibt, und morgen will er euch ohnehin zum Aufbruch drängen - was soll er da noch für euch tun?“

Wukong sagte: „Nur keine Eile. Ich habe schon einen Plan.“

Es war bereits dunkel, und der Alte ließ noch die Lampen anzünden. Wukong fragte mit Verbeugung: „Euer Name, alter Herr?“

Der Alte sagte: „Mein Familienname ist Li.“

Wukong fragte: „Dann ist das also das Li-Gut?“

Der Alte antwortete: „Nein, hier heißt es Tuo-Luo-Gut. Mehr als fünfhundert Familien wohnen hier. Die anderen Familiennamen gibt es hier in Hülle und Fülle, nur ich selbst heiße Li.“

Wukong fragte: „Herr Li, wieso bewirtet Ihr uns mit einem so aufwendigen Mahl?“

Der Alte stand auf und sagte: „Gerade eben hörte ich Euch sagen, dass Ihr Ungeheuer fangen könnt. Wir haben hier tatsächlich ein Ungeheuer, und ich möchte Euch bitten, es für uns zu fangen. Dafür gäbe es gewiss einen großen Dank.“

Wukong erwiderte mit einem höflichen Ruf: „Ich bin Euch schon dafür verpflichtet.“

Bajie sagte: „Sieh mal an, wie er Unheil anzieht. Sobald er hört, es gibt ein Ungeheuer zu fangen, ist er freundlich selbst zu seinem Großvater nicht halb so herzlich und ruft schon vorab so einen höflichen Gruß.“

Wukong sagte: „Bruder, du verstehst das nicht. Wenn ich schon mit einem Gruß antworte, ist das wie eine Anzahlung. Dann wird er niemand anderen mehr bitten.“

Tripitaka sagte: „Affe, du willst immer alles allein bestimmen. Wenn dieses Ungeheuer wirklich so mächtig ist, und du es nicht fängst, dann würdest du doch wieder nur lügen. Ich bin ein Mönch und will keine Lügen sehen.“

Wukong lachte. „Meister, macht Euch keine Sorgen. Lasst mich erst einmal weiterfragen.“

Der Alte sagte: „Was wollt Ihr noch wissen?“

Wukong fragte: „Dies ist doch eine offene und wohlhabende Gegend, mit vielen Familien und nicht gerade ein abgelegenes Nest. Was für ein Ungeheuer wagt sich denn hierher auf so ein großes Herrenanwesen?“

Der Alte sagte: „Ich will Euch nichts verschweigen. Seit langer Zeit war es hier ruhig und friedlich. Doch vor drei Jahren, im sechsten Monat, kam plötzlich ein Wind auf. Damals waren die Leute gerade mit der Arbeit beschäftigt: Einige droschen auf dem Tennenplatz, andere pflanzten Reis im Feld. Alle gerieten in Aufruhr und dachten, der Himmel selbst habe sich verändert.

Wer hätte gedacht, dass im Wind ein Dämon steckte? Er fraß das Vieh, das die Leute auf die Weide getrieben hatten, er fraß Rinder und Pferde, fraß Schweine und Schafe, schluckte Hühner und Gänse im Ganzen hinunter und verschlang sogar Männer und Frauen auf einen Biss. Seit jenem Tag kommt er nun schon seit zwei Jahren immer wieder zurück und richtet Schaden an. Ehrwürdiger Mönch, wenn Ihr wirklich etwas könnt, fangt dieses Ungeheuer und säubert unser Land. Dann werden wir Euch wahrhaft großzügig belohnen und keineswegs geizig sein.“

Wukong sagte: „Das ist allerdings schwer zu fangen.“

Bajie rief: „Wirklich schwer zu fangen, wirklich schwer zu fangen. Wir sind ja nur Wandermönche; wir bitten um eine Nacht Unterkunft und ziehen morgen weiter. Welches Ungeheuer denn?“

Der Alte sagte: „Also seid Ihr Mönche, die nur ein Essen erschleichen wollten. Zuerst habt Ihr großspurig geprahlt, Ihr könntet Sterne verschieben und Dämonen fesseln; und sobald es ernst wird, sagt Ihr, es sei schwer zu fangen.“

Wukong erklärte: „Alter Mann, das Ungeheuer ist leicht zu fangen - nur sind die Leute hier nicht einig, deshalb ist es schwer.“

