Kapitel 60: Der Bull Demon King bricht den Kampf für ein Bankett ab; der Pilger leiht den Bananenfächer ein zweites Mal
Wukong folgt dem Bull Demon King zu einem Unterwasserbankett, stiehlt das wassermeidende Goldaugenross, täuscht Prinzessin Eisenfächer und erhält den wahren Fächer, während der Bull Demon King die Verfolgung aufnimmt.
Der Erdgott sagte: "Der Große König der Gewalt ist der Bull Demon King selbst." Wukong fragte, ob der Berg also von ihm in Brand gesetzt und dann Flammenberg genannt worden sei. Der Erdgott erklärte, das Feuer sei ursprünglich von Wukong selbst ausgegangen. Als dieser einst den Himmelshof aufgemischt und der Heilige ihn in den Acht-Trigramm-Ofen geworfen habe, sei der Ofen beim Öffnen umgestoßen worden, und einige glühende Ziegel mit Restfeuer seien hierher gefallen. Daraus sei der Flammenberg entstanden. Der Erdgott sei damals im Dousu-Palast für den Ofen zuständig gewesen und wegen seiner Nachlässigkeit hierher versetzt worden.
Wukong hörte halb zu, halb nicht. Dann fragte er nach dem Großen König der Gewalt. Der Erdgott erklärte, das sei der Gemahl der Rakshasa-Frau, der nun am Jilei-Berg in der Wolkenfliegenden Höhle wohne. Dort habe sich auch die Jadegesicht-Prinzessin mit ihrem Vermögen an den Bull Demon King gehängt, und seitdem kehre dieser nicht mehr zur Rakshasa-Frau zurück. Wenn Wukong den Bull King fände und ihn hierher bitte, könne man sich den echten Fächer leihen: Das Feuer werde gelöscht, die Menschen würden gerettet, und der Erdgott könne selbst wieder nach Hause zurückkehren.
Wukong brach sofort auf, warf Sha Wujing und Bajie an, Tripitaka zu schützen, und verschwand.
Schon bald sah er einen hohen Berg. Von oben war er gut anzusehen: Der Gipfel schien den Himmel zu berühren, die Basis war fest in der Unterwelt verankert. Die sonnige Seite war warm, die Schattenseite kalt. Drachenbecken und Tigerhöhlen wechselten sich mit blühenden Rändern ab. Die Farben änderten sich in den acht Jahreszeiten nie. Wukong fand einen Pfad, und als er im Schatten der Kiefern eine Frau mit einer abgebrochenen Orchidee sah, trat er hinter einen Felsen. Sie war von so überwältigender Schönheit, dass sie einen Staat hätte stürzen können.
Er fragte vorsichtig, ob dies der Jilei-Berg sei. Die Frau bestätigte es und fragte, was er von der Wolkenfliegenden Höhle wolle. Wukong erklärte, er sei der Mönch vom Cuiyun-Berg und wolle den Bull Demon King im Auftrag der Prinzessin Eisenfächer holen.
Da wurde die Frau blass vor Zorn. Es war die Jadegesicht-Prinzessin. Sie schimpfte, der Bull King sei seit weniger als zwei Jahren bei ihr, sie habe ihm zahllose Perlen, Jadeschmuck, Gold, Silber, Seide und Satin gegeben, dazu jährlich Brennholz und monatlich Reis, und dennoch komme die andere Frau noch immer, um ihn zu rufen. Wukong zog bewusst den Stab, jagte sie bis zum Höhlentor und verschwand dann in den Schatten.
Die Jadegesicht-Prinzessin lief hinein und klagte dem Bull Demon King ihr Leid. Der König tröstete sie, legte seine Rüstung an, griff zu seinem gemischten Eisenstab und trat hinaus. Wukong sah, dass er nun ganz anders aussah als noch vor fünfhundert Jahren: glänzender Stahlhelm, goldbestickte Rüstung, Fellstiefel, drei Löwenriemen um den Leib, Augen wie Spiegel und Brauen wie rote Regenbögen. Seine Stimme ließ Berge beben. Der Bull Demon King war der große Machtträger des Westens.
Wukong verneigte sich tief. "Großer Bruder, erkennst du deinen kleinen Bruder noch?"
Der Bull King fragte, ob er Sun Wukong sei, der Große Heilige, der dem Himmel gleichgestellt wurde. Wukong bestätigte und erklärte, er habe erst eben die Frau gefragt, weil er den Bruder nicht gleich gefunden habe. Der Bull King aber erinnerte ihn an Red Boy und daran, dass Wukong seinen Sohn verletzt habe.
Wukong entgegnete, Red Boy habe ja seinen Meister gefangen und verschlingen wollen. Dank Guanyin sei er auf den richtigen Weg gebracht worden und diene nun als Glückskind in der Bodhisattva-Halle - was also sei daran auszusetzen?
Der Bull King schalt ihn wegen seiner spitzen Zunge und weil er erst die Frau erschreckt und dann an seine Tür gekommen sei. Wukong erklärte, er habe die Frau nur nach dem Weg gefragt, weil er den Bruder habe begrüßen wollen. Da er sie für die zweite Schwägerin gehalten habe, sei er ein wenig grob gewesen und bitte um Verzeihung.
Der Bull King sagte schließlich, er wolle aus alter Freundschaft Gnade walten lassen. Wukong dankte ihm, bat aber noch um einen Gefallen. Er erklärte die Lage mit Tripitaka, dem Flammenberg und dem Bananenfächer und bat den Bull King, mit ihm zu gehen und den Fächer bei der Schwägerin zu leihen.
Als der Bull King hörte, worum es ging, wurde er wütend. Wukong habe nicht nur seine Frau getäuscht, sondern auch seine Geliebte erschreckt. Zudem erinnerten ihn die alten Sprüche an die Ehre von Frauen. Wenn Wukong kämpfen wolle, so könne er es versuchen. Drei Runden lang könne er vielleicht mithalten, sonst werde er erschlagen.
Die beiden kämpften heftig, bis ein Diener am Berg rief, der König solle zu einem Gelage kommen. Der Bull Demon King setzte die Waffen gegeneinander, versprach, gleich zurückzukehren, ging in die Höhle, zog die Rüstung aus, setzte auf den wassermeidenden Goldaugentiger und ritt mit Gefolge in den Nordwesten davon.
Wukong folgte ihm als Wind und sah, wie er an einem Berg verschwand. Er verwandelte sich zurück und fand unter dem Berg ein tiefes klares Becken mit einer Steinstele: Zerschmetterter-Stein-Berg, Azure-Wellen-Teich.
Er tauchte als Krebs hinab, wucherte unter Wasser in einen geheimen Palast und sah den Bull King bei einem Unterwasserbankett. Dort saßen alte Drachen, Drachenkinder, Drachenfrauen und ein ganzer Hof von Meeresgeistern. Wukong verwandelte sich in einen Wildkrebs, wurde ertappt, gab sich aber als einfacher Wassergeist aus. Schließlich stehlte er den wassermeidenden Goldaugen-Tiger, verwandelte sich in den Bull Demon King und kehrte zur Bananenhöhle zurück.
Erklärt wurde, wie er die Rakshasa-Frau mit einem falschen Fächer täuschte, den wahren Fächer schließlich aus ihrem Mund holte und ihre betrunkenen Geständnisse nutzte, um das Geheimnis des Fächers zu erfahren. Als er sein wahres Gesicht zeigte, war die Frau entsetzt und fiel in den Staub. Wukong sprang davon, kehrte mit dem echten Fächer zurück und erfuhr kurz darauf, dass der Bull Demon King inzwischen den Diebstahl bemerkt hatte und hinter ihm herjagte.
Am Azure-Wellen-Teich verstand der Bull Demon King schließlich, dass der vermeintliche Krebs nur der listige Affe gewesen war. Er brach das Bankett ab, kehrte in die Plantain Cave zurück und fand dort die aufgebrachten Frauen vor. Die Jadegesicht-Prinzessin klagte, der Affe habe das Reittier gestohlen und sich als Bull King verkleidet, um die Rakshasa-Frau zu betrügen. Der Bull King tröstete sie, versprach, Wukong zu fangen, nahm seine Waffen und eilte wieder los.
So hatte der Falschspieler die Frau betrogen und der wilde Dämon sich dem Schutz des Affenkönigs genähert. Doch wie genau der Bull Demon King weiterverfolgte und wie der echte Fächer am Ende eingesetzt wurde, muss das nächste Kapitel berichten.