Kapitel 8: Unser Buddha erschafft die Schriften und überträgt sie ins Glücksland, Guanyin bricht auf kaiserlichen Befehl nach Chang'an auf
Die Reise nach Westen, Kapitel 8: Unser Buddha erschafft die Schriften und überträgt sie ins Glücksland, Guanyin bricht auf kaiserlichen Befehl nach Chang'an auf
Das Meditationstor wird oft befragt und gesucht, doch am Ende steht man leer und alt da. Einen Spiegel aus Ziegeln reiben, Schnee als Nahrung aufhäufen, das verwirrt schon viele junge Jahre. Einen Wassertropfen so groß wie das Meer verschlucken, den Sumeru wie einen Senfkorn aufnehmen, und der goldfarbene Arhat lächelt still.
Wenn man erwacht, übersteigt man die zehn Stufen und die drei Fahrzeuge; vorher war man in den vier Daseinsformen und sechs Wegen festgefahren. Wer hört schon, dass vor dem Fels des reinen Verzichts und unter dem Baum ohne Schatten ein Kuckuck ein einziges Mal den Frühlingsmorgen ankündigt? Der Weg nach Caoxi ist steil, die Wolken über dem Geierberg sind tief; keine alte Stimme ist hier zu hören.
An der tausend Fuß hohen Eiswand erblüht die fünffache Lotusblume, und vor dem alten Tempel hängen duftende Vorhänge. Wenn man dann die Quellen und Linien durchschaut, erblickt man die drei Schätze des Drachenkönigs.
Diese Melodie heißt „Su Wu Man“. Nun also: Unser Buddha, der Tathagata, nahm Abschied vom Jadekaiser und kehrte zum Schatzkloster des Donnergrollens zurück. Dort sah man dreitausend Buddhas, fünfhundert Arhats, acht Vajra-Wächter und zahllose Bodhisattvas, alle mit Fahnen, Bannern, Kostbarkeiten und Himmelsblumen in Reih und Glied unter dem Doppel-Schlingbaum des Berges Sumeru zum Empfang aufgestellt.
Der Tathagata hielt glückverheißende Wolken an und sagte zu den Versammelten: „Mit tiefer Prajna habe ich die drei Reiche ringsum betrachtet. Die Wurzel aller Dinge ist im Grunde still und erloschen. Gleich dem Raum ist da nichts. Den widerspenstigen Affen niederzuschlagen, war eine Sache, die nicht einmal mit Namen erfasst werden kann. Der Name von Geburt und Tod entsteht nur aus dem Dharma-Äußeren, und das Gesetz ist eben so.“ Nachdem er gesprochen hatte, ließ er das Licht der Reliquien aufleuchten; der ganze Himmel füllte sich mit zweiundvierzig weißen Regenbogen, die sich von Nord nach Süd verbanden.
Die Menge sah dies und warf sich zu Boden. Nach einem Augenblick sammelten sich glückverheißende Wolken und Nebel, man bestieg den Lotos-Thron der höchsten Stufe und setzte sich würdevoll nieder. Die dreitausend Buddhas, fünfhundert Arhats, die acht Vajra und die vier Bodhisattvas falteten die Hände, traten näher und fragten nach der Ursache des Aufruhrs im Himmel und des Durcheinanders der Pfirsichversammlung.
Der Tathagata sagte: „Dieser Kerl ist ein Dämonenaffe, der auf dem Blumen-Frucht-Berg geboren wurde; seine Schuld ist so groß wie der Himmel, und sie lässt sich kaum benennen. Kein himmlischer General konnte ihn bezwingen. Obwohl Erlang ihn gefasst hat und Laojun ihn im Feuer schmiedete, konnte man ihm dennoch nicht schaden. Als ich dort ankam, stand er gerade mitten unter den Donnertruppen und zeigte sich von seiner prahlerischsten Seite. Ich hielt Krieg und Waffen an und fragte ihn nach seiner Herkunft.
Er sagte, er besitze Zauberkraft, könne sich verwandeln und fahre auch noch mit der Salto-Wolke, die in einem Sprung hundertachtzigtausend Li trägt. Ich schloss mit ihm eine Wette ab; er konnte nicht aus meiner Hand entkommen, und ich ergriff ihn und verwandelte ihn in den Fünf-Elemente-Berg, wo ich ihn einschloss. Der Jadekaiser öffnete ihm die goldene Pforte und den Jadetempel und lud mich an den Ehrenplatz ein. Anschließend richtete er ein Fest zur Beruhigung des Himmels aus, um mir zu danken. Erst dann verabschiedete ich mich und kehrte hierher zurück.“
Die Versammelten freuten sich über diese Nachricht und priesen ihn überschwänglich. Nach dem Dank traten sie in ihre Reihen zurück, jedes Wesen nahm wieder seine Aufgabe auf und freute sich in himmlischer Unschuld. Denn tatsächlich war es so:
Günstige Dunstschleier füllen das ganze Tianzhu,
Regenbogenlicht umhüllt den Erhabenen.
Im Westen nennt man ihn den Ersten,
das Tor des formlosen Dharma.Man sieht oft dunkle Affen Früchte darbringen, Hirsche und Rehe Blumen tragen;
blaue Phönixe tanzen, bunte Phönixe rufen;
Geistschildkröten tragen Lebenslang, Unsterblichkeitskraniche halten Lingzhi im Schnabel.
