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Kapitel 64: Bajie kämpft sich durch den Dornengürtel, und Tripitaka spricht im Holzunsterblichen-Kloster über Poesie

Die 64. Episode von Die Reise nach Westen: Bajie kämpft sich durch den Dornengürtel, und Tripitaka spricht im Holzunsterblichen-Kloster über Poesie.

Die Reise nach Westen Kapitel 64 Bajie kämpft sich durch den Dornengürtel und Tripitaka spricht im Holzunsterblichen-Kloster über Poesie

Der König von Jisai dankte Tripitaka und seinen Schülern dafür, dass sie den Schatz zurückgewonnen und den Dämon gefasst hatten. Doch als er den vier Reisenden Geschenke darbringen wollte, nahm keiner von ihnen auch nur einen Faden Gold oder Jade an. Stattdessen befahl er den Hofdienern, für jeden der vier Reisenden zwei Sätze jener Kleidung anzufertigen, die sie gewohnt waren, dazu zwei Paar Schuhe und Strümpfe, zwei Stricke und Ringe sowie trockene Verpflegung und gebratenen Reiseproviant. Der Pass wurde gegen einen neuen ausgetauscht. Danach stellte er eine grosse königliche Eskorte auf, mit zivilen und militärischen Beamten, den Bürgern der Hauptstadt und den Mönchen des Fulong-Tempels, alles unter Trommeln und Hörnern, um die vier aus der Stadt zu geleiten. Nach etwa zwanzig Li verabschiedete man sich erst einmal vom König.

Die Menge begleitete sie noch weitere zwanzig Li und kehrte dann um.

Die Mönche des Fulong-Tempels liefen noch fünfzig oder sechzig Li weiter und wollten nicht umkehren. Einige wollten sie sogar bis in den Westen Himmel begleiten; andere wollten den Weg kultivieren und dort bei ihnen bleiben. Als Wukong sah, dass niemand umkehren wollte, griff er zu einem Trick. Er riss sich dreissig oder vierzig Haare aus, hauchte ihnen Unsterblichenatem ein und rief: "Verwandeln!"

Sofort wurden daraus gestreifte Tiger, die den Weg blockierten und brüllend auf und ab sprangen.

Die Mönche erschraken und wagten nicht weiterzugehen. Erst da führte der Grosse Heilige seinen Meister zu Pferde fort. Bald schon waren sie weit entfernt. Alle Mönche brachen in lautes Weinen aus und riefen: "Ihr gütigen Herren, die ihr Güte und Gerechtigkeit in euch tragt! Wir hatten kein Schicksal, darum konntet ihr uns nicht retten."

Wir müssen nicht bei ihren Tränen verweilen. Der Meister und die Schüler kehrten auf die Hauptstrasse zurück, sammelten ihre Haare wieder ein und zogen geradewegs nach Westen weiter. Da die Jahreszeiten rasch wechseln, war nun Ende Winter und Beginn des Frühlings, weder warm noch kalt, eine schöne Zeit für unbeschwertes Reisen.

Dann sahen sie einen langen Grat, über dessen Kamm der Weg führte. Tripitaka zügelte sein Pferd und schaute. Der Grat war mit Dornenranken und Schlingpflanzen bedeckt. Zwar gab es noch Spuren eines Weges, doch zu beiden Seiten wucherten Dornen und Gestrüpp.

Tripitaka sagte: "Schüler, wie sollen wir diesen Weg überqueren?"

Wukong sagte: "Warum nicht?"

Er fügte hinzu: "Meister, die Spuren liegen unten und die Dornen oben. Nur Schlangen und Insekten, die am Boden kriechen, könnten hindurch. Wenn Ihr reitet, könntet Ihr nicht einmal den Rücken aufrichten. Wie soll ich mit dem Pferd fertigwerden?"

Bajie sagte: "Das ist doch kein Problem. Lasst mich mein Gestrüpp räumendes Werkzeug benutzen. Mit dem Rechen kann ich die Dornen spalten. Auch wenn wir nicht reiten können, trage ich euch notfalls sogar in einer Sänfte hindurch."

Tripitaka sagte: "Du bist zwar stark, aber du hältst das auf die Dauer nicht aus, und wir wissen nicht, wie weit das noch geht. Wie könnten wir so viel Kraft vergeuden?"

Wukong sagte: "Es braucht keinen Streit. Lasst mich erst einmal nachsehen."

Er sprang in die Luft und schaute hinab. Es war kein Ende zu sehen. Wahrlich:

Die Erde war vom fernen Himmel umschlossen und in Dunst und Regen gehüllt.
Weiches Gras lag unordentlich über den ganzen Weg; grüne Dächer spannten sich über den ganzen Berg.
Dicht und üppig waren die Blätter erst am Aufbrechen, sie hakten und zogen, voller Duft.
Aus der Ferne sah man nicht, wo es endete; aus der Nähe glich es einem Meer grüner Wolken.
Schwach und üppig, dicht und tief,
raschelte der Wind leise, während das Sonnenlicht hell aufflackerte.
Kiefern und Zypressen standen dort, auch Bambus,
dazu viele Pflaumenbäume, viele Weiden und noch mehr Maulbeerbäume.
Ranken schlangen sich um alte Bäume; Lianen wickelten sich um hängende Pappeln.
Manches wuchs wirr wie ein Spalier, manches verband sich wie ein Bettgestell.
Hier blühten Blumen so üppig, dass sie wie Brokat wirkten;
dort verströmten Wildblumen ihren Duft schon aus der Ferne.
Wer unter den Menschen begegnet nicht Dornen und Gestrüpp?
Doch wer hatte je die Weststrasse selbst so völlig mit Dornen bedeckt gesehen?