Der Alte fragte: „Wieso uneinig?“

Wukong sagte: „Dieses Ungeheuer hat in drei Jahren so viele Lebewesen geschädigt. Ich meine: Wenn jede Familie nur einen Silbertael gäbe, könnten fünfhundert Familien zusammen fünfhundert Tael aufbringen. Ganz gleich, wohin man ginge, man könnte einen Rechtskundigen anheuern und den Dämon fangen. Warum erträgt man da drei Jahre lang nur seine Qualen?“

Der Alte sagte: „Wenn es ums Bezahlen geht, dann ist es so peinlich, dass man sich schämen möchte. Glaubt Ihr, wir hätten nicht schon genug ausgegeben? Allein drei oder fünf Silbertael pro Familie haben wir schon verbrannt. Vor zwei Jahren haben wir sogar einen Mönch aus dem Süden des Berges geholt und ihn hierher gebeten, das Ungeheuer zu fangen. Doch auch er hatte keinen Erfolg.“

Wukong fragte: „Wie fing jener Mönch es denn an?“

Der Alte sagte:

Der Mönch trug sein Gewand und hielt die Robe geschlossen. Erst sprach er das Zirpen des Pfauen-Sutra, dann rezitierte er das Lotus-Sutra. Räucherwerk brannte im Ofen, in der Hand hielt er die Glocke. Gerade als er zu lesen begann, wurde der Dämon wach. Wind erhob sich, Wolken stiegen, und er kam direkt zum Hof. Mönch und Ungeheuer kämpften, und das war wahrlich sehenswert: Mal stieß er mit der Faust, mal griff er zu; der Mönch wehrte sich, doch Wehren half ihm mit kahl geschorenem Kopf wenig. Bald siegte der Dämon und zog wieder in Rauch und Wolken ab. Als wir nachsahen, war vom Mönch nur noch ein kahler Schädel übrig, geschlagen wie ein zerbrochener Wassermelonen-Kürbis.

Wukong lachte. „Also wurde er geschlagen, ja?“

Der Alte sagte: „Er hat dabei nur sein Leben eingesetzt, und dennoch haben am Ende wir den Schaden gehabt. Wir mussten Sargholz und Begräbnis bezahlen und gaben auch noch Geld an seinen Schüler. Der Schüler ist bis heute nicht zufrieden und will noch immer Klage einreichen. Es wird einfach nicht sauber.“

Wukong fragte: „Habt Ihr sonst niemanden geholt, um ihn zu fangen?“

Der Alte sagte: „Im vergangenen Jahr kam noch ein Daoist.“

Wukong fragte: „Wie machte der es?“

Der Alte sagte:

Auf dem Kopf trug er die goldene Krone, das Zaubergewand hing an ihm. Mit dem Amtsklang und den Bannschriften wirkte er die Beschwörung. Er trieb Geister an und ließ Soldaten fahren, um den Dämon heranzuholen. Wind tobte in Strömen, schwarze Nebel hingen dicht. Mit dem Daoisten rang er gegeneinander, Stunde um Stunde. Bis zum Abend kämpften sie; dann kehrte das Monster in Wolken und Regen zurück. Himmel und Erde wurden wieder klar, und wir alle waren wieder beisammen. Als wir den Daoisten suchten, fanden wir ihn ertrunken im Bach am Berg. Als man ihn herausholte, sah man nur einen klatschnassen Hahn.

Wukong lachte. „Dann ging auch das schief.“

Der Alte sagte: „Er gab nur sein Leben her, und wir mussten noch einmal für Waren und Vorräte zahlen.“

Wukong sagte: „Das ist nicht schlimm, gar nicht schlimm. Ich fange ihn für Euch.“

Der Alte sagte: „Wenn Ihr ihn wirklich fangen könnt, dann will ich ein paar der ältesten Leute dieses Dorfes herbeirufen, damit sie Euch eine Urkunde ausstellen: Wenn Ihr Erfolg habt, bekommt Ihr so viel Silber, wie Ihr verlangt, keinen Heller weniger; wenn es aber schiefgeht, dann beschwert Euch nicht bei uns - jeder trägt sein Schicksal.“

Wukong lachte. „Der Alte ist wohl schon von vielen betrogen worden. Wir sind nicht von solcher Art. Holt die Ältesten herbei.“

Der Alte war höchst erfreut und schickte seine Dienerschaft, um Nachbarn, Verwandte, Schwäger, Freunde und Bekannte zu rufen. Schließlich kamen acht oder neun alte Männer. Sie begrüßten Tripitaka und hörten von dem Vorhaben, den Dämon zu fangen, und freuten sich allesamt. Einer von ihnen fragte: „Welcher von Euch hochwürdigen Schülern wird ihn fangen?“

Wukong antwortete mit verschränkten Händen: „Ich, der kleine Mönch.“

Die Alten erschraken. „Das taugt nichts, das taugt nichts. Das Ungeheuer ist überaus mächtig und sehr groß. Ihr seid doch so mager und klein; Ihr reicht ihm nicht einmal bis an die Zähne.“

Wukong lächelte. „Alte Herren, Ihr könnt Menschen nicht richtig einschätzen. Ich bin klein, ja, aber kräftig. In mir steckt ,die feine Energie, die aus dem Schleifen auf dem Wetzstein kommt‘.“

Die Alten mussten sich damit zufriedengeben und sagten: „Ehrwürdiger Mönch, wie viel Belohnung wollt Ihr denn, wenn Ihr den Dämon fangt?“

Wukong erwiderte: „Warum von Belohnung reden? Ein Sprichwort sagt: ,Wer Gold sagt, wird geblendet; wer Silber sagt, wirkt töricht; wer Kupfermünzen sagt, riecht schon danach.‘ Wir sind Mönche, die nur Gutes ansammeln. Wir wollen auf keinen Fall Geld.“

Die Alten sagten: „Wenn das so ist, dann seid Ihr also wirklich hohe, gereinigte Mönche. Wenn Ihr kein Geld nehmt, wäre es doch unvernünftig, Euch umsonst zu bemühen. Wir leben alle von Fischteichen und Reisfeldern. Wenn Ihr den Dämon wirklich besiegt und den Ort säubert, dann schenken wir jeder Familie zwei Mu gutes Land, zusammen tausend Mu an einem Ort. Dort könntet Ihr mit Euren Schülern ein Kloster bauen und in Meditation sitzen. Das wäre weit besser, als rastlos umherzuziehen.“

Wukong lachte wieder. „Nein, nein, das wäre auch nicht richtig. Wenn Ihr uns Land gebt, müssten wir ja Pferde halten, Dienste verrichten, Getreide abliefern und Gras organisieren. Wir könnten am Abend nicht schlafen und um die fünfte Wache nicht aufstehen - damit würdet Ihr uns ja fast umbringen.“

Die Alten fragten: „Wenn Ihr weder Geld noch Land wollt, womit sollen wir Euch dann danken?“

Wukong sagte: „Wir Mönche brauchen nur eine Tasse Tee und eine Mahlzeit, das ist schon Dank genug.“

Die Alten freuten sich. „Das lässt sich machen. Aber wie wollt Ihr das Ungeheuer fangen?“

Wukong sagte: „Sobald es kommt, habe ich es schon in der Hand.“

Die Alten sagten: „Das Ungeheuer ist riesig. Es stützt mit dem Kopf den Himmel und mit den Füßen die Erde; wenn es kommt, bringt es Wind mit sich, wenn es geht, Nebel. Wie wollt Ihr ihm nahekommen?“

Wukong lachte. „Wenn es um Dämonen geht, die Wind und Nebel beherrschen, behandle ich sie wie meine Enkel. Was seine Körpergröße angeht - auch damit komme ich zurecht.“

Gerade als sie so sprachen, hörten sie plötzlich ein heulendes Windgeräusch. Die acht oder neun Alten erschraken und riefen zitternd: „Dieser Mönch hat ja eine salzige Zunge! Kaum ist vom Dämon die Rede, schon ist er da.“

Der alte Li öffnete die Seitenpforte und rief seinen Verwandten und auch Tripitaka zu: „Kommt herein, kommt herein, der Dämon ist da!“

Bajie bekam ebenfalls Angst und wollte hinein, Sha Wujing ebenso. Wukong packte die beiden mit je einer Hand. „Ihr seid ja völlig unvernünftig. Wie können Mönche denn drinnen und draußen nicht unterscheiden? Bleibt stehen und rennt nicht weg. Kommt mit mir in den Hof, damit wir sehen, was für ein Dämon das ist.“

Bajie sagte: „Bruder, die Leute hier kennen das schon: Wenn der Wind ruft, ist es der Dämon. Alle verstecken sich. Wir haben mit ihm weder Verwandtschaft noch Freundschaft, sind weder Geladene noch alte Bekannte - wozu sollen wir ihn ansehen?“