Man genießt den reinen Boden des Jeta-Gartens und die Dharma-Welt des Drachenpalasts.
Tag für Tag blühen die Blumen, stets reifen die Früchte.
In Stille kehrt man zur Wahrheit zurück, und im Sitzen des Zen erkennt man die rechte Frucht.
Weder Erlöschen noch Geburt, weder Mehrung noch Minderung.
Wolken und Nebel kommen und gehen wie sie wollen, Kälte und Hitze verletzen nicht, und die Jahre werden vergessen.
Beim Kommen und Gehen ist man frei und lebt unbeschwert,
weder Schrecken noch Kummer kennt man.
Im Land der höchsten Wonne ist alles offen und weit,
in der ganzen Welt gibt es weder Frühling noch Herbst.
Der Buddha residierte inmitten des großen Donnerklang-Palastes auf Lingshan. Eines Tages ließ er alle Buddhas, Arhats, Wächter, Bodhisattvas, Vajras, Bhikkhus und Nonnen versammeln und sagte: „Seit ich den störrischen Affen beruhigt und den Himmel befriedet habe, weiß ich hier nicht einmal mehr um Monate und Jahre; in der Menschenwelt dürften wohl bereits fünfhundert Jahre vergangen sein. Nun ist der Vollmond des frühen Herbstes. Ich habe eine Kostbar-Schale, in der ich hundert Arten seltener Blumen, tausend Arten ungewöhnlicher Früchte und anderes bereithalten lasse, und ich möchte mit euch das Ullambana-Fest begehen. Was meint ihr?“ Alle falteten die Hände, umkreisten dreimal den Buddha und nahmen die Einladung an. Buddha ließ die Blumen und Früchte aus der Kostbarkeitenschale durch Ananda tragen und durch Kasyapa verteilen. Die Menge war dankbar und brachte jeweils Verse zum Dank dar.
Glücksvers:
Der Glücksstern leuchtet vor dem Erhabenen,
das Glück wird tief aufgenommen und reicht weit.
Glück und Tugend sind grenzenlos und dauern wie die Erde,
Glücksbund und frohes Los verbinden sich mit dem Himmel.
Auf dem Acker des Glücks wird Jahr für Jahr reich gesät,
das Glücksmeer ist tief und fest von Jahr zu Jahr.
Glück erfüllt Himmel und Erde und wirft seinen Segen weit,
das Glück wächst grenzenlos und bleibt vollkommen.
Rangvers:
Ranglast wie ein Berg, der Phönix ruft im Glanz,
der Rang folgt der rechten Zeit und grüßt den langen Stern.
Rang wächst zu zehntausend Scheffeln, der Leib bleibt gesund,
Rang genießt tausend Becher und Frieden in der Welt.
Rang und Gehalt stehen hoch wie der Himmel und bleiben fest,
Rangname wie das Meer ist klar und rein.
Ranggnade setzt sich weit fort und wird bewundert,
Rang und Würde sind grenzenlos, zehntausend Reiche erstrahlen.
Lebensvers:
Der Lebensstern bietet Farben vor dem Buddha dar,
das Lebensreich öffnet seinen Glanz von hier an.
Lebensfrüchte füllen die Schale und bringen verheißungsvolle Dunstschleier hervor,
Lebensblumen werden frisch gepflückt und auf den Lotos-Sitz gesteckt.
Die Lebensverse sind rein und anmutig, voller Wunder,
die Lebensmelodie folgt mit schönem Ton und bestem Talent.
Das Leben verlängert sich wie Sonne und Mond,
das Leben ist wie Berg und Meer und noch weit ruhiger.
Nach diesen Darbringungen baten die Bodhisattvas den Tathagata, die Wurzel zu erklären und die Herkunft zu deuten. Da öffnete der Tathagata seinen gütigen Mund und erklärte das große Dharma. Er predigte die wunderbaren Schriften der drei Fahrzeuge und den Shurangama der fünf Aggregate. Drachen und Himmelswesen umringten ihn, Blumenregen fiel bunt herab.
Der Zen-Geist leuchtet klar wie der Mond über tausend Flüssen,
die wahre Natur bleibt rein wie der Himmel über zehntausend Li.
Nachdem der Tathagata gesprochen hatte, sagte er zu allen: „Ich betrachte die vier großen Kontinente. Die Wesen dort tragen Gutes und Böses in unterschiedlichem Maß in sich. In Ostraufsteigende Gotteskontinent achtet man Himmel und Erde und ist innerlich hell und ruhig. Im Nordkontinent Jambudvipa liebt man zwar das Töten, doch geschieht es aus dem Kampf ums Brot; die Natur ist grob und die Gefühle sind schlicht, ohne allzu viel Verderbnis. In meinem Westlichen Ochsenkontinent tötet man nicht und begehrt nicht; man nährt den Geist und birgt die stille Wurzel, auch wenn nicht jeder bereits die höchste Wahrheit erreicht hat, so ist doch jeder von Natur aus langlebig. Doch der Südliche Jambudvipa liebt Gier, Lust und Unheil, tötet viel und streitet viel. Dort herrscht wahrhaft ein Ort der bösen Zungen und ein Meer des Streits. Ich habe nun die wahren dreischichtigen Schriften, die Menschen zum Guten anleiten können.“
Die Bodhisattvas hörten dies, falteten die Hände und fragten ehrfürchtig: „Hat der Tathagata jene dreischichtigen wahren Schriften?“ Der Tathagata sagte: „Ich habe eine Sammlung des Dharma, in der man vom Himmel spricht; eine Sammlung des Diskurses, in der man von der Erde spricht; und eine Sammlung der Sutras, die die Geister erlösen.
