Kapitel 27 Der Leichendämon täuscht Tang Sanzang dreimal, und der heilige Mönch vertreibt Sun Wukong zornig
Die siebenundzwanzigste Episode von Die Reise nach Westen: Der Leichendämon täuscht Tang Sanzang dreimal, und der heilige Mönch vertreibt Sun Wukong voller Groll.
Am nächsten Morgen brachen Tang Sanzang und seine Schüler auf. Zhenyuanzi und der Pilger hatten Brüderschaft geschlossen, verstanden einander auf Anhieb und wollten sie keinesfalls gehen lassen. Außerdem bewirteten sie sie noch fünf oder sechs Tage lang. Der ehrwürdige Mönch hatte die Grass-Rückkehr-Pille gegessen und fühlte sich, als wäre er wie neu geboren, mit klaren Sinnen und kräftigem Leib. Doch sein Wille zur Pilgerfahrt war stark, und deshalb blieb ihm keine Wahl, als sich zu verabschieden und weiterzuziehen.
Kaum waren sie losgegangen, sahen sie schon einen hohen Berg. Tang Sanzang sagte: „Schüler, vor uns liegt ein gefährlicher Berg. Das Pferd wird ihn vielleicht nicht schaffen; wir müssen alle besonders aufpassen.“ Der Pilger sagte: „Meister, habt nur keine Sorge. Wir werden schon sehen, wie wir da durchkommen.“
Der gute Affenkönig ging vor dem Pferd her, den Stab quer über die Schultern, spaltete den Gebirgspfad und stieg auf die Felsen hinauf. So unzählige Gipfel und Grate, so viele Täler und Schluchten waren dort zu sehen:
Die Berge lagen Schicht auf Schicht, die Bäche wand sich in Schleifen. Tiger und Wölfe liefen in Reihen, Hirsche und Rehe zogen in Gruppen. Unzählige Hirsche drängten sich zusammen, Füchse und Hasen bevölkerten den ganzen Hang. Riesige Pythons von tausend Fuß Länge, Schlangen von zehntausend Fuß. Die großen Pythons spieen Nebel des Kummers, die langen Schlangen bliesen seltsame Winde. Am Wegesrand rankten Dornengestrüppe, auf dem Grat standen prächtige Kiefern und Zedern. Überall rankten Efeu und Lianen, und duftendes Gras reichte bis an den Himmel. Ihr Schatten fiel bis zum Norden des weiten Meeres, die Wolken öffneten sich südlich des Großen Wagens. Seit uralten Zeiten war hier immer noch alte Lebensessenz, und Tausende Gipfel standen wie kaltes Sonnenlicht.
Der ehrwürdige Mönch auf dem Pferd wurde unruhig. Der große Heilige schwang seinen eisernen Stab, rief laut und jagte die Wölfe und Ungeheuer auseinander, dass Tiger und Panther flüchteten.
Als sie tiefer in den Berg kamen und gerade eine besonders steile Stelle erreichten, sagte Tang Sanzang: „Wukong, ich habe heute Hunger. Geh und hole irgendwo etwas zu essen.“ Der Pilger lächelte. „Meister, seid doch vernünftig. In einem halben Bergstück, ohne Dorf vor uns und ohne Herberge hinter uns, gibt es selbst mit Geld nichts zu kaufen. Wo soll ich also Nahrung suchen?“ Tang Sanzang wurde unwillig und schimpfte: „Du Affe! Als du am Berg der Zwei Welten unter dem Stein gefangen warst, konntest du zwar reden, aber nicht gehen. Dass ich dir das Leben gerettet, dir den Scheitel berührt und dir die Gebote gegeben habe, hat dich zu meinem Schüler gemacht.
Warum willst du denn nicht fleißig sein und hegst ständig nur Faulheit?“ Der Pilger sagte: „Euer Schüler ist doch auch recht eifrig, wann wäre ich denn faul gewesen?“ Tang Sanzang sagte: „Wenn du schon eifrig bist, warum beschaffst du mir dann nicht etwas zu essen? Mein Magen knurrt, wie soll ich so weitergehen? Außerdem ist dieser Ort voller Bergnebel und Giftluft, wie soll ich da den Donnerenden Klang erreichen?“ Der Pilger sagte: „Meister, seid nicht böse, sagt lieber nichts. Ich weiß, dass Euer ehrwürdiges Wesen hochmütig ist; wenn ich Euch auch nur ein bisschen widerspreche, wollt Ihr gleich das Mantra rezitieren. Steigt ab und setzt Euch ordentlich hin, während ich sehe, wo es Menschen gibt, bei denen ich etwas zu essen erbetteln kann.“
Der Pilger sprang auf die Wolken und blickte mit der Hand wie mit einem Schirm über die Augen. Er sah, wie öde die westliche Straße war, ohne jeden Hof, ohne Familie, nur viele Bäume und kaum ein Menschenrauch. Als er lange genug gesucht hatte, sah er südlich einen hohen Berg, und an einer sonnigen Stelle des Berges einen roten Punkt.