Doch Wukongs Kraft ließ keinen Widerspruch zu. Er zog die beiden mit sich in den Hof und stellte sie dort ab. Der Wind wurde immer heftiger. Ein wahrhaft mächtiger Wind:

Er stürzte Bäume um, zerriss Wälder und machte Tiger und Wölfe bekümmert; er wirbelte über den Jangtse, schüttelte das Meer und ließ selbst Geister und Götter erbeben. Er schleuderte Steine vom Hua-Berg auf, hob die vier Kontinente des Himmels und der Erde aus den Angeln. Alle Bauernhöfe schlossen die Türen, alle Kinder im Dorf duckten sich weg. Schwarze Wolken verdeckten Sternenweg und Himmel, kein Licht der Lampen blieb mehr übrig. Bajie erschrak so, dass er sich auf den Boden warf, mit dem Maul den Staub aufwühlte und die Nase in die Erde drückte, als wäre er festgenagelt. Sha Wujing bedeckte Kopf und Gesicht und konnte die Augen kaum öffnen.

Wukong erkannte den Dämon am Wind. Als der Wind auslief, sah er im Dunst zwei flackernde Lichter in der Luft. Er rief: „Brüder, der Wind ist vorüber, steht auf und schaut euch das an.“

Der Tölpel zog das Gesicht wieder aus dem Staub, schüttelte sich und blickte in den Himmel. Da sah er zwei Lichtpunkte und lachte laut auf: „Was für ein Spaß, was für ein Spaß! Das ist ja ein ordentlicher Dämon. Mit so jemandem könnte man Freundschaft schließen.“

Sha Wujing sagte: „In dieser dunklen Nacht, ohne Gesicht und ohne Begegnung - wie kannst du da schon wissen, was gut und was schlecht ist?“

Bajie sagte: „Die Alten sagten doch: ,Wer nachts geht, braucht eine Fackel.‘

Siehst du, er trägt sogar zwei Laternen als Wegweisung. Das muss ein guter sein.“

Sha Wujing sagte: „Du siehst falsch. Das sind keine zwei Laternen, sondern die beiden leuchtenden Augen des Dämons.“

Da erschrak der Tölpel wieder um drei Zoll und sagte: „Mein Gott! Seine Augen sind schon so groß - wie groß mag dann wohl erst sein Mund sein?“

Wukong sagte: „Habt keine Angst, Brüder. Bleibt beim Meister und lasst den alten Sun nach oben gehen, um ihn nach seinem Namen zu fragen.“

Bajie sagte: „Bruder, verrate uns bloß nicht.“

Der Große Heilige stieß sich in die Höhe, pfiff schrill und sprang in die Luft. Den Eisenstab in der Hand rief er laut: „Langsam, langsam! Ich bin hier!“

Das Ungeheuer sah ihn, hielt seinen Körper gerade und wirbelte mit einer langen Lanze um sich. Wukong nahm die Stabhaltung ein und fragte: „Aus welchem Ort kommst du, du Dämon? Und was bist du für ein Geist?“

Das Ungeheuer antwortete nicht, sondern schwang nur seine Lanze.

Wukong fragte noch einmal; wieder keine Antwort, nur Lanzausfälle. Wukong lächelte insgeheim. „Taub und stumm also. Bleib stehen und probier meinen Stab.“

Das Ungeheuer hatte keine Furcht und blockte nur noch Lanze um Lanze. Hoch oben in der Luft lief es Hin und Her, Auf und Ab; sie kämpften bis zur dritten Nachtwache, ohne dass jemand gewann oder verlor. Bajie und Sha Wujing sahen im Hof des Li-Gutes ganz deutlich, dass das Ungeheuer nur abwehrte und gar nicht angriff, während Wukong seinen Stab ununterbrochen auf seinen Kopf niederhielt.

Bajie lachte. „Sha Wujing, bleib du hier und beschütze den Meister. Ich gehe hinauf und helfe mit ein wenig Schlagarbeit, damit der Affe nicht den ganzen Ruhm bekommt und am Ende den ganzen Krug Wein allein austrinkt.“

Der Tölpel sprang auf die Wolke und stürzte sich mit dem Dreschzahn auf das Ungeheuer. Das Ungeheuer hielt ihm mit einer Lanze stand. Die beiden Lanzen wirbelten wie blitzende Schlangen.