Zusammen gibt es fünfunddreißig Teile mit insgesamt fünfzehntausendeinhundertvierundvierzig Rollen. Das ist die Schrift der wahren Übung und das rechte Tor zur Tugend. Ich wollte sie in das östliche Land schicken, doch die Leute dort sind dumm, verleumden die wahren Worte und verstehen das Ziel meiner Lehre nicht; so würden sie die rechte Schule des Yoga vernachlässigen. Wenn nur einer mit Dharma-Kraft nach Osten ginge, um einen gläubigen Menschen zu finden, der mühsam tausend Berge und zehntausend Flüsse durchwandert, die Schriften bei mir erbittet und sie dann dauerhaft im Osten verbreitet, um die Wesen zu bekehren, dann wäre das ein Segen von so großer Tragweite wie ein Berg und so tief wie das Meer. Wer ist bereit, diesen Weg zu gehen?“
Da trat Guanyin-Bodhisattva an den Lotossitz heran, umkreiste den Buddha dreimal und sagte: „Euer Schüler ist unbedeutend, doch ich wäre bereit, in das Ostland zu gehen und einen Menschen zu finden, der die Schriften holt.“ Alle hoben den Kopf und blickten hin; die Bodhisattva war:
in den vier Tugenden vollkommen rund,
an Weisheit erfüllt und mit goldenem Leib.
Perlenschmuck hing in Grün und Licht herab,
silberne Duftreifen schlossen kostbare Klarheit.
Schwarze Wolken schichteten sich kunstvoll zu einem Drachendutt,
bestickte Bänder wehten leicht wie der Phönixschweif.
Jadeknöpfe, weißes Seidengewand, von glücklichem Licht umhüllt;
Brokatrock und goldene Schnallen, von verheißender Aura bedeckt.
Die Augen wie zwei kleine Monde,
das Gesicht jadefarben, von Natur aus freudig,
die Lippen rot wie ein Punkt Farbe.
Die süße Vase mit Tau bleibt Jahr für Jahr gefüllt,
die schräg eingesteckte Weidenrute bleibt Jahr für Jahr grün.
Sie löst die acht Schwierigkeiten und erlöst die Menge der Wesen,
voller großer Barmherzigkeit und Mitgefühl;
darum sitzt sie am Berg Tai, wohnt am Südmeer,
hört die Leiden und hilft, ist zehntausendfach wirksam.
Ihr Herz liebt den Bambus des Orchideengartens,
ihre Natur hängt an duftenden Ranken.
Sie ist die barmherzige Herrin auf dem Berg Luojia,
die lebendige Guanyin aus der Klanghöhle des Gezeitenrauschens.
Der Tathagata sah sie und freute sich von Herzen: „Niemand sonst könnte diese Aufgabe übernehmen. Nur der ehrwürdige Guanyin besitzt die große Kraft und kann hingehen.“ Die Bodhisattva fragte: „Wenn ich in das Ostland gehe, welche Worte sollen mir mitgegeben werden?“ Der Tathagata sagte: „Dieser Weg verlangt, dass du ihn selbst prüfst. Geh nicht auf direktem Weg durch den Himmel. Du musst halb in Wolken und halb im Nebel reisen, die Berge und Flüsse genau betrachten, die Entfernungen und Etappen sorgfältig im Gedächtnis behalten und den Menschen, der die Schriften sucht, eindringlich ermahnen. Doch für den Fall, dass der gläubige Mensch schwer gehen kann, gebe ich dir fünf Kostbarkeiten.“ Er befahl sogleich Ananda und Kasyapa, einen Brokat-Kasaya und einen neunschnürigen Mönchsstock herbeizuholen.
Dann sagte er zu der Bodhisattva: „Kasaya und Stab sollst du dem künftigen Schriftenholer persönlich geben. Wenn er festen Willen zeigt und hierherkommt, soll er mein Gewand tragen und nicht in den Kreislauf zurückfallen; wenn er meinen Stab trägt, wird er keine tödlichen Gefahren erleiden.“ Die Bodhisattva nahm kniend beides entgegen.
Dann holte der Tathagata noch drei Ringe hervor und reichte sie der Bodhisattva: „Diese Kostbarkeit heißt der Enge-Reif. Es sind zwar drei gleichartige, doch ihre Verwendung ist verschieden. Ich habe drei Arten von goldenen Bannformeln dazu. Wenn du unterwegs Dämonen begegnest, die große Zauberkraft besitzen, dann sollst du sie zur Tugend ermahnen und sie den Schriftenholer als Schüler folgen lassen. Wenn sie nicht gehorchen, setze ihnen diesen Reif auf den Kopf; er wird sich von selbst ins Fleisch graben. Sprich nur die zugehörige Beschwörung, und die Augen werden anschwellen, der Kopf schmerzt, die Stirn wird zerspringen, und du bringst sie sicher in mein Tor.“
Die Bodhisattva war hoch erfreut, verbeugte sich und ging. Sie rief sogleich Hui'an, den Weggefährten, mit sich. Hui'an führte einen schweren Eisenstab, der tausend Pfund wog, und diente der Bodhisattva rechts und links als mächtiger Dämonenbezwinger.