Er senkte die Wolken und sagte: „Meister, es gibt etwas zu essen.“ Der Ehrwürdige fragte: „Was denn?“ Der Pilger sagte: „Hier gibt es kein Haus, wo ich Essen erbetteln könnte. Aber am Südberg sehe ich etwas Rotes; vermutlich sind es reife Bergpfirsiche. Ich hole ein paar, damit Ihr den Hunger stillen könnt.“
Sanzang freute sich. „Wenn ein Mönch Pfirsiche essen kann, ist das schon eine gute Gelegenheit.“ Der Pilger nahm die Almosenschale, stieg in glückverheißendem Licht auf und raste mit wehender Wolke davon, um zum Südberg hinüberzufliegen und Pfirsiche zu pflücken.
Wie man sagt: „Wo es hohe Berge gibt, gibt es gewiss Dämonen, und wo die Grate steil sind, wachsen finstere Wesen.“ Tatsächlich lebte auf diesem Berg ein Dämon, und als der große Heilige hinüberging, weckte er ihn auf. In einem Wind aus Schatten stand der Dämon in der Luft und sah den ehrwürdigen Mönch unten sitzen. Darüber freute er sich sehr. „Was für ein Glück, was für ein Glück! Seit Jahren reden die Leute vom Tang-Mönch aus dem Osten, der das Große Fahrzeug holt. Er ist die Inkarnation des Goldenen Zikaden-Mönchs, und wer auch nur ein Stück seines Fleisches isst, gewinnt langes Leben. Nun ist er also wirklich da.“
Der Dämon ging sofort hin, um ihn zu packen. Doch links und rechts des Ehrwürdigen standen zwei Generäle als Schutz, weshalb er sich nicht näherte. Wer waren diese beiden? Es waren Bajie und Sha Wujing. Auch wenn sie nicht über allzu große Fähigkeiten verfügten, war Bajie einst himmlischer Feldherr gewesen und Sha Wujing Träger der Vorhänge; ihre Ausstrahlung war noch nicht verflogen, also wagte sich der Dämon nicht näher. Er dachte: „Ich will sie erst ein wenig necken und sehen, wie sie reagieren.“
Der Dämon senkte den Schattenwind, verwandelte sich in einer Mulde des Berges und nahm die Gestalt eines Mädchens an, so schön wie Mond und Blumen. Die Augen waren klar, die Zähne weiß, die Lippen rot. In der linken Hand trug sie eine graugrüne Kruke, in der rechten eine grüne Porzellanschale, und ging geradewegs von Westen nach Osten auf Tang Sanzang zu:
Der heilige Mönch rastete am Bergesrand, da trat ein Mädchen mit Rock und Schleier vor ihn hin. Die grünen Ärmel schwenkten leicht und umhüllten die jadegleichen Finger, der schiefe Schleier offenbarte schlanke Füße.
Schweiß glänzte auf dem geschminkten Gesicht wie Tau auf Blumen, Staub wehte die Augenbrauen wie Rauch über Weiden.
Sorgfältig schaute Sanzang hin. Als sie ganz nah war, rief er: „Bajie, Sha Wujing, Wukong sagte doch eben, hier draußen sei niemand. Seht nur, dort kommt ja doch jemand!“ Bajie sagte: „Meister, setzt Euch mit Sha Wujing hin, ich gehe hin und sehe nach.“ Der Tor stellte den Dreschpfahl beiseite, ordnete sein Gewand, wackelte wichtigtuerisch und ging mit gesenktem Kopf entgegen. Aus der Ferne wirkte sie noch undeutlich, aus der Nähe sah man klar: Das Mädchen war wirklich schön.
Eisige Haut verbarg jadeweiße Knochen, am Kragen schimmerte das weiche Fleisch. Die Augenbrauen lagen wie grüne Weiden, die Augen wie silberne Sterne. Ihr Antlitz war mondgleich schön, und ihr Wesen von natürlicher Klarheit. Der Körper war wie eine Schwalbe im Weidenbaum, die Stimme wie ein Pirol im Wald. Wie ein halboffener Begonienstrauch unter der Morgensonne, wie eine Pfingstrose, die sich gerade im Frühlingslicht öffnet.