Bajie lobte: „Das ist aber eine gute Lanzentechnik! Das ist nicht die Berg-hinter-Lanze, sondern eine Spiral-Lanze; und auch nicht die Ma-Familien-Lanze, sondern eine weiche Stiel-Lanze.“

Wukong sagte: „Du Tölpel, rede keinen Unsinn. Was für eine weiche Stiel-Lanze soll das sein?“

Bajie sagte: „Du siehst doch, wie es die Lanzenspitze einsetzt, um uns aufzuhalten - ich sehe den Schaft gar nicht, weiß also nicht, wohin er steckt.“

Wukong sagte: „Vielleicht ist es wirklich eine weiche Stiel-Lanze; nur kann das Ungeheuer noch nicht sprechen und ist also offenbar noch nicht ganz im Bereich der Menschen. Sein Yin-Qi ist noch stark. Wenn bei Tagesanbruch das Yang-Qi die Oberhand gewinnt, wird es sicher fliehen. Doch wenn es flieht, dann dürft Ihr ihm auf keinen Fall entkommen lassen.“

Bajie sagte: „Genau, genau.“

Sie kämpften noch eine ganze Weile, bis der Osten allmählich hell wurde. Das Ungeheuer wagte nicht mehr zu bleiben, drehte sich um und floh. Wukong und Bajie setzten ihm gemeinsam nach und rochen plötzlich einen beißenden Unratgestank: Es war die faulige Persimmongasse des Sieben-Absolute-Berges.

Bajie rief: „Ist das hier die Abortgrube irgendeines Hauses? Pfui! Was für ein Gestank.“

Wukong hielt sich die Nase zu und rief nur: „Schnappt den Dämon, schnell, fangt den Dämon!“

Das Ungeheuer sprang über den Berg hinweg und nahm wieder seine wahre Gestalt an: eine riesige rote, schuppige Python.

Man sah sie so:

Mit den Augen funkelte sie wie Morgensterne, aus den Nüstern stieß sie Morgendunst. Zahnräder aus dicht gereihten Reißzähnen standen wie Stahlklingen, die gebogenen Klauen krümmten sich wie goldene Haken. Auf dem Kopf trug sie ein fleischiges Horn, das wirkte wie aus tausenden von roten Achatstücken zusammengesetzt; der ganze Leib war mit roten Schuppen bedeckt, als seien hunderttausend Blätter von Zinnoberstein aufeinandergelegt. Wo sie lag, hätte man sie für eine Brokatdecke halten können, wenn sie flog, für einen Regenbogen. Wenn sie ruhte, stank es meilenweit nach Blut und Fisch; wenn sie sich bewegte, trug sie rote Wolken auf dem Leib. Nicht klein - auf beiden Seiten sah man nichts mehr; nicht kurz - sie spannte den ganzen Berg von Süden bis Norden.

Bajie sagte: „Also ist das so eine lange Schlange. Wenn sie Menschen fressen will, wird sie bei einer Mahlzeit wohl fünfhundert Stück brauchen und wäre immer noch nicht satt.“

Wukong sagte: „Die weiche Stiel-Lanze sind ihre beiden Fehnen. Wenn wir ihr nachsetzen, wird sie weich, und wir müssen ihr von hinten auf die Kehle gehen.“

Der Tölpel sprang hinterher und stieß mit dem Dreschzahn zu. Das Ungeheuer bohrte sich mit dem Kopf in eine Höhle hinein, und nur sieben oder acht Fuß des Schwanzes blieben draußen hängen.

Bajie ließ den Dreschzahn sinken und packte den Schwanz. „Festhalten, festhalten!“

Er zog mit aller Kraft, aber um keinen Hauch kam er los.

Wukong lachte. „Tölpel, lass sie nur hineinschlüpfen. Ich werde schon mit ihr fertig. Zerr nicht so gegen die Schlange.“

Bajie ließ wirklich los, und das Ungeheuer zog sich ein. Bajie schimpfte: „Als ich sie eben noch festhielt, gehörte uns schon die Hälfte. Jetzt hat sie sich zurückgezogen - wie sollen wir sie noch herausbekommen? Das ist doch reine Schlangenschneiderei.“

Wukong sagte: „Das Biest ist lang und groß, die Höhle aber eng. Es kann sich dort bestimmt nicht umdrehen. Sicher flieht es geradewegs nach vorn, und es muss einen Hinterausgang geben. Du gehst schnell zum Hintertor und blockierst es. Ich schlage hier vorne zu.“

Der Tölpel rannte wie der Wind um den Berg herum und sah tatsächlich ein Loch. Er stemmte die Füße hinein. Noch ehe er richtig stand, stieß Wukong vor dem Vordereingang mit dem Stab hinein. Das Ungeheuer bekam Schmerzen und schoss geradewegs aus dem Hinterausgang heraus. Bajie war nicht gewarnt und wurde mit einem Schwanzschlag zu Boden geworfen. Er konnte sich vor Schmerzen nicht rühren und lag am Boden.