Die Bodhisattva packte das Brokatgewand zu einem Bündel und ließ ihn es tragen. Sie legte den Goldreif beiseite, nahm den Mönchsstock und stieg vom Lingshan hinab. Auf diesem Weg wird erzählt:
Der Buddha-Sohn kehrt zur ursprünglichen Gelübde zurück,
der Eremit aus Goldinsekten wickelt sich in Sandelholz.
Am Fuß des Berges kam sie am Jadetempel des Himmelswahrheitsklosters vorbei; dort hielt der Goldscheitel-Unsterbliche sie am Tor auf und bat sie zu Tee. Doch die Bodhisattva blieb nicht lange: „Ich habe gerade den Dharma-Befehl des Tathagata empfangen und gehe nun in das Ostland, um einen Schriftenholer zu suchen.“ Der Unsterbliche fragte: „Wann wird der Schriftenholer wohl eintreffen?“ Die Bodhisattva sagte: „Das ist noch nicht fest. Vermutlich in zwei oder drei Jahren könnte es soweit sein.“ Dann verabschiedete sie sich, reiste halb in Wolken, halb im Nebel und merkte sich unterwegs die Entfernungen. Zur Bestätigung ein Gedicht:
Ich suche ihn zehntausend Meilen weit, doch sage ich es nicht einmal laut;
und doch wer könnte sich je mit vollkommener Zufriedenheit treffen?
Wenn das Suchen plötzlich so leicht wäre,
wäre ich wohl nicht zufällig mein ganzes Leben lang darauf gestoßen.
Von einer Lehre spricht man oft, als sei sie leerer Wind,
und sagt man den Weg des Wahren, nennt man mich bloß ungläubig.
Doch ich will Herz und Brust öffnen und einen Bekannten suchen;
ich vermute, vorn wartet gewiss eine innige Verbindung.
Als die beiden miteinander unterwegs waren, sahen sie plötzlich die Dreißigtausend Feinschichten der Schwäche und erkannten das Gebiet des Strömenden Sandes. Die Bodhisattva sagte: „Schüler, dieser Ort ist schwierig zu überschreiten. Wie soll der Schriftenholer mit seinem trüben Fleischkörper hier hinüberkommen?“ Hui'an fragte: „Meister, wie weit ist der Fluss?“ Die Bodhisattva blieb auf der Wolkenbahn stehen und sah hin. Dort:
Der Fluss war im Osten bis an die Wüste angeschlossen, im Westen reichte er bis zu den verschiedenen Fremdvölkern, im Süden bis nach Wuguo und im Norden bis zu den Tataren. Acht hundert Li war die Länge der Durchquerung, und die Wasserfläche zog sich über Millionen Li. Das Wasser wälzte sich, als drehe sich die Erde selbst um, die Wellen rollten, als ragten Berge aus dem Rücken der Welt. Weit und breit, grau und grenzenlos. Zehn Li entfernt hörte man schon die gewaltigen Fluten. Kein Himmelsboot konnte hier anlanden, kein Lotusblatt hierauf treiben. Vertrocknetes Gras und die sinkende Sonne spiegelten sich an den Krümmungen des Ufers, gelbe Wolken und Schatten lagen über langen Dämmen. Wo sollten Händler hier verkehren? Und wo hätte je ein Fischer oder Einsiedler wohnen können? Auf dem flachen Sand landeten keine Wildgänse, am fernen Ufer riefen nur Affen. Lediglich rote Wasserlilien und weiße Wasserlinsen gaben dem Ort Farbe und Duft.
Als die Bodhisattva dort prüfend hinsah, hörte man mit einem platschenden Laut, wie aus dem Wasser ein Dämon hervorsprang, sehr hässlich und abscheulich. Er war:
weder ganz blau noch ganz schwarz, ein Gesicht voller übler Farbe;
weder lang noch kurz, mit nackten Füßen und sehnigem Leib.
Seine Augen blitzten wie zwei Lampen unter dem Herd,
der Mund wirkte wie die Feuerpfanne eines Metzgers.
Seine Hauern standen wie Klingen,
das rote Haar war wild zerzaust.
Mit einem Schrei glich er einem Donnerschlag,
mit den Füßen rannte er wie rollender Wind.
Der Unhold hielt einen kostbaren Stock und stürmte ans Ufer, um die Bodhisattva zu packen. Doch Hui'an zog seinen schweren Eisenstab und blockte ihn ab, rief: „Nicht fortlaufen!“ Der Unhold hob seine Schatzwaffe zum Angriff. Die beiden lieferten sich am Rand des Strömenden Sandes einen grausamen Kampf, wahrhaft erschütternd:
Der Holzstab Hui'ans zeigte die Kraft des Schützers; die Ungeheuerwaffe des Dämons zeigte seinen heldischen Trotz. Zwei silberne Schlangen tanzten am Flussufer, zwei göttliche Mönche stießen vom Ufer heran. Der eine warf am Strömenden Sand seine Kraft in die Waagschale, der andere schützte Guanyin und errang ein großes Verdienst. Der eine wälzte Wellen und sprengte sie auseinander, der andere blies Nebel und Wind. Das Aufwühlen der Wellen verdunkelte Himmel und Erde, das Austreten von Nebel und Wind verfinsterte Sonne und Mond. Die Dämonenwaffe war wie ein weißer Tiger aus dem Berg, der eiserne Stab wie ein gelber Drache, der im Weg lag. Der eine zog schlangenartig durchs Gras, der andere schlug wie ein Habicht nieder. Es war so dunkel und verwüstet, dass Sterne nur noch grell aufblitzten und Nebel überall brodelte. Derjenige, der lange den Strömenden Sand bewachte, war nun besonders wild; dieser hier, frisch aus dem Lingshan gekommen, errang seinen ersten großen Dienst.