Als Wukong genug geschaut hatte, liess er die Wolke sinken und sagte: "Meister, dieser Ort ist sehr weitläufig."

Tripitaka fragte: "Wie weit?"

Wukong sagte: "Ich kann das Ende nicht sehen. Es scheint tausend Li oder mehr zu sein."

Tripitaka erschrak. "Was sollen wir tun?"

Sha Wujing lachte. "Meister, sorgt euch nicht. Wir können es den Brandrodungsbauern gleichtun und ein Feuer legen. Wenn das Gestrüpp verbrannt ist, kommen wir hindurch."

Bajie sagte: "Rede keinen Unsinn. Brandrodungsbauern warten bis etwa zum zehnten Monat, wenn Gras und Bäume trocken sind, ehe sie das Feuer legen. Jetzt ist noch alles saftig und grün. Wie wollt ihr das brennen lassen?"

Wukong sagte: "Selbst wenn man es brennen könnte, würde man die Leute nur erschrecken."

Tripitaka fragte: "Wie kommen wir also hinüber?"

Bajie lachte. "Wenn ihr hinüber wollt, müsst ihr immer noch auf mich zählen."

Der Tor setzte einen Zauber an und murmelte eine Beschwörung. Dann beugte er sich und rief: "Wachsen!"

Sofort wuchs sein Körper auf etwa zwanzig Zhang an. Er schwenkte den Rechen und rief: "Verwandeln!"

Der Rechen wurde zu einem Stiel von dreissig Zhang Länge.

Er spreizte die Füsse, fasste den Rechen mit beiden Händen und drückte die Dornen links und rechts auseinander.

"Meister, kommt mir nur nach."

Tripitaka freute sich. Er trieb das Pferd dicht hinter ihm her, Sha Wujing trug das Gepäck, und Wukong trennte mit seinem Eisenstab ebenfalls die Dornen. Den ganzen Tag hielten sie nicht an und kamen fast hundert Li weit.

Gegen Abend erreichten sie eine freie Stelle.

Auf dem Weg stand eine Steintafel mit drei grossen Zeichen: Dornengürtel. Darunter standen zwei Zeilen mit je vierzehn kleinen Schriftzeichen: "Dornen und Ranken ziehen sich über achthundert Li; seit uralten Zeiten sind hier nur wenige Wanderer gewesen."

Als Bajie das sah, lachte er. "Lasst den alten Schweinmann zwei Zeilen hinzufügen: 'Von nun an kann Bajie den Weg aufbrechen, und die Strasse in den Westen Himmel wird glatt gemacht.'"

Tripitaka stieg fröhlich ab und sagte: "Schüler, ihr habt euch müde gemacht. Lasst uns für heute hier bleiben und morgen bei Tageslicht weitergehen."

Bajie sagte: "Meister, haltet nicht an. Da das Wetter klar ist, wollen wir die Nacht hindurch weiterdrücken und den Weg jetzt aufbrechen."

Der Alte hatte keine Wahl und musste einwilligen.

Bajie ging mit grosser Mühe voran. Meister und Schüler liessen die Hände nicht ruhen, und das Pferd blieb nicht stehen. Sie reisten noch einen Tag und eine Nacht, und wieder kam der Abend.

Vor ihnen sahen sie verflochtenes Gesträuch. Der Wind rüttelte am Bambus, und die Kiefern seufzten. Dann öffnete sich wieder ein freier Platz, und in seiner Mitte stand ein alter Tempel.

Vor dem Tempeltor standen dunkle Kiefern und Zypressen, und Pfirsich- und Pflaumenblüten blühten nebeneinander. Tripitaka stieg ab und betrachtete den Ort mit seinen drei Schülern.

Der alte Tempel lehnt am kalten Bach vor der Klippe;
wohin das Auge fällt, verschluckt Wildrauch den verfallenen Hügel.
Im Wald der weissen Kraniche ist die Zeit tief;
unter dem grünen Unkrautpodest ziehen Frühling und Herbst von selbst vorüber.
Bambus schwingt, als hätten grüne Quasten eine Stimme;
Vögel spielen ihre letzten Töne, als seien es Klagen.
Weder Hähne noch Hunde waren zu hören, und menschliche Spuren gab es nur wenige;
nutzlose Blumen und wilde Ranken wanden sich an den Mauerkronen hinauf.

Beim Tor des Tempels standen drei goldene Worte: "Holzunsterblichen-Kloster".

Tripitaka und seine Schüler traten ein, nahmen wieder ihre Plätze ein und trafen dort auf alte Baumgeister, die sich mit ihnen im Mondlicht über Dichtung austauschten. Als am Ende die seltsame Wahrheit ans Licht kam, jagten Wukong und Bajie die verwandelten Bäume nieder, und der Meister setzte nach all dem wieder auf den Weg nach Westen.

So ging es weiter, und man erfährt das Nähere im nächsten Kapitel.