Wukong sah, dass in der Höhle nichts mehr war, schwang seinen Stab und kam herbeigerannt, um den Dämonen zu jagen. Da hörte Bajie seinen Ruf, schämte sich vor sich selbst, biss die Schmerzen weg, rappelte sich auf und stach mit dem Dreschzahn wieder um sich.

Wukong sah das und lachte: „Der Dämon ist doch längst weg, was stocherst du da noch herum?“

Bajie sagte: „Der alte Schweinchen-Sun hier schlägt nur das Gras und scheucht die Schlange auf.“

Wukong rief: „Du lebender Tölpel, schnell hinterher!“

Die beiden setzten über den Bach nach und sahen, wie das Ungeheuer sich zu einem Knäuel zusammengerollt hatte, den Kopf aufgerichtet und den Rachen weit aufgesperrt, um Bajie zu verschlingen. Bajie erschrak und wich zurück. Da aber sprang Wukong ihm entgegen und wurde von dem Ungeheuer auf einen Zug verschluckt.

Bajie schlug sich auf Brust und Beine und rief laut: „Bruder, du bist verloren, du bist verloren!“

Im Leib des Ungeheuers stützte sich Wukong auf den Eisenstab und rief: „Bajie, sei nicht traurig. Ich lasse ihn dir sogar eine Brücke bilden, damit du es sehen kannst.“

Das Ungeheuer krümmte sich, als wäre sein Rücken ein Regenbogen, der sich vom Osten zum Himmel spannt.

Bajie sagte: „Es sieht zwar wie eine Brücke aus, aber niemand traut sich, darüberzugehen.“

Wukong sagte: „Ich lasse ihn nun einen Kahn für dich werden.“

Im Leib stemmte er den Eisenstab gegen die Bauchdecke.

Der Bauch des Ungeheuers lag flach am Boden, der Kopf hob sich hoch, als wäre es ein Flussboot. Bajie sagte: „Es sieht zwar wie ein Boot aus, aber ohne Mast und Segel taugt es nicht zum Fahren.“

Wukong sagte: „Dann mach Platz, ich lasse ihn jetzt Wind geben.“

Wieder drückte er aus dem Innern mit aller Kraft den Eisenstab durch den Rücken hinaus; etwa fünf bis sieben Zhang lang ragte er heraus wie ein Mastenbaum.

Das Biest biss die Schmerzen weg und kämpfte um sein Leben, sprang plötzlich nach vorn und war noch schneller als der Wind. Es raste den alten Weg zurück den Berg hinunter, legte mehr als zwanzig Li zurück und stürzte dann erst in den Staub, unfähig sich zu rühren - nun war es aus.

Bajie setzte ihm nach, hob den Dreschzahn und schlug wieder und wieder zu. Wukong ritzte dem Tier ein großes Loch, kletterte heraus und rief: „Du Tölpel, es ist doch schon tot, warum schlägst du noch zu?“

Bajie sagte: „Bruder, du weißt nicht, dass ich mein Leben lang gern tote Schlangen schlage.“

So wurden die Waffen eingezogen. Er packte den Schwanz und zog das Tier rückwärts mit sich fort.

Auf dem Gut des alten Li sagte der Alte mit den anderen zu Tripitaka: „Deine beiden Schüler sind die ganze Nacht nicht zurückgekommen. Gewiss hat es ihnen das Leben gekostet.“

Tripitaka sagte: „Gewiss nicht. Gehen wir doch hinaus und sehen nach.“

Schon bald sah man Wukong und Bajie, wie sie einen riesigen Python-Leib heranzerrten und laut riefen und lärmten. Da freuten sich alle erst recht. Auf dem ganzen Gut kamen Jung und Alt, Männer und Frauen herbei, fielen nieder und sagten: „Ehrwürdiger Herr, genau dieses Ungeheuer verletzt hier die Menschen. Nun habt Ihr mit Eurer göttlichen Kunst das Monster getötet und das Böse beseitigt. Wir alle können nun endlich ruhig leben.“

Alle waren voller Dankbarkeit. Sie luden die Schüler von Ost und West ein, bedankten sich reihum und wollten sie gar nicht mehr gehen lassen. Erst nach fünf oder sieben Tagen, nachdem sie lange und vergeblich abgelehnt hatten, ließen sie sie ziehen. Als die Leute sahen, dass die Mönche kein Geld und keine Dinge wollten, bereiteten sie Trockenproviant und Obst und kamen mit Maultieren, Lasttieren, Blumen und bunten Fahnen, um sie zu verabschieden.