Die beiden kämpften unablässig über dutzende Runden, ohne dass ein Sieger feststand. Da hielt der Unhold den Eisenstab fest und rief: „Welcher Mönch seid Ihr? Wie könnt Ihr euch gegen mich stellen?“ Hui'an antwortete: „Ich bin Mu Zha, der zweite Sohn des Himmelskönigs Li, Hui'an, der Weggefährte. Ich geleite meinen Meister auf der Reise nach Osten, um den Schriftenholer zu suchen. Wer bist du, dass du den Weg so kühn versperrst?“ Da kam dem Unhold plötzlich die Erinnerung: „Ich kenne dich noch. Du übst im Bambushain des Südmeers bei Guanyin. Warum bist du hierhergekommen?“ Hui'an sagte: „Liegt nicht dort am Ufer meine Meisterin?“
Der Unhold hörte das und nickte fortwährend, senkte seine Waffe und ließ sich von Hui'an zu Guanyin führen. Dort warf er sich mit dem Kopf zu Boden und sagte: „Bodhisattva, verzeiht meine Schuld. Lasst mich nur vortragen: Ich bin kein Dämon, ich bin der Vorhangträger-General, der am Palast der Himmelsglorie die kaiserliche Kutsche bewachte. Nur weil ich beim Pfirsichfest aus Versehen eine Glas-Schale zerbrach, ließ mich der Jadekaiser acht hundert Hiebe erhalten und auf die Erde verbannen. Dort bin ich nun in diese Gestalt geraten. Außerdem muss ich alle sieben Tage vom Himmel eine Flugklinge durch Brust und Flanken hundertmal stechen lassen, bevor Ruhe einkehrt. Deshalb bin ich so elend. Aus Not kann ich Hunger und Kälte nicht ertragen und gehe alle zwei oder drei Tage aus den Wellen, um einen Vorbeiziehenden zu fressen.“
Als ich das heute nicht wusste, stieß ich auf den großen Bodhisattva. Die Bodhisattva sagte: „Du hast im Himmel Schuld auf dich geladen und wurdest herabgestoßen; nun begingst du schon wieder Tötung und Verbrechen. Das heißt Schuld auf Schuld. Ich habe den Buddha-Befehl empfangen und gehe in das Ostland, um den Schriftenholer zu suchen.
Warum trittst du nicht in mein Tor ein, nimmst Zuflucht zu der guten Frucht und gehst als Schüler mit dem Schriftenholer nach Westen zum Buddha und suchst die Schriften? Dann werde ich die Flugklinge von dir fernhalten. Wenn du einmal Erfolg hast, wird die Schuld aufgehoben und dein altes Amt dir zurückgegeben. Was meinst du?“ Der Unhold sagte: „Ich will zum rechten Ergebnis zurückkehren.“ Dann fügte er hinzu: „Bodhisattva, ich habe hier unzählige Menschen gegessen. Früher kamen mehrmals Schriftenholer hier vorbei, und die habe ich alle gefressen. Wenn ich den Kopf eines Schriftenholers esse, fällt er in den Strömenden Sand und sinkt auf den Grund. Dieses Wasser trägt nicht einmal eine Gänsefeder. Nur neun Schriftenholer-Schädel treiben auf der Oberfläche und sinken nicht unter.
Ich hielt sie für besondere Dinge und zog sie mit einem Strick zusammen; wenn ich Zeit habe, spiele ich damit. Wenn ich jetzt fortgehe, könnte der Schriftenholer doch nie hierherkommen. Wäre das nicht mein eigener Wegverlust?“ Die Bodhisattva sagte: „Wie könnte er nicht kommen? Hänge die Schädel an deinem Hals auf und warte auf den Schriftenholer; sie werden noch gebraucht.“ Der Unhold sagte: „Wenn das so ist, will ich Eure Belehrung annehmen.“ Da berührte die Bodhisattva seinen Scheitel und empfing ihn in die Gebote, gab ihm den Flusssand als Namen, und so hieß er fortan Sha. Dann verlieh sie ihm den Dharma-Namen Sha Wujing. Damit trat er in das Mönchsdasein ein, eskortierte die Bodhisattva über den Fluss und wusch dort Herz und Gedanken rein; von nun an verletzte er niemanden mehr und wartete nur noch auf den Schriftenholer. Die Bodhisattva verabschiedete sich von ihm und zog mit Hui'an direkt nach Osten.
Nachdem sie eine Weile gegangen waren, sahen sie wieder einen hohen Berg, über dem eine üble Ausdünstung hing und den Aufstieg unmöglich machte. Gerade wollten sie über Wolken hinwegziehen, da kam wieder ein wilder Wind auf und ein weiterer Dämon sprang heraus. Er war äußerst gefährlich und sah so aus:
Der Bauch wölbt sich wie ein zusammengerollter Lotus; der Mund hängt wie eine Schlaufe herab,
die Ohren sind wie Fächer und verraten goldene Augen.
Die Hauern sind scharf wie Stahlfeilen,
der lange Rüssel öffnet sich wie ein Feuerbecken.
Der Goldhelm sitzt fest mit Riemen an den Wangen,
die Rüstung wird von Seidenbändern um die Schuppen gebunden.
In der Hand trägt er einen Stachelgabel-Dreizack,
am Gürtel hängt ein gebogener Bogen wie ein Halbmond.
Kraftvoll und drohend übertrifft er die Zeitgötter,
aufgerichtet und stolz überragt er selbst die Himmelsgötter.
Ohne Unterschied stürmte er auf sie zu und stieß mit dem Schweingabel-Werkzeug nach der Bodhisattva. Hui'an stellte sich dazwischen und rief laut: „Du frecher Unhold, sei nicht unverschämt, sieh meinen Stab.“ Der Dämon sagte: „Dieser Mönch weiß offenbar nicht, dass er sterben wird. Schau auf meine Gabel.“ Die beiden prallten am Fuß des Berges aufeinander und kämpften um Sieg und Niederlage, wahrhaft wild:
Der Dämon war furchtbar, Hui'an war mächtig. Der Eisenstab stieß in die Mitte, die Schweingabel griff frontal an. Staub und Erde wurden aufgewirbelt, Himmel und Erde verdunkelten sich, Sand und Steine flogen, selbst Götter und Geister erschraken. Der Neunzinkengabel glänzte hell und klingelte mit zwei Ringen; der eine Stab war tiefschwarz und wirbelte in beiden Händen. Der eine war der Prinzen-Sohn des Himmels, der andere der Geist eines ehemaligen Generals. Der eine stand in Putuo als Beschützer des Dharma, der andere hauste in einer Höhle als Dämon. Wie dieser Zusammenstoß ausging, ob Sieger oder Besiegter, war noch nicht entschieden.
Gerade als die beiden am heftigsten kämpften, warf Guanyin aus dem Himmel eine Lotusblüte herab und trennte Gabel und Stab. Der Dämon erschrak und fragte: „Welcher Mönch seid Ihr, dass Ihr mit solchen Augenblicksblumen mich täuschen wollt?“ Hui'an schimpfte: „Du grober Fleischblick! Ich bin Schüler der Bodhisattva vom Südmeer. Das ist die Lotusblüte, die mein Meister geworfen hat, und du erkennst sie nicht einmal!“ Der Dämon sagte: „Ist die Bodhisattva vom Südmeer etwa jene Guanyin, die die drei Leiden fegt und die acht Nöte rettet?“ Hui'an sagte: „Wer sonst sollte es sein?“ Der Dämon ließ die Schweingabel fallen, verneigte sich eilig und sagte: „Bruder, wo ist die Bodhisattva? Bitte führt mich zu ihr.“
Hui'an zeigte nach oben und sagte: „Dort ist sie doch.“ Der Dämon verbeugte sich tief nach oben und rief laut: „Bodhisattva, verzeiht mir, verzeiht mir.“
Guanyin senkte die Wolke und fragte: „Welches wilde Schwein bist du, welches alte Borstenvieh, dass du hier meinen Weg versperrst?“ Der Dämon sagte: „Ich bin weder wildes Schwein noch altes Borstenvieh. Ich war einst der Himmelsmarschall Tianpeng am Himmelsfluss. Nur weil ich betrunken mit Chang'e gespielt habe, ließ mich der Jadekaiser zweitausend Schläge erhalten und ins Irdische hinabstoßen. Mein wahres Geistselbst suchte sich eine neue Hülle und geriet dabei auf einen falschen Weg, so dass ich in den Leib einer Mutterschweine gefallen bin und diese Gestalt angenommen habe. Ich habe die Muttersschweine gebissen und die Herde erschlagen, habe mich in diesem Gebiet festgesetzt und lebe seitdem vom Menschenfressen. Ich bitte den Bodhisattva sehr um Erlösung.“
Guanyin fragte: „Wie heißt dieser Berg?“ Der Dämon antwortete: „Er heißt Fuling-Berg. Im Berg gibt es eine Höhle, die man Wolkenpfosten-Höhle nennt. Dort lebte einst eine Eierfrau; als sie sah, dass ich etwas Kampfkunst kann, nahm sie mich als Hausvorstand und nannte mich auch ,Der an der Hintertür hereinkommt‘. Es ist noch nicht einmal ein Jahr her, da starb sie. Die ganze Habe der Höhle wurde mir überlassen. Seit langer Zeit und vielen Jahren habe ich hier keine andere Lebensgrundlage als das Menschenfressen. Ich bitte den Bodhisattva um Vergebung.“ Guanyin sagte: „Die Alten sagten: ,Wer vorankommen will, soll nichts Rückschrittliches tun.‘
Du hast im Himmel bereits gegen das Gesetz verstoßen und nun änderst du dein wildes Herz nicht. Du verletzt Leben und häufst Schuld an. Ist das nicht doppelte Bestrafung?“ Der Dämon sagte: „Vorankommen, vorankommen? Wenn ich dir folge, soll ich dann den Wind trinken? Man sagt doch: ,Nach dem Gesetz der Beamten wird man totgeschlagen, nach dem Gesetz des Buddha verhungert man.‘ Nein, nein! Es ist doch besser, einen Vorübergehenden zu packen, ihn fett und schmackhaft zu essen. Was kümmert mich doppelte oder dreifache Schuld, tausendfache Schuld oder zehntausendfache Schuld?“ Guanyin sagte: „‚Hat ein Mensch einen guten Wunsch, folgt der Himmel ihm gewiss.‘ Wenn du bereit bist, zur rechten Frucht zurückzukehren, wirst du einen Ort zur Nahrung deines Körpers finden. Die Welt hat fünf Getreidearten; damit lässt sich Hunger stillen. Warum musst du Menschen fressen, um zu leben?“
Der Dämon hörte das und erwachte, als träume er gerade. Er sagte zu Guanyin: „Ich möchte dem Rechten folgen, aber was ist mit ,Wer vor dem Himmel schuldig wird, findet keinen Ort der Anrufung‘?“ Guanyin sagte: „Ich habe Buddhas Befehl empfangen und gehe in das Ostland, um einen Schriftenholer zu suchen. Du kannst ihm als Schüler folgen, mit ihm nach Westen reisen und so Verdienst gegen Schuld eintauschen. Dann bringe ich dich sicher aus allen Unglückszonen heraus.“
Der Dämon sagte sofort immer wieder: „Ich will mitgehen, ich will mitgehen.“ Da berührte Guanyin seinen Scheitel und empfing ihn in die Gebote, gab ihm den Leib als Namen, und so hieß er fortan Zhu. Sie verlieh ihm den Dharma-Namen Zhu Wuneng. Damit nahm er den Befehl an und kehrte zur Wahrheit zurück, hielt Fasten und aß vegetarisch, schnitt die fünf scharfen Geschmacksrichtungen und die drei verbotenen Speisen ab und wartete nur noch auf den Schriftenholer.
Guanyin verabschiedete sich dann mit Hui'an von Wuneng und reiste halb in Wolken und halb im Nebel weiter. Als sie gerade unterwegs waren, sahen sie in der Luft einen Jadendrachen rufen. Guanyin fragte näher: „Welcher Drache bist du, dass du hier Strafe erleidest?“ Der Drache antwortete: „Ich bin der Sohn des Drachenkönigs des Westmeers, Ao Run. Weil ich den Palast mit Feuer erfasst und den hellen Perlenstein verbrannt habe, erstattete mein Vater dem Himmel einen Bericht und bezichtigte mich des Aufruhrs. Der Jadekaiser ließ mich in der Luft hängen und dreihundert Hiebe erleiden; bald soll ich getötet werden. Ich bitte den Bodhisattva, mich zu retten.“
Guanyin hörte dies, ging mit Hui'an durch das Südhimmelstor hinein, wo bereits die beiden Meister Qiu und Zhang sie empfingen und fragten: „Wohin geht Ihr?“ Die Bodhisattva sagte: „Der arme Mönch möchte den Jadekaiser persönlich sehen.“ Die beiden Meister meldeten es eilends oben. Der Jadekaiser stieg selbst vom Palast herab, um sie zu empfangen.
Die Bodhisattva verneigte sich und sagte: „Der arme Mönch hat Buddhas Befehl erhalten, in das Ostland einen Schriftenholer zu suchen. Unterwegs traf ich auf einen sündigen Drachen, der aufgehängt war. Ich bitte hiermit um Gnade für sein Leben und darum, ihn mir zu schenken, damit er dem Schriftenholer als Reittier dient.“ Der Jadekaiser hörte dies und erließ sofort einen Erlass zur Begnadigung, schickte Himmelsgeneräle zum Losbinden und übergab ihn der Bodhisattva. Guanyin dankte für die Gnade und ging hinaus. Der kleine Drache kniete, dankte für sein gerettetes Leben und folgte nun den Befehlen der Bodhisattva. Sie setzte ihn in einen tiefen Graben und wartete nur auf den Schriftenholer, damit er sich in ein weißes Pferd verwandle und im Westen Verdienste erwerbe. Der Drachenjüngling nahm den Auftrag an und verbarg sich; darüber braucht man nicht weiter zu sprechen.
Die Bodhisattva führte Hui'an weiter über diesen Berg hinweg und eilte wieder nach Osten. Nicht lange danach sahen sie zehn tausend Lichtstrahlen und tausend glückverheißende Dämpfe. Hui'an sagte: „Meister, der leuchtende Ort dort ist der Fünf-Elemente-Berg; dort klebt der Buddhatitel von Tathagata.“ Die Bodhisattva sagte: „Das ist der Großheilige Gleichdem-Himmel, der die Pfirsichversammlung störte und den Himmel verwüstete; nun ist er dort niedergelegt.“ Hui'an sagte: „Genau so, genau so.“ Meister und Schüler stiegen zusammen auf den Berg und sahen den Zettel: die sechs Schriftzeichen „Om Mani Padme Hum“. Die Bodhisattva betrachtete ihn und seufzte beklommen. Sie dichtete ein Gedicht:
Man muss den Affen bedauern, der keinen Dienst anerkennt;
damals prahlte er wüst und rühmte sich als Held.
Mit vermessenem Herzen störte er die Pfirsichversammlung,
in frecher Eigenmacht drang er in Laojuns Palast ein.
Hunderttausend Soldaten konnten ihn nicht fassen,
auf dem neunten Himmel herrschte er mit Macht.
Seit er von meinem Buddha Tathagata gebändigt wurde,
wann wird er wieder aufstehen und seine Kunst zeigen?