Bajie sah, wie hübsch sie war, und sein grobes Herz geriet in Wallung. Er konnte sich nicht mehr beherrschen und fragte töricht: „Heilige Dame, wohin des Weges? Und was tragt Ihr da in der Hand?“ Er erkannte selbstverständlich nicht, dass es ein Dämon war. Das Mädchen antwortete artig: „Ehrwürdiger, in meiner grünen Schale ist Duftreis, in der grünen Flasche gebratener Weizengluten. Ich bin nur hierher gekommen, weil ich einem Gelübde nachkommen und Mönche bewirten will.“
Als Bajie das hörte, freute er sich über alle Maßen. Er rannte wie ein Schwein im Wind zurück und meldete Tang Sanzang: „Meister, ,wer rechtschaffen ist, dem kommt der Himmel zu Hilfe‘. Ihr habt Hunger, ich schicke den Bruder zum Essenholen, und der Affe ist irgendwo losgezogen, um Pfirsiche zu pflücken. Zu viel Pfirsiche sind auch nicht gut, sie machen den Leuten den Magen schwer und drückend. Seht nur, dort kommt doch jemand, der Mönche bewirtet!“ Tang Sanzang glaubte es nicht. „Du grober Klotz, hör auf zu phantasieren. Wir sind schon so lange unterwegs und haben noch nicht einmal einen anständigen Menschen getroffen. Woher sollte ein Mönchsmahl denn hier kommen?“ Bajie sagte: „Meister, seid doch nicht so schwer zu überzeugen, ist es nicht schon da?“
Sanzang sah sie und stand eilig auf. Mit gefalteten Händen vor der Brust sagte er: „Heilige Dame, wo ist Euer Haus? Was für Leute seid Ihr? Und welches Gelübde habt Ihr, hierher zu kommen und Mönche zu bewirten?“ Er erkannte ebenfalls nicht, dass es ein Dämon war. Als das Wesen merkte, dass Tang Sanzang nach seiner Herkunft fragte, setzte es sofort eine falsche Miene auf und log mit süßen Worten: „Meister, dieser Berg heißt der Weiße-Tiger-Grat, der Schlucht und Tier zugleich das Fürchten lehrt. Westlich unterhalb liegt mein Haus. Meine Eltern sind noch am Leben und lesen gerne Sutras und tun Gutes; sie bewirten großzügig die Mönche der Umgebung. Da sie keine Söhne haben, baten sie die Götter um Glück, und so wurde ich geboren. Aus Sorge um ihren Lebensabend nahmen sie mir einen Schwiegersohn ins Haus.“
Tang Sanzang sagte: „Heilige Dame, Ihr sprecht falsch. Im heiligen Sutra heißt es: ,Wenn die Eltern leben, soll man nicht weit reisen.‘ Wenn man reisen muss, dann nur mit klarem Ziel. Da Ihr Eltern habt und auch bereits einen Schwiegersohn genommen habt, was macht Ihr da allein in den Bergen? Und keine Dienerin folgt Euch auch noch. Das ist nicht der Weg einer Frau.“
Das Mädchen lächelte und sagte behutsam: „Meister, mein Mann arbeitet mit einigen Leuten im Feld in einer Mulde nördlich des Berges. Das hier ist das Mittagessen, das ich für sie gekocht habe. Es ist nur so, dass im fünften und sechsten Monat niemand frei ist und meine Eltern alt sind, also bringe ich es selbst. Nun treffe ich drei Reisende, und da meine Eltern das Gute schätzen, wollte ich dieses Essen den Mönchen geben. Wenn Ihr es nicht verschmäht, würde ich damit nur meine kleine Aufmerksamkeit erweisen.“ Sanzang sagte: „Wohl getan! Wohl getan! Meine Schüler sind gerade fort, um Früchte zu pflücken, sie kommen gleich zurück. Ich wage nicht zu essen. Wenn ich als Mönch Euer Essen esse und Euer Mann davon erfährt, wird er Euch schelten, und dann wäre doch nicht ich der Schuldige?“ Das Mädchen wollte Tang Sanzang weiter überreden und sagte immer noch freundlich: „Meister, dass meine Eltern Mönche bewirten, ist noch eine Kleinigkeit; mein Mann ist noch viel mehr ein guter Mensch. Sein ganzes Leben lang mag er Brücken reparieren und Wege ausbessern und die Alten und Armen lieben. Wenn er hört, dass das Essen an Euch ging, wird er Euch und mich erst recht hoch schätzen.“ Sanzang blieb trotzdem beim Nein.
Unterdessen wurde Bajie fast verrückt vor Begierde. Mit aufgestülpter Schnauze murmelte er: „Es gibt unzählige Mönche auf der Welt, aber ich habe noch keinen gesehen, der so schwächlich und zögernd ist wie unser alter Mönch. Fertiges Essen will er nicht essen, sondern wartet, bis der Affe wiederkommt, damit wir es erst in vier Teile teilen. Ich kann nicht warten.“ Ohne noch etwas zu sagen, stieß er die Schale mit der Schnauze um und wollte gleich hineinbeißen.
Da kam der Pilger vom Südberg zurück, mit ein paar Pfirsichen und der Almosenschale, sprang in einem Satz zurück und warf einen Blick mit seinen feurigen Augen. Er erkannte sofort, dass die Frau ein Dämon war, stellte die Schale ab, zog den Eisenstab und schlug ihr direkt auf den Kopf. Der Ehrwürdige erschrak, hielt ihn aber am Arm fest und rief: „Wukong, wen willst du hier schlagen?“ Der Pilger sagte: „Meister, haltet dieses Weib nicht für einen guten Menschen. Sie ist ein Dämon und will Euch betrügen.“ Tang Sanzang sagte: „Du Affenkopf, diesmal hattest du noch ein bisschen Weitblick, warum redest du heute so wirr? Diese heilige Dame bringt uns doch mit gutem Herzen dieses Essen. Wie kannst du sagen, sie sei ein Dämon?“ Der Pilger lachte. „Meister, Ihr erkennt wirklich wenig.
Als ich noch ein Dämon im Wasserfall-Höhlental war und Menschenfleisch essen wollte, tat ich es genau so: manchmal verwandelte ich mich in Gold und Silber, manchmal in Hallen und Terrassen, manchmal in einen Betrunkenen, manchmal in weibliche Schönheit. Wer dumm genug war, sich in mich zu verlieben, den lockte ich in die Höhle und gebrauchte ihn nach Belieben, kochend oder dampfend; und wenn nicht alles aufgegessen war, trocknete ich den Rest noch für regnerische Tage. Meister, wenn ich zu spät gekommen wäre, wäret Ihr sicher in ihre Falle gegangen und an ihrer Giftklaue zugrunde gegangen.“
Tang Sanzang wollte ihm nicht glauben und hielt sie weiterhin für eine gute Person. Der Pilger sagte: „Meister, ich kenne Euch. Ihr habt ihre Schönheit gesehen und sicher Euren weltlichen Wunschregungen nachgegeben. Wenn Ihr es wirklich meint, dann lasst Bajie ein paar Bäume fällen, Sha Wujing soll etwas Gras holen, ich werde hier als Zimmermann eine Hütte bauen, Ihr könnt mit ihr die Ehe vollziehen, und wir alle gehen auseinander. Wozu all das Wandern? Wozu überhaupt Sutras holen?“ Der ehrwürdige Mönch war von Natur aus weich und gut und konnte solche Worte nicht ertragen; er wurde vor Scham glühend rot bis an die Ohren.
Während er noch so beschämt dastand, geriet der Pilger wieder in Zorn, zog den Eisenstab und schlug dem Dämon ins Gesicht. Das Wesen hatte jedoch seine Mittel: Es benutzte die Leichenauflösungs-Methode. Kaum kam der Stab, zog es schon seinen Geist zurück und ließ einen falschen Leichnam zurück, den der Pilger in den Boden schlug. Der Mönch zitterte vor Angst und murmelte nur: „Dieser Affe ist wirklich unverschämt, er lässt sich nicht belehren und bringt grundlos Menschen um.“
Der Pilger sagte: „Meister, schimpft nicht, schaut Euch erst an, was in der Schale ist.“ Sha Wujing führte den Ehrwürdigen näher. Dort war kein Duftreis, sondern ein Schalen voller Schwänze schleppender Maden; und statt Weizengluten waren es Frösche und Kröten, die überall herumsprangen. Da glaubte der Mönch schon zu drei Teilen. Doch Bajie konnte seine Wut nicht zügeln und zischte an der Seite weiter: „Meister, diese Frau ist hier nur eine Bäuerin, die uns Essen aufs Feld bringen wollte. Warum nennst du sie einen Dämon? Der Bruder hat einen schweren Stab, er kam heran und probierte nur einen Schlag, und dann hat er sie auch noch versehentlich totgeschlagen. Er fürchtet wohl, Ihr würdet das Enge-Kopfbügel-Mantra rezitieren, und hat absichtlich eine Blendung gemacht, um Euch die Augen zu verwirren.“
Von da an nahm das Unheil seinen Lauf. Tang Sanzang glaubte dem Toren und rezitierte das Mantra. Der Pilger rief sofort: „Kopfschmerzen, Kopfschmerzen. Nicht rezitieren, nicht rezitieren, wir reden sofort.“ Tang Sanzang sagte: „Was gibt es da zu reden? Ein Mönch muss jederzeit barmherzig sein, bei jedem Schritt ein gutes Herz bewahren. Er soll sogar den Besen vorsichtig halten, damit er nicht einmal eine Ameise verletzt, und die Lampe mit einem Gazeschirm schützen, damit auch die Motte nicht verbrennt. Warum gehst du Schritt für Schritt auf Mord aus und hast diesen unschuldigen Menschen erschlagen? Wozu brauchst du überhaupt die Sutras? Geh zurück.“
Der Pilger sagte: „Meister, wohin soll ich denn zurückkehren?“ Tang Sanzang sagte: „Ich will dich nicht länger als Schüler haben.“ Der Pilger sagte: „Wenn Ihr mich nicht als Schüler wollt, fürchte ich, dass Ihr den Weg nach Westen nicht zu Ende gehen könnt.“ Tang Sanzang sagte: „Mein Schicksal hängt vom Himmel ab. Wenn jener Dämon mich dämpft und auffrisst oder kocht, dann ist es eben so.
Kannst du wirklich mein Schicksal ändern? Geh zurück.“ Der Pilger sagte: „Wenn ich zurückgehe, sei es so, aber ich habe Eurer Güte noch nicht gedankt.“ Tang Sanzang fragte: „Welche Güte hätte ich dir getan?“ Da kniete der Große Heilige eilig nieder und verneigte sich: „Der alte Sun geriet wegen der großen Unruhe im Himmel in Unglück und wurde vom Buddha unter dem Berg der Zwei Welten eingesperrt.
Zum Glück nahm mich die Bodhisattva Guanyin an und legte mir die Gebote an; zum Glück rettetet Ihr, Meister, meinen Körper. Wenn ich Euch nicht bis zum Westen begleite, zeigt das nur, dass ich nicht weiß, wie man Gnade erwidert, und dann wäre ich für alle Zeiten beschimpft.“ Tang Sanzang war schließlich ein barmherziger und heiliger Mönch; als er Wukong so flehentlich bat, wurde er weich und sagte: „Wenn es so ist, so sei dir diese eine Male verziehen. Sei nie wieder unverschämt. Wenn du weiterhin böse handelst, werde ich dieses Mantra zwanzigmal rückwärts rezitieren.“ Der Pilger sagte: „Dreißigmal, wenn Ihr wollt, Hauptsache ich schlage niemanden mehr.“ Danach bediente er Tang Sanzang wieder auf das Pferd und legte ihm die gepflückten Pfirsiche vor. Auf dem Pferd aß der Mönch ein paar davon, um vorerst den Hunger zu stillen.
Was den Dämon betrifft, so entkam er mit seiner Seele in die Luft. Wukongs Schlag hatte ihn nicht getötet; der Dämon war nur aus seinem Körper herausgefahren. Im Wolkenschleier knirschte er mit den Zähnen und hasste den Pilger im Stillen. „Seit Jahren habe ich nur von seinen Fähigkeiten gehört, und heute stimmt es wirklich. Tang Sanzang hat mich schon nicht mehr erkannt und wollte gerade essen. Hätte er auch nur den Kopf gesenkt und gerochen, hätte ich ihn einfach geschnappt. Dann wäre er mir gewesen. Doch gerade kam er dazwischen, zerstörte mein Vorhaben und hätte mich beinahe mit einem Schlag erwischt. Wenn ich diesen Mönch verschone, war all die Mühe umsonst. Ich gehe noch einmal hinunter und spiele ihn ein weiteres Mal.“
Der Dämon senkte seinen dunklen Wind und verwandelte sich unterhalb des vorderen Hangs in eine alte Frau von achtzig Jahren, die sich auf einen krummen Bambusstab stützte und weinend Schritt für Schritt näherkam. Bajie sah sie und erschrak. „Meister, es ist schlimm, da kommt die alte Mutter auf der Suche nach ihrem Kind.“ Tang Sanzang fragte: „Nach welchem Kind?“ Bajie sagte: „Gewiss sucht sie ihre Tochter, die vom Bruder erschlagen wurde.“
Der Pilger sagte: „Bruder, redet keinen Unsinn. Die Frau war achtzehn, diese Alte ist achtzig. Wie sollte eine Frau von über sechzig noch ein Kind bekommen? Das ist bestimmt falsch. Lasst mich hingehen und nachsehen.“
Der gute Wukong trat näher und sah, dass das Wesen sich auf folgende Weise verstellt hatte:
Es gab vor, eine Großmutter zu sein, die Schläfen weiß wie Eis. Sie ging langsam und schwankend, jeder Schritt schien ihr schwer. Der schwache Leib war dürr und mager, das Gesicht wie ein vertrocknetes Kohlblatt. Die Wangenknochen ragten hoch, die Lippen hingen nach unten. Im Alter sieht man eben nicht mehr wie in jungen Jahren aus; das ganze Gesicht war voller Falten wie Lotusblätter.
Der Pilger erkannte den Dämon, redete nicht mehr darüber und schlug mit seinem Stab direkt auf den Kopf. Das Wesen zog sich wieder zurück, entwich als wahres Geistwesen und ließ noch einen falschen Leichnam am Wegesrand zurück.
Tang Sanzang sah das, stürzte vom Pferd und lag am Wegesrand. Er sagte kein weiteres Wort, sondern rezitierte das Enge-Kopfbügel-Mantra volle zwanzigmal rückwärts. Es war erbärmlich: Wukongs Kopf wurde fest eingeschnürt wie ein Birnenkürbis, und der Schmerz war kaum zu ertragen. Er rollte sich am Boden und bat: „Meister, rezitiert nicht mehr, wir reden sofort.“ Tang Sanzang sagte: „Was gibt es noch zu reden? Ein Mönch soll gute Worte hören, nicht die Hölle betreten.
Ich habe dich so lange gewarnt, warum gehst du nur immer auf Mord aus? Du hast einen Unschuldigen erschlagen und dann noch einen, was soll das heißen?“ Der Pilger sagte: „Es ist ein Dämon.“ Tang Sanzang sagte: „Dieser Affe redet Unsinn, gibt es denn so viele Dämonen? Du bist jemand, der das Gute nicht sucht, sondern absichtlich Böses tut. Geh.“
Der Pilger sagte: „Meister, Ihr wollt mich schon wieder fortschicken? Wenn ich gehe, dann gehe ich eben, aber eine Sache ist mir noch nicht recht.“ Tang Sanzang fragte: „Was ist dir nicht recht?“ Bajie sagte: „Meister, er will mit dir das Gepäck teilen. Er ist jahrelang als Mönch mit Euch gezogen; soll er mit leeren Händen zurückkehren? Gebt ihm doch ein paar alte Gewänder, einen zerfetzten Hut und zwei Kleiderstücke aus der Tasche.“
Wukong wurde wütend und sprang hoch. „Du schnauziger Grobian! Ich habe immer die Lehre des Mönchs getragen und nie auch nur einen Hauch von Neid oder Gier gehabt. Wie sollte ich denn Gepäck teilen wollen?“ Tang Sanzang sagte: „Wenn du nicht neidisch und nicht gierig bist, warum gehst du dann nicht?“ Der Pilger sagte: „Ich sage Euch die Wahrheit. Vor fünfhundert Jahren, als ich im Blumenfruchtberg-Wasserfallpalast in voller Heldenkraft lebte, unterwarf ich zweiundsiebzig Dämonenburgen und hatte unter mir siebenundvierzigtausend kleine Ungeheuer. Auf dem Kopf trug ich eine purpurgoldene Krone, einen ockerfarbenen Mantel, einen Gürtel aus blauer Jade und die Wolkenschritt-Schuhe, und in der Hand den Wunsch erfüllenden Goldenen Stab. Wirklich, ich hatte einst auch Ansehen unter den Leuten.
Seit ich mich geläutert, die Haare geschoren und als rechter Mönch gelebt habe und Euch als Schüler folgte, sitzt mir dieser Bügel auf dem Kopf. Wenn ich jetzt zurückkehre, würde ich es schwer haben, dem Heimatvolk gegenüberzutreten.
Wenn Meister mich wirklich nicht mehr wollt, dann sprecht doch das Mantra zum Lösen des Bügels und nehmt diesen Reifen von meinem Kopf ab, gebt ihn zurück, setzt ihn jemand anderem auf, und ich wäre froh und frei. So hätte ich immerhin einmal mit Euch zusammen unterwegs gewesen. Habt Ihr denn nicht einmal so viel Menschlichkeit?“ Tang Sanzang erschrak. „Wukong, ich habe damals nur vom Bodhisattva heimlich das Mantra des engen Bügels erhalten. Es gibt kein Lösen-des-Bügels-Mantra.“ Der Pilger sagte: „Wenn es kein Lösen-des-Bügels-Mantra gibt, dann lasst mich doch wenigstens weitergehen.“
Der Ehrwürdige hatte keine Wahl und sagte: „Steh auf, ich verzeihe dir noch einmal. Aber du darfst nie wieder gewaltsam handeln.“ Der Pilger sagte: „Ich wage es nicht mehr. Ich wage es nicht mehr.“ Danach bediente er den Meister wieder aufs Pferd und setzte die Reise fort.
Die Dämonin war in Wahrheit auch beim zweiten Schlag nicht gestorben. Das Wesen prahlte in der Luft unaufhörlich: „Was für ein Affenkönig, wirklich mit Augen! So sehr ich mich auch verwandelte, er erkannte mich noch immer. Diese Mönche gehen schnell; wenn sie diesen Berg überwunden haben und weitere vierzig Li westwärts ziehen, werden sie nicht mehr in meinem Zuständigkeitsbereich sein. Wenn sie in die Hände anderer Dämonen fallen, werden am Ende andere über sie lachen und sich selbst das Herz zerreißen. Ich gehe noch einmal hinunter und necke sie ein weiteres Mal.“
Der Dämon senkte den dunklen Wind und verwandelte sich am Hang in einen alten Herrn, wahrhaftig:
Weißes Haar wie der alte Peng Zu, grauer Bart wie der Stern des Lebens. Im Ohr klingt das Jadetönchen, im Auge leuchten Goldsterne. In der Hand der drachenköpfige Stock, an der Schulter das leichte Kranichgewand. Die Gebetskette in den Fingern, im Mund das Mantra Namo.
Tang Sanzang sah ihn auf dem Pferd und freute sich sehr. „Amitabha! Der Westen ist wirklich ein Ort des Glücks. Der Alte dort kann kaum noch gehen und murmelte sogar noch auf dem Weg Sutren.“ Bajie sagte: „Meister, lobt nicht zu früh. Das ist der Ursprung des Unheils.“ Tang Sanzang fragte: „Warum denn?“ Bajie sagte: „Der Bruder hat die Tochter des Alten erschlagen, dann auch noch seine Frau. Jetzt kommt gewiss sein alter Herr gesucht. Wenn wir in seine Hände fallen, Meister, müsstet Ihr Euer Leben als Strafe zahlen und mit dem Tod rechnen. Ich würde als Mitläufer verurteilt, Sha Wujing bekäme Befehle und würde zur Fronarbeit geschickt. Der Bruder aber würde sich mit seiner Flucht retten - warum sollten wir drei für ihn die Sündenböcke sein?“
Der Pilger hörte das und schimpfte: „Du stumpfer Klotz, was redest du denn da? Willst du den Meister nicht erschrecken? Lass mich noch einmal hingehen und sehen.“ Er versteckte den Stab am Körper, ging vor und rief dem Wesen zu: „Alter Herr, wohin des Weges? Warum gehst du zugleich und betest?“ Der Dämon verwechselte die Lage und hielt Sun Wukong ebenfalls für einen gewöhnlichen Menschen. Also antwortete er: „Ehrwürdiger, ich lebe seit Generationen hier und bin mein Leben lang gut gewesen und habe Mönche gespeist und den Buddha verehrt. Ich habe nur eine Tochter, und wir haben ihr einen Schwiegersohn genommen. Heute Morgen ging sie, um Essen auf das Feld zu bringen, und wurde wohl von einem Tiger gefressen. Meine Frau suchte zuerst und fand nichts; auch ich weiß nicht, wohin sie verschwunden ist. Deshalb bin ich gekommen, um zu sehen. Wenn ihr Leben wirklich verloren ist, bleibt nichts anderes übrig, als ihre Überreste mitzunehmen und im Grab zu bestatten.“
Der Pilger lächelte. „Ich bin der Ahnherr der Tiger, und du willst mir mit einem Geist aus dem Ärmel herauskommen? Du täuschst alle anderen, aber mich nicht. Ich erkenne dich als Dämon.“ Der Dämon war sprachlos vor Schreck.
Wukong zog seinen Stab heraus und dachte bei sich: „Wenn ich ihn nicht schlage, sieht es so aus, als würde er nur den Wind spielen. Schlage ich ihn, könnte der Meister das Mantra rezitieren.“ Dann überlegte er weiter: „Wenn ich ihn nicht töte, wird er in einem Augenblick eine Lücke finden und den Meister mitnehmen; dann müsste ich wieder viel Mühe aufwenden, um ihn zu retten. Es ist also besser, ihn zu schlagen. Wenn ich ihn mit einem Hieb töte und der Meister das Mantra rezitiert, sagt man doch: ,Ein Tiger frisst seine Jungen nicht.‘ Mit ein paar klugen Worten und süßem Gerede kann ich ihn schon beschwichtigen.“ Also sprach der Große Heilige ein Mantra, rief den örtlichen Boden-Gott und den Berggeist des Platzes herbei: „Dieser Dämon hat meinen Meister bereits dreimal verhöhnt, diesmal werde ich ihn erschlagen. Bezeugt mir aus der Luft, dass er nicht entkommen kann.“ Die Götter gehorchten, wer hätte sich widersetzen können? Sie hielten in den Wolken Wache. Als der Große Heilige den Stab schwang, schlug er den Dämon nieder, und erst da verlosch sein Geist.
Tang Sanzang erschrak auf dem Pferd erneut so sehr, dass er zitterte und keinen Ton herausbrachte. Bajie sagte wieder lachend: „Gut, Wukong, dir ist wohl der Wind in den Kopf gefahren. Kaum seid ihr einen halben Tag gelaufen, da hast du schon drei Menschen erschlagen.“ Tang Sanzang wollte gerade das Mantra rezitieren, doch Wukong lief rasch vor das Pferd und rief: „Meister, nicht rezitieren, nicht rezitieren. Kommt und seht erst seine Gestalt an.“
Es war nur ein Haufen weißer Knochen dort. Tang Sanzang erschrak: „Wukong, dieser Mensch war doch eben noch am Leben, wie konnte er so schnell zu einem Haufen Knochen werden?“ Der Pilger sagte: „Er war ein greifender Geist, ein wandelnder Leichenkörper, der hier Menschen täuscht und ihr Fundament zerstört. Ich habe ihn erschlagen, und jetzt zeigt er seine wahre Gestalt. Auf seinem Rücken stand der Name ,Weiße-Knochen-Frau‘.“ Tang Sanzang glaubte ihm nun auch. Doch Bajie zischte wieder von der Seite: „Meister, seine Hände sind schwer und sein Stab ist wild; weil er den Menschen erschlagen hat und Ihr das Mantra vielleicht rezitiert, hat er absichtlich so etwas verwandelt, um Eure Augen zu täuschen.“ Tang Sanzang wurde erneut weich im Gehör und glaubte ihm wieder, und sofort begann er wieder zu rezitieren.
Wukong hielt die Schmerzen nicht aus und kniete am Wegesrand. „Rezitieren Sie nicht mehr, rezitieren Sie nicht mehr, sagen Sie lieber sofort, was Sie sagen wollen.“ Tang Sanzang sagte: „Was gibt es da noch zu sagen? Ein Mönch, der Gutes hört, fällt nicht in die Hölle.
Ich habe dich so lange ermahnt, warum handelst du doch nur gewaltsam? Du hast im Niemandsland einen erschlagen und dann noch einen, und es gab nicht einmal jemanden, der dich zur Rechenschaft zog. Wenn wir aber in die Stadt kommen, wo es von Menschen wimmelt, und du mit deinem klagenden Stock blindlings auf Leute einprügelst, stiftest du große Katastrophen. Wie soll ich mich dann noch retten? Geh zurück.“
Der Pilger sagte: „Ihr verkennt mich völlig. Dieser Bursche war eindeutig ein Dämon, er wollte Euch wirklich schaden. Ich habe ihn erschlagen und Euch das Unheil abgenommen. Aber Ihr erkennt es nicht und glaubt stattdessen diesem dummen Toren und seinen kalten Verleumdungen. Darum vertreibt Ihr mich immer wieder.
Man sagt doch: ,Drei Mal ist genug.‘ Wenn ich nicht gehe, wäre ich wahrlich ein gemeiner, schamloser Kerl. Ich gehe, ich gehe.
Wenn ich gehe, dann gehe ich eben; nur habt Ihr dann niemanden mehr an Eurer Seite.“ Tang Sanzang wurde zornig. „Dieser freche Affe wird immer unverschämter. Sieht man es so, dann bist nur du ein Mensch, und Zhu Wuneng und Sha Wujing sind keine Menschen?“
Als der Große Heilige hörte, dass die beiden als Menschen bezeichnet wurden, war er so traurig, dass er vor Tang Sanzang sagte: „Wie bitter! Damals, als Ihr Chang'an verließen, begleitete Euch Liu Boqin. Am Berg der Zwei Welten habt Ihr mich befreit und als Schüler angenommen. Ich bin durch Höhlen und dichte Wälder gezogen, habe Dämonen und Ungeheuer gefasst, Bajie und Sha Wujing gewonnen und unzählige Strapazen erlitten.
Und heute verwerft Ihr die Klugheit und gebt Euch der Verwirrung hin, nur um mich zurückzuschicken. Das ist doch genau ,Wenn die Vögel weg sind, wird der Bogen verstaut, und wenn der Hase tot ist, wird der Hund gekocht!‘ Na schön, na schön, na schön - dann bleibt eben noch das Mantra des engen Bügels.“ Tang Sanzang sagte: „Ich werde es nie wieder rezitieren.“
Der Pilger sagte: „So leicht ist das nicht zu sagen. Wenn Ihr in einer bitteren Lage von Dämonen nicht freikommt und Bajie und Sha Wujing Euch nicht retten können, dann denkt Ihr wieder an mich und fangt doch wieder an zu rezitieren. Selbst zehntausend Li weit würde mir dann der Kopf wehtun. Wenn ich Euch noch einmal begegnen sollte, wäre es mir lieber, ich hätte dieses ganze Denken gar nicht erst gehabt.“
Tang Sanzang wurde von Wort zu Wort nur noch wütender, rutschte vom Sattel, ließ Sha Wujing aus dem Gepäck Papier und Pinsel holen, nahm unten am Bach Wasser, rieb auf dem Stein Tusche an und schrieb einen Verweisbrief. Diesen übergab er dem Pilger. „Affenkopf, nimm dies als Beweis. Ich will dich nie wieder als Schüler haben. Wenn ich dir jemals wieder begegne, stürze ich in die Avici-Hölle.“ Wukong nahm den Verweisbrief eilig entgegen. „Meister, Ihr müsst nicht schwören, der alte Sun geht schon.“ Er faltete den Brief zusammen, behielt ihn im Ärmel und sprach den Mönch noch einmal sanft an: „Meister, ich bin Euch doch all die Zeit gefolgt und habe durch die Bodhisattva Belehrung erhalten. Heute breche ich halbwegs unterwegs ab und habe mein Ziel noch nicht erreicht. Bitte setzt Euch und nehmt meinen Abschiedsbogen entgegen, damit ich in Ruhe gehen kann.“
Tang Sanzang drehte sich weg und beachtete ihn nicht, murmelte nur: „Ich bin ein guter Mönch und nehme die Grüße eines schlechten Menschen nicht an.“ Der Große Heilige sah, dass er nicht reagierte, und benutzte eine Körper-von-außen-Methode. Er riss sich drei Haare vom Hinterkopf aus, hauchte göttlichen Atem darauf und rief: „Verwandelt euch!“ Sofort wurden daraus drei Pilger, und zusammen mit seinem eigentlichen Körper standen vier Wukongs im Kreis und verneigten sich vor dem Meister. Der Ehrwürdige konnte weder links noch rechts ausweichen und nahm die Verbeugung schließlich doch entgegen.
Der Große Heilige sprang auf, schüttelte den Körper, sammelte die Haare ein und gab Sha Wujing noch einen Rat: „Bruder, du bist ein guter Mensch. Achte nur darauf, dass du auf Bajies Gerede aufpasst und unterwegs noch vorsichtiger bist. Wenn ein Dämon den Meister ergreift, dann sage einfach, dass der alte Sun sein ältester Schüler ist. Die Dämonen im Westen fürchten meine Mittel; dann wagen sie nicht, meinem Meister etwas anzutun.“ Tang Sanzang sagte: „Ich bin ein guter Mönch und nenne den Namen dieses bösen Menschen nicht. Geh nur.“ Als der Große Heilige sah, dass der ehrwürdige Mönch dreimal und wieder dreimal seine Meinung nicht ändern wollte, blieb ihm nichts übrig, als fortzugehen. So also: mit Tränen in den Augen kniete er nieder und verabschiedete sich vom Meister, mit schwerem Herzen gab er Sha Wujing letzte Weisungen. Mit einer Hand wischte er die Wiese am Abhang frei, mit den Füßen trat er die Lianen am Boden um. Er durchmusterte Himmel und Erde wie im Kreis, überquerte Meer und Berge wie kein Zweiter. Im Augenblick war er schon wieder verschwunden, im nächsten eilte er zurück auf den alten Pfad.
So verließ er den Meister im Zorn und flog mit den Wolken zurück zum Blumenfruchtberg und in die Wasserfallhöhle. Dort war er ganz allein, niedergeschlagen und traurig, bis er plötzlich das Rauschen des Wassers hörte. Als der Große Heilige in der Luft hinabsah, war es das Tosen der Flut des östlichen Meeres.
Beim Anblick erinnerte er sich wieder an Tang Sanzang; die Tränen liefen ihm unaufhaltsam über die Wangen. Er hielt die Wolke an und blieb stehen, erst lange Zeit später zog er weiter.
Wie es nun weitergeht und ob die Rückkehr von Glück oder Unglück ist, davon erzählt die nächste Episode.