Aus diesem Dorf mit fünfhundert Haushalten begleiteten sie fast sieben- bis achthundert Menschen.

Die ganze Straße entlang zogen sie fröhlich weiter, und bald erreichten sie wieder den Eingang zur fauligen Persimmongasse des Sieben-Absolute-Berges. Tripitaka roch den üblen Gestank und sah den versperrten Weg, da sagte er: „Wukong, wie sollen wir da überhaupt hindurchkommen?“

Wukong hielt sich die Nase zu und sagte: „Das ist allerdings schwierig.“

Tripitaka sah, dass Wukong es schwerfand, und Tränen stiegen ihm in die Augen.

Da traten der alte Li und die anderen vor und sagten: „Euer Ehrwürdiger soll sich nicht sorgen. Wir haben das alles schon besprochen. Lasst Eure Schüler nur den Dämon bezwingen und das Dorf von seiner Plage befreien; dann stellen wir aus aufrichtiger Hingabe einen neuen guten Weg her und begleiten den Ehrwürdigen hindurch.“

Wukong lachte. „Ihr Alten redet nicht ganz passend. Wenn Ihr sagt, Ihr wollt das Land für uns öffnen, dann heißt das ja, Ihr müsst den Berg aufbrechen und die Straße ausheben. Das könnt Ihr doch gar nicht. Damit mein Meister hinüberkommt, müssen immer noch wir uns anstrengen; Ihr allein schafft das nicht.“

Tripitaka stieg ab und fragte: „Wukong, wie soll denn die Anstrengung aussehen?“

Wukong lächelte. „Direkt über den Berg zu kommen ist zwar schwierig. Einen ganz neuen Weg zu öffnen, ist aber noch schwieriger. Wir müssen durch die alte Gasse zurück.“

Der alte Li sagte: „Ehrwürdiger Mönch, was redet Ihr da? Ganz gleich, wie lange Ihr vier Euch aufhaltet, wir können Euch alle ernähren. Warum sagt Ihr, niemand versorge Euch mit Essen?“

Wukong sagte: „Wenn es so ist, dann kocht zwei Stein Reisbrei, backt einige gedämpfte Brötchen und Fladen. Wenn mein langnasiger Bruder satt ist, verwandelt er sich in ein großes Schwein und stößt den alten Weg auf. Mein Meister reitet auf dem Pferd, und wir stützen ihn von beiden Seiten - dann kommt Ihr ganz sicher hinüber.“

Bajie hörte das und sagte: „Bruder, Ihr wollt alle auf Sauberkeit bedacht sein - warum soll ausgerechnet ich derjenige sein, der den Schmutz macht?“

Tripitaka sagte: „Wuneng, wenn du wirklich die Gasse aufstoßen und mich über den Berg führen kannst, dann rechne ich dir diese große Tat als erstes an.“

Bajie lachte. „Meister, Ihr seid zugegen, und die Wohltäter sind auch hier; macht keine Späße. Ich habe als alter Schweinegott eigentlich sechsunddreißig Verwandlungen. Wenn es darum geht, mich in etwas Leichtes, Prächtiges oder Hohes zu verwandeln, kann ich das wirklich nicht. Wenn es aber um Berg, Baum, Steinblock, Erdhügel, oder auch einen Esel, ein Schwein, einen Wasserbüffel oder ein Kamel geht, dann kann ich wirklich alles. Nur wird der Körper dabei immer größer, und der Bauch noch größer. Ich muss also erst ordentlich satt sein, ehe ich an die Arbeit gehe.“

Die Leute sagten: „Wir haben alles da - Trockenproviant, Obst, geschnittene Fladen und Brötchen. Genau dafür haben wir es ja mitgebracht, um den Berg aufzubrechen. Holt es herbei und esst nur, soviel Ihr wollt. Wenn Ihr Euch verwandelt habt, schicken wir noch Leute zurück, um frisches Essen zu bringen.“

