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Kapitel 62: Durch das Reinigen der Pagode wird der Schmutz weggespült, und den Dämon zu fesseln bedeutet, zum rechten Weg zurückzukehren

Die 62. Episode von Die Reise nach Westen: Durch das Reinigen der Pagode wird der Schmutz weggespült, und den Dämon zu fesseln bedeutet, zum rechten Weg zurückzukehren.

Die Reise nach Westen Kapitel 62 Durch das Reinigen der Pagode wird der Schmutz weggespült und den Dämon zu fesseln bedeutet zum rechten Weg zurückzukehren

Zwischen den zwölf Doppelstunden darf man es nie vergessen; durch hundert Markierungen der Mühe wird die volle Frucht gesammelt. Fünf Jahre und hundertachttausend Umläufe. Lasst das heilige Wasser nicht versiegen und gebt dem Feuer keine Gelegenheit, sich in Sorge zu verwandeln.

Wenn Wasser und Feuer in Gleichgewicht gehalten werden, bleibt nichts beschädigt. Die fünf Elemente verknüpfen sich wie Haken. Wenn Yin und Yang in Harmonie zusammentreffen, steigen sie zum Wolkenturm empor. Reitet auf dem Phönix in den Purpurbalast, und besteigt den Kranich nach Yingzhou.

Dieses Ci zur Melodie "Linjiang Xian" spricht nur davon, wie Tripitaka und seine vier Gefährten Wasser und Feuer in Einklang brachten, so dass ihre angeborene Kühle zurückkehrte. Mit Hilfe des reinen Yin-Bananenfächers löschten sie das heisse Feuer und überschritten den Berg. Bald hatten sie achthundert Li zurückgelegt. Die Pilger gingen nun unbekümmert weiter gen Westen.

Es war Spätherbst und ging schon in den Winter über. Man sah:

Verblühte wilde Chrysanthemen, die ihre letzten Blätter fallen liessen, und frische Pflaumenknospen, die eben erst hervorbrachen.
In jedem Dorf wurde das Korn eingebracht, und überall dampfte duftende Suppe aus den Küchen.
In den ebenen Wäldern fielen die Blätter, die fernen Berge wurden sichtbar; in den gewundenen Bächen legte sich der Frost schwer, und die stillen Schluchten wurden klar.
Die Winterglocke läutete die Zeit, die Tiere verschlossen ihre Nester.
Reines Yin erfüllte die Welt; der Mondherrscher waltete über das dunkle Wasser.
Mit voller Wasserkraft schien selbst der klare Tag die Sonne zu schonen.
Die Erde sank herab, der Himmel stieg empor.
Regenbogen verschwanden, Teiche und Tümpel begannen zu gefrieren.
An den hängenden Klippen welkten die Rankenblumen, und Kiefern und Bambus schimmerten noch grüner im kalten Licht.

Nachdem sie lange unterwegs gewesen waren, kam wieder eine Stadt in Sicht. Tripitaka hielt sein Pferd an und rief zu den Schülern: "Wukong, sieh nur dort drüben. Was für ein Ort mag das sein, wo die Türme so hoch aufragen?"

Wukong hob den Blick und sah eine Stadt. Wahrlich, sie war:

Ein Drachenkörper in den Bergen, ein Tigerlager aus Gold.
Vier Seiten von Prachtdächern nähern sich, und hundert Windungen machen das Purpurviertel eben.
Bruecken aus Jade und Stein tragen geschickte Tiere; goldene Terrassen stehen für die Weisen und Würdigen bereit.
Das ist wirklich die Hauptstadt eines göttlichen Landes, ein jadeglänzendes Verwaltungsreich des Himmels.
Die Grenzen sind fest, das tausendjährige Reich blüht.
Wilde Völker beugen sich der fernen Gnade des Herrschers; Meer und Berge kommen zum Huldigen in grosser Versammlung.
Die Stufen des Palastes sind sauber, die Wege für die Wagen friedlich.
In den Weinschenken klingt Gesang, und auf den Blumentürmen wächst Freude.
Vor dem Palast des Ewigen Frühlings könnte man fast erwarten, dass der rotglänzende Phönix im Morgenlicht ruft.

Wukong sagte: "Meister, jene Stadt ist der Sitz eines Königs."

Bajie lachte. "Jede Präfektur hat doch eine Präfekturstadt und jeder Landkreis eine Kreisstadt. Warum hältst du das gleich für den Sitz eines Herrschers?"

Wukong sagte: "Du weisst eben nicht, dass die Wohnung eines Königs anders ist als die eines Beamten. Sieh nur die zehn und mehr Tore ringsum, den hundert Li langen Umfang, die hohen Türme und den dichten Wolkendunst. Wenn das keine Kaiserstadt ist, was dann?"

Sha Wujing sagte: "Bruder, dein Auge ist scharf. Du erkennst zwar die kaiserliche Stadt, aber wie heisst sie?"

Wukong sagte: "Es gibt weder Schild noch Banner. Woher soll man es wissen? Wir müssen hineingehen und fragen."

Der ehrwürdige Mönch ritt bis an das Tor. Er stieg ab, überschritt die Brücke und trat ein. Dort sah er sechs Strassen und drei Märkte, reich an Handel und Wohlstand; die Menschen waren vornehm gekleidet und prachtvoll anzusehen.

Als sie weitergingen, sahen sie plötzlich mehr als ein Dutzend Mönche, die alle in Halskragen und Eisenketten steckten und von Haus zu Haus bettelten. Ihre Lumpen waren wirklich kaum anzusehen. Tripitaka seufzte: "Wenn der Hase stirbt, trauert der Fuchs; jedes Wesen leidet, wenn seinesgleichen in Not ist."

Er sagte zu Wukong: "Geh hin und frag sie, warum sie so leiden."

Wukong ging, wie befohlen, vor und rief: "Ihr Mönche, aus welchem Kloster kommt ihr? Weshalb tragt ihr Halskragen und Eisenketten?"

Die Mönche knieten nieder und sagten: "Herrn, wir sind die zu Unrecht bestraften Mönche des Goldlicht-Tempels."

Wukong fragte: "Wo liegt der Goldlicht-Tempel?"

"Gleich um die Ecke."

Er führte sie vor Tripitaka und fragte: "Erzählt uns, wie ihr zu Unrecht leidet."

Die Mönche sagten: "Herren, wir wissen nicht, aus welchem Land ihr kommt, aber ihr wirkt uns irgendwie vertraut. Hier dürfen wir nicht sprechen. Kommt bitte auf den öden Berg, dort erzählen wir euch unser Leid in Ruhe."

Tripitaka sagte: "So sei es. Dann gehen wir zu eurem Tempel und fragen genau nach."

Gemeinsam gingen sie zum Bergtor des Tempels. Auf dem Querbalken standen sieben goldene Schriftzeichen: "Kaiserlich errichteter und geschützter Goldlicht-Tempel."

Die Pilger traten ein und schauten umher. Sie sahen:

Die alten Hallen waren kalt von Räucherwerk und Lampenlicht; die leeren Gänge wurden von Blättern durchweht.
Eine tausend Fuss hohe Pagode ragte in die Wolken; einige Kiefern nährten dort noch den Geist.
Abgefallene Blüten bedeckten den Boden, kein Besucher kam mehr; Spinnweben kletterten willkürlich an den Dachsparren hoch.
Trommeln standen ungenutzt, Glocken hingen vergeblich; die bemalten Wände waren voller Staub, die Heiligenbilder verschwommen.
Der Lehrsitz war still, kein Mönch war zu sehen; der Meditationssaal lag ruhig, und Vögel kamen und gingen.
So trostlos, dass man seufzen musste; so einsam, dass es kein Ende zu haben schien.
Vor dem Buddha stand zwar noch ein Räucherbecken, doch die Asche war kalt und die verwelkten Blumen sagten alles über die Leere.

Tripitaka bekam ein schweres Herz, und die Tränen wollten nicht in seinen Augen bleiben. Die Mönche mit den Halskragen drückten die Haupthalle auf und baten den Alten, hinaufzugehen und den Buddha zu verneigen. Er trat ein, brachte mit dem Herzen den ersten Weihrauch dar und klapperte dreimal mit den Zähnen.

Als sie nach hinten gingen, sahen sie, dass im Zimmer des Abtes auch sechs oder sieben kleine Mönche an die Pfeiler gekettet waren. Tripitaka konnte den Anblick kaum ertragen.

Im Abtsraum kamen alle Mönche und schlugen mit dem Kopf auf den Boden. "Ihr Herren, eure Gesichter sind so verschieden von allen anderen. Seid ihr vielleicht aus dem Grossen Tang im Ostland?"

Wukong lachte. "Was für eine Vorahnung hat dieser Mönch denn? Ja, genau das sind wir. Woher habt ihr uns erkannt?"

Die Mönche sagten: "Herrn, welche Vorahnung sollten wir haben? Nur dies: Wir haben so viel Unrecht erlitten, dass es keinen Ort gibt, es klar zu machen. Tag und Nacht schreien wir gen Himmel und Erde. Vielleicht haben wir die Götter bewegt. Letzte Nacht träumte jeder von uns, ein heiliger Mönch aus dem Ostland Gross-Tang werde unser Leben retten und unser Leid ans Licht bringen. Heute sehen wir euch wirklich in solcher wunderlichen Gestalt, darum erkennen wir euch sofort."

Tripitaka freute sich sehr. "Welcher Ort ist das hier, und welches Unrecht habt ihr erlitten?"

Die Mönche knieten nieder und sagten: "Herrn, diese Stadt heisst Jisai-Reich, ein grosser westlicher Ort. Vor Jahren empfing sie Tributzahlungen von vier fremden Reichen: im Süden vom Yuezhao-Reich, im Norden vom Gaochang-Reich, im Osten vom Westlichen Liang und im Westen vom Bencuo-Reich. Jedes Jahr brachten sie schöne Jade, Perlen, schöne Prinzessinnen und schnelle Pferde. Wir führten keinen Krieg und zogen nicht gegen sie, und sie kamen von selbst, um uns als Oberreich zu verehren.

Unser Goldlicht-Tempel hatte früher immer glückverheissende Wolken über der Pagode und heilige Nebel, die hoch emporstiegen. Nachts warf sie rosigen Glanz aus, den man zehntausend Li weit sehen konnte; tagsüber sandte sie farbiges Licht aus, und die vier Fremdreiche sahen alle hin. Darum galt dieser Ort als himmlische Hauptstadt und heilige Kaiserstadt.

Vor drei Jahren, am ersten Tag des achten Monats, fiel mitten in der Nacht ein Blutregen. Am Morgen fürchteten sich alle Häuser, und jedes Heim war in Trauer. Die Minister meldeten es dem König, aber niemand wusste, wofür der Himmel uns bestrafte. Damals liess der König Daoisten ein grosses Ritual abhalten und Mönche Sutras lesen, Himmel und Erde wurden um Vergebung gebeten. Wer hätte gedacht, dass die goldene Pagode unseres Tempels beschmutzt wurde und dass seit zwei Jahren kein fremdes Land mehr Tribut gebracht hat? Unser König wollte schon zum Krieg greifen, doch die Minister baten: Die Mönche unseres Tempels hätten den Schatz von der Pagode gestohlen, deshalb seien die glückverheissenden Wolken und heiligen Nebel verschwunden und die fremden Länder kämen nicht mehr. Der törichte Herrscher hörte nicht auf Vernunft.

Diese betrügerischen Beamten liessen uns Mönche packen und folterten uns auf tausend Arten, fragten uns auf zehntausend Weisen aus. Damals gab es in unserem Tempel drei Generationen von Mönchen: Zwei Generationen zuvor sind bereits unter den Schlägen gestorben; jetzt wurden wieder wir ergriffen und mit Kragen und Ketten bestraft. Herr, wir wagen es doch nicht, mit bösem Herzen den Schatz aus der Pagode zu stehlen! Wir bitten euch inständig, nehmt euch unser an. Wer zusammengehört, soll sich zusammenfinden; wer gleiche Art ist, gehört zusammen. Lasst euer grosses Erbarmen walten und rettet unser Leben."

Tripitaka nickte und seufzte: "Diese Sache ist dunkel und schwer zu durchschauen. Einerseits hat die Regierung schlecht gehandelt, andererseits seid ihr ebenfalls in Not. Wenn der Himmel Blutregen schickte und die Pagode beschmutzt wurde, warum habt ihr nicht sofort einen Bericht eingereicht und dem König gemeldet, so dass ihr nicht leiden musstet?"

Die Mönche sagten: "Herr, wir sind einfache Leute. Woher sollten wir den Willen des Himmels kennen? Zudem haben die Alten schon nichts unterscheiden können. Was hätten wir denn tun sollen?"

Tripitaka fragte: "Wukong, wie spät ist es?"

Wukong sagte: "Es ist ungefähr die Stunde nach dem Affen."

Tripitaka sagte: "Ich will vor dem König den Pass austauschen lassen, aber die Sache mit diesen Mönchen ist nicht klar. So kann ich dem König nichts berichten. Als ich Chang'an verliess, legte ich im Famen-Tempel ein Gelübde ab: Im Westen werde ich vor jedem Tempel Räucherwerk darbringen, vor jeder Pagode die Pagode reinigen. Da wir nun hier auf bedrängte Mönche stossen und die Pagode wegen des Schatzes in Mitleidenschaft gezogen ist, sollt ihr mir einen neuen Besen besorgen. Wenn ich gebadet habe, werde ich hinaufgehen und die Pagode reinigen. Dann sehen wir, warum dieser Schmutz entstanden ist und weshalb das Licht ausblieb. Wenn ich den wahren Grund herausfinde, kann ich dem König später Bericht erstatten und dieses Leid für sie lösen."

Die gefesselten Mönche hörten das und rannten eilig in die Küche, um ein Küchenmesser zu holen, das sie Bajie gaben. "Herr, schneide damit die kleinen Mönche von den Säulen los. Dann sollen sie Essen und heissen Tee vorbereiten und den Herrn nach dem Bad bedienen. Wir selbst gehen auf die Strasse und holen einen neuen Besen für euch, damit ihr die Pagode reinigen könnt."

Bajie lachte. "Ein Schloss zu öffnen, was ist daran schwer? Kein Messer und keine Axt nötig. Lasst nur meinen alten Herrn mit dem Affengesicht kommen, er ist ein Meister im Schlossknacken."

Wukong trat wirklich vor und benutzte eine Entriegelungstechnik. Mit der Hand strich er darüber, und die Schlösser sprangen alle ab. Die kleinen Mönche rannten in die Küche, wuschen Töpfe und Herde und bereiteten Tee und Speise vor. Nachdem Tripitaka und seine Schüler gegessen hatten, wurde es allmählich dunkel. Da kamen die Mönche mit den Kragen und brachten zwei Besen herein. Tripitaka freute sich sehr. Während sie noch redeten, zündete ein kleiner Mönch eine Lampe an...

Der Alte sagte: "Haben wir dich schon gerettet, Meister, braucht es da noch nach dem Gepäck zu suchen?"

Wukong sagte: "Menschen sind wichtig, doch Gewand und Schale sind ebenfalls wichtig. Im Bündel liegen der Pass, der Brokat-Robenzacken und die Purpurgold-Schale. Das alles sind Kostbarkeiten des Buddhismus. Wie könnte man sie vergessen?"

Bajie sagte: "Bruder, du suchst nur, wir warten schon auf dem Weg."

Die Sternengötter umringten Tripitaka, setzten ihn mit einer Beschwörung auf Wolken und brachten ihn in einem Windstoss aus der Stadt und den Hügel hinab auf die Strasse. Dort warteten sie in der Ebene.

Etwa zur dritten Nachtwache schlich Sun Wukong hinein. Die Türen und Tore waren dicht verschlossen. Er kletterte auf den hohen Turm und sah, dass die Fenster alle geschlossen waren. Als er wieder hinunter wollte, fürchtete er, die Fensterrahmen könnten knarren, und wagte nicht, sie zu bewegen.

Darum formte er ein Siegel und verwandelte sich in eine Himmelsfledermaus. So sah er aus:

Der Kopf ist spitz wie bei einer Maus,
die Augen glänzen ebenfalls.
Mit Flügeln kommt sie in der Dämmerung heraus,
ohne Licht bleibt sie am Tag verborgen.
Sie steckt sich in Dachlöcher und sucht Nahrung im Flug,
und im hellen Mondlicht ist sie besonders flink.

Er glitt unter den nicht verschlossenen Dachziegeln hinein, flog von Tor zu Tor und kam in die mittlere Halle. Dort sah er unter dem Fenster des dritten Stockwerks ein schimmerndes Licht. Es war weder Lampenlicht noch Glühwürmchenlicht, weder Abendglut noch Blitz. Als er näher hinflog, sah er, dass das Bündel leuchtete. Der Dämon hatte Tripitakas Robe ausgezogen, nicht gefaltet, sondern achtlos ins Bündel gestopft.

Diese Robe war ein buddhistischer Schatz; darauf saßen Wunschperlen, Mani-Perlen, roter Achat, Purpurkoralle, Reliquien und Nachtleuchtperlen, darum strahlte sie so hell. Als Wukong dieses Gewand sah, freute er sich, nahm es an sich, achtete nicht mehr auf die Schräglage der Tragriemen, hob es auf die Schulter und wollte gerade hinabgehen. Doch ein Ende rutschte ihm ab und fiel klatschend auf das Brett.

Ach! Wie es der Zufall wollte, schlief der alte Dämon unten gerade. Der Knall weckte ihn, er sprang auf und schrie: "Da ist jemand! Da ist jemand!" Die kleinen und grossen Dämonen standen auf, zündeten Lampen an und brüllten durcheinander. Einige meldeten: "Tripitaka ist weg!" Andere meldeten: "Auch Wukong und die übrigen sind fort!" Der alte Dämon gab rasch Befehl: "Achtet auf alle Tore!" Als Wukong das hörte, fürchtete er, wieder in ein Netz zu geraten, liess das Bündel fallen und sprang mit einem Somersault direkt aus dem Turmfenster hinaus.

Der Dämon suchte überall nach Tripitaka und den anderen, fand sie aber nicht. Als der Morgen dämmerte, griff er zum Stab und führte seine Leute zur Verfolgung. Doch unten am Hügel standen schon die achtundzwanzig Sternbilder und die fünf Richtungs-Geister, mit Wolken und Nebel aufgeschichtet.

Der Dämonenkönig schrie: "Wohin wollt ihr? Da bin ich!" Die Sternbilder riefen: "Brüder, das Ungeheuer kommt!"

Kang, Zhang, Yao, Li, Guo, Zhi und die übrigen mit den Goldköpfen und Silberköpfen, die sechs Ding und sechs Jia, die Galanas und zusammen mit Bajie und Sha Wujing stürmten heran. Der Dämonenkönig sah es, lachte kalt und schickte einen Pfiff hinaus. Sofort kamen vier- oder fünftausend grosse und kleine Dämonen heraus, jeder mächtig und brutal. Sie kämpften wild auf dem westlichen Berghang.

Das Dämonenhaupt ist böse und verachtet die wahre Natur;
die wahre Natur ist sanft und kann mit dem Dämon nur schwer umgehen.
Mit tausend Plänen lassen sich Leiden kaum abschütteln;
mit zehntausend Künsten ist Harmonie doch nicht zu erreichen.
Die Himmelsheere kommen zur Hilfe, die Heiligen legen Hand an.
Die eine Seite verliert durch Wehmut an Stärke, die andere durch Entschlossenheit an Kraft.
Der Kampf donnerte und erschütterte Himmel und Erde;
auf der einen Seite flatterten Fahnen, auf der anderen klangen Trommeln und Gongs.
Speere und Schwerter blinkten eisig,
Dämonensoldaten tobten, und die himmlischen Truppen wussten kaum Rat.
Trauerwolken verdunkelten Sonne und Mond,
düstere Nebel deckten Berge und Flüsse.
Man rang und zerrte, um nur gegen Tripitakas Verehrung Buddhas anzukommen.

Der Dämonenkönig wurde noch wilder und führte seine Leute zum Ansturm.

Gerade in dem Moment, als niemand Sieg oder Niederlage unterscheiden konnte, hörte man Wukong laut rufen: "Der alte Sun ist da!"

Bajie lief ihm entgegen und fragte sofort: "Und das Gepäck?"

Wukong sagte: "Ich wäre beinahe selbst verloren gegangen. Wovon redest du da, Gepäck!"

Sha Wujing hielt den Schatzstab und sagte: "Redet später. Schlagt erst den Dämon nieder."

Die Sternbilder, die Geister und die Ding- und Jia-Götter kämpften mitten im Kreis gegen die Dämonen, während der alte Dämon mit dem Stab auf alle drei losging. Wukong, Bajie und Sha Wujing schwenkten ihre Waffen und hielten stand, doch es war dunkel wie in der Nacht, und der Himmel schien nicht gewinnen zu wollen.

Als der Dämon sah, dass es Abend wurde, pfiff er, liess seine Truppen eng zusammenrücken und holte dann wieder seinen Schatz hervor. Wukong sah es deutlich: Der Unhold löste das Bündel und hielt es in der Hand.

"Schlecht! Lauft!" rief er.

Er kümmerte sich nicht mehr um Bajie, Sha Wujing und die himmlischen Helfer, sondern sprang in einer Reihe von Somersaults bis hoch in den neunten Himmel.

Die Götter, Bajie und Sha Wujing verstanden seinen Anlass nicht, wurden ebenfalls vom Schatz eingesogen, und nur Wukong entkam. Der Dämonenkönig zog sich mit den Seinen in den Tempel zurück und band sie erneut. Tripitaka, Bajie und Sha Wujing hängte er an den Balken, das weisse Pferd band er hinten an, die Götter fesselte er ebenfalls und schleppte sie in den Keller. Dann verriegelte er alles.

Wukong rettete sich hoch in den Himmel. Als er sah, dass die Dämonentruppen zurückgingen, ohne Banner und Signale, wusste er, dass die anderen gefangen worden waren. Er liess sein glücksverheissendes Licht auf dem Ostberg nieder, biss die Zähne gegen den Unhold zusammen, dachte an Tripitaka und brach schliesslich in Tränen aus.

"Meister, in welchem früheren Leben hast du dieses schwere Schicksal angehäuft, dass du in diesem Leben auf jedem Schritt Dämonen begegnest? Solches Leid ist schwer zu entkommen. Was soll ich nur tun?"

Er seufzte lange für sich allein. Dann fasste er sich und dachte: Ich weiss nicht, was das für ein Bündelsack ist, der so viele Dinge aufnehmen kann. Jetzt hat er sogar die Himmelsgötter und himmlischen Generäle verschlungen. Ich könnte zwar den Himmel um Hilfe bitten, fürchte aber, der Jadekaiser könnte mich tadeln. Ich erinnere mich an den Wahren Krieger des Nordens, auch den Dämonenbändigen-Himmelsfürsten genannt, der jetzt auf dem Wudang-Berg im Südland weilt. Zu ihm will ich gehen und ihn bitten, meinen Meister aus dieser Not zu retten.

Der Weg des Unsterblichen ist noch nicht vollendet; Affe und Pferd zerstreuen sich.
Ohne Herrn über Herz und Geist welken die fünf Elemente dahin.
Wie es mit dieser Reise weitergeht, wer kann es schon wissen?
Das muss im nächsten Kapitel erzählt werden.