Während Meister und Schüler so sprachen, hatte der Große Heilige sie bereits wahrgenommen. Unten am Fuß des Berges rief er laut: „Wer ist es, der auf dem Berg Verse macht und meine Schwächen aufdeckt?“ Als die Bodhisattva das hörte, stieg sie den Berg hinab und sah nach. Unter dem Felshang waren Berggeist und Erdgeist, außerdem die himmlischen Generäle, die den Großen Heiligen bewachten; sie alle verneigten sich vor der Bodhisattva und führten sie vor ihn.
Als sie ihn sah, war er in einen Steinkasten eingepresst. Sein Mund konnte sprechen, aber sein Körper sich nicht bewegen. Die Bodhisattva fragte: „Du mit dem Familiennamen Sun, erkennst du mich?“ Der Große Heilige öffnete seine feurigen Augen, nickte heftig und rief: „Wie könnte ich Euch nicht erkennen? Ihr seid die ehrwürdige Guanyin vom Südmeer, vom Berg Putuo, die Leiden erlöst und Rettung bringt. Ich verneige mich vor Euch, ich verneige mich vor Euch.
Ich lebe hier, als wäre jeder Tag ein Jahr; kein einziger Bekannter kommt, um mich zu sehen. Woher kommt Ihr?“ Die Bodhisattva sagte: „Ich habe den Buddha-Befehl erhalten und gehe ins Ostland, um den Schriftenholer zu suchen. Auf meinem Weg hierher habe ich absichtlich einen kleinen Umweg gemacht, um dich zu sehen.“ Der Große Heilige sagte: „Buddha hat mich betrogen und hier unter dem Berg eingesperrt, schon über fünfhundert Jahre lang. Ich kann mich nicht rühren. Ich bitte den Bodhisattva dringend um einen Ausweg und um Rettung für den alten Sun.“ Die Bodhisattva sagte: „Du bist von Schuld so tief beschmutzt; wenn ich dich herauslasse, könnte du wieder Unheil anrichten, und das wäre nicht gut.“ Der Große Heilige sagte: „Ich bereue es bereits. Ich wünsche mir nur, dass der große Barmherzige mir einen Weg zeigt. Ich will gern üben und mich kultivieren.“ Das bedeutet wahrhaft: Wenn ein Mensch nur einen einzigen Gedanken hervorbringt, weiß Himmel und Erde es sofort. Wenn Gut und Böse keine Vergeltung hätten, müsste das Universum wohl Parteigunst haben.
Als die Bodhisattva dies hörte, war sie überglücklich und sagte zum Großen Heiligen: „Im Sutra heißt es: ,Wenn die Worte gut sind, antworten sie noch aus tausend Li Entfernung; wenn die Worte schlecht sind, widersprechen sie noch aus tausend Li Entfernung.‘ Da du nun ein solches Herz hast, will ich nach Osten in das Reich der Tang reisen und einen Schriftenholer suchen, den ich zu dir führen kann. Du kannst ihm als Schüler folgen, die Lehre beachten und die Ritualen halten, in mein Buddha-Tor eintreten und noch einmal die rechte Frucht suchen. Wie wäre das?“ Der Große Heilige rief immer wieder: „Ich will gehen, ich will gehen.“
Die Bodhisattva sagte: „Wenn es gute Frucht gibt, gebe ich dir einen Dharma-Namen.“ Der Große Heilige sagte: „Ich habe schon einen Namen, er heißt Sun Wukong.“ Da freute sich die Bodhisattva noch mehr: „Vorher habe ich bereits zwei, die sich unterworfen haben; alle tragen den Schriftzug ,Wu‘ im Rang. Bei dir ist es nun ebenfalls das Zeichen ,Wu‘, und das passt zu ihnen, sehr gut, sehr gut. Dafür muss ich dir nichts weiter einschärfen. Ich gehe nun.“ Der Große Heilige hatte nun Verstand und Herz zum Buddha-Tor zurückgebracht, und die Bodhisattva bewahrte Milde im Herzen und suchte den heiligen Mönch.
Sie verließen mit Hui'an diesen Ort und reisten geradewegs nach Osten. Schon nach wenigen Tagen kamen sie in das Reich der großen Tang nach Chang'an. Sie zogen Wolken und Nebel ein, verwandelten sich in zwei verlausterte Bettelmönche und betraten die Stadt Chang'an; da war es schon Abend. Sie gingen bis an die große Marktstraße und sahen einen kleinen Erdentempel. Dort traten beide ein.
Die Erdgottheit erschrak, die Geisterkrieger zitterten, und als sie erkannte, dass es die Bodhisattva war, verbeugte sie sich und ließ sie eintreten. Dann lief der Erdgott eilig weiter und meldete es dem Stadtgott, dem Ortsgott und allen Tempelgöttern von Chang'an, die nun wussten, dass die Bodhisattva gekommen war. Sie kamen zu Besuch und sagten: „Bodhisattva, verzeiht uns Göttern, dass wir Euch zu spät empfangen haben.“ Die Bodhisattva sagte: „Ihr dürft auf keinen Fall auch nur das kleinste Gerücht hinaustragen. Ich habe Buddhas Befehl und bin nur hergekommen, um den Schriftenholer zu suchen. Ich leihe mir euren Tempel für ein paar Tage. Sobald ich den wahren Mönch gefunden habe, gehe ich wieder.“ Die Götter kehrten an ihre Plätze zurück, schoben den Erdgott vorübergehend ins Stadtgötter-Tempelquartier, und Meister und Schüler verbargen ihre wahre Gestalt. Ob sie wohl den einen Schriftenholer finden werden, erfahrt im nächsten Kapitel.