Bajie war überglücklich, zog sein schwarzes Mönchsgewand aus und legte den Neun-Zinken-Dreschzahn beiseite. Dann sagte er zu allen: „Macht keine Späße. Seht zu, wie der alte Schweinebruder diese stinkende Arbeit erledigt.“

Der Tölpel murmelte ein Zauberwort, schwang sich um und verwandelte sich tatsächlich in ein riesiges Schwein. Wahrhaftig:

Der Rüssel lang, das Haar kurz, halb Fett, halb Glanz, seit Kindheit fraß er schon Wurzeln und Kräuter im Berg. Das schwarze Gesicht und die Ringaugen glichen Sonne und Mond, der runde Kopf und die großen Ohren einem Bananenblatt. Er schmiedete Knochen, so hart wie das Leben selbst, und formte Haut, härter als Eisen. Das Grunzen klang tief und dumpf, das Keuchen schnaubte und blies. Die vier weißen Hufe ragten hoch empor, die borstige Mähne war lang wie ein hundert Zhang langer Leib. Wer immer nur fette Schweine und Hausschweine gesehen hatte, sah nun zum ersten Mal diesen alten Schweinedämon. Tripitaka und die anderen priesen ihn zugleich und bewunderten, wie hoch die Kraft des Himmelsgenerals Peng war.

Sun Wukong sah, dass Bajie sich so verwandelt hatte, und befahl sofort den Leuten, die Trockenproviantstücke und Früchte zusammenzuschieben, damit Bajie sie essen könne. Der Tölpel machte keinen Unterschied zwischen roh und gekocht und verschlang alles in einem Zug, dann ging er vor und stieß den Weg auf.

Wukong sagte zu Sha Wujing, er solle die Schuhe ausziehen und gut auf das Gepäck achten; dem Meister ordnete er an, ruhig im Sattel zu bleiben.

Auch er selbst zog seine Schuhe aus und sagte zu den Leuten: „Wenn ihr gute Menschen seid, bringt bald frisches Essen für meinen jüngeren Bruder.“

Sieben- bis achthundert Leute begleiteten sie noch eine Weile. Mehr als die Hälfte von ihnen hatte Maultiere oder Pferde; diese eilten wie Sterne zurück ins Dorf, um Essen zu holen. Rund dreihundert Fußgänger blieben am Fuß des Berges stehen und sahen ihnen nach. Vom Dorf bis zum Berg waren es über dreißig Li, und wenn man mit Essen zurückkam, musste man denselben Weg noch einmal gehen - zusammen also fast hundert Li. Doch da waren die Schüler längst weit weg.

Die Leute wollten sich nicht trennen, trieben Maultiere und Pferde weiter an und eilten durch die Gasse. In der Nacht holten sie noch auf, und am nächsten Morgen kamen sie erst wirklich auf. Sie riefen: „Ehrwürdiger Herr der Pilgerfahrt, langsam, langsam! Wir bringen Euch Essen!“

Der alte Mönch dankte ihnen unaufhörlich: „Wahrhaft tugendhafte und gläubige Menschen.“

Er ließ Bajie kurz anhalten und noch einmal essen, damit er mehr Kraft bekäme. Der Tölpel war zwei Tage lang am Graben gewesen und gerade jetzt, wo er vor Hunger kaum stehen konnte, standen dort mehr als sieben oder acht Stein Reisbrei bereit. Er machte keinen Unterschied zwischen Reisbrei, Nudelsuppe oder Teigfladen, nahm alles auf einmal zu sich, wurde satt und ging dann wieder vor und stieß den Weg auf.

Tripitaka, Wukong und Sha Wujing dankten den Leuten, und beide Seiten verabschiedeten sich voneinander.

So heißt es:

Die Leute aus Tuo-Luo kehren heim, Bajie öffnet den Berg und bahnt den Durchgang. Tripitakas aufrichtiges Herz ruft göttliche Kraft herbei, Wukongs Kunst lässt das Dämonenunheil verblassen. Der tausendjährige faulige Persimmonpass ist nun gereinigt, die Gasse des Sieben-Absolute-Berges ist heute eröffnet. Alle Begierde und Staubhaftigkeit wurden abgeschnitten, friedlich und ohne Hindernis geht es zum Lotus-Thron.

Wie weit der Weg noch ist und welchen Dämonen sie noch begegnen, soll das nächste Kapitel berichten.