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Kapitel 56: Der Geist schlägt die Straßenräuber nieder; der Weg verirrt sich und lässt den Affen des Herzens frei

Die Pilger begegnen nach der Pipa-Höhle Wegelagerern, suchen in einem Bauernhaus Zuflucht und verlieren Sun Wukong schließlich an Tripitakas Tightening-Spell.

Die Reise nach Westen Kapitel 56 Sun Wukong Tripitaka Zhu Bajie Sha Wujing Wegelagerer Yang-Hof

Ein Vers sagt:

Ist der Geist unbesetzt, so ist er rein.
In tiefer Stille erhebt sich nicht ein einziger Gedanke.
Halte Affe und Pferd fest im Zaum und lass sie nicht schweifen.
Sei wachsam mit deinem Geist und lass keine wilde Form aufkommen.
Schneide die sechs Räuber ab, erwache zu den drei Fahrzeugen;
wenn alle Verstrickungen fallen, wird das Wahre klar.
Lass unreine Begierde für immer vergehen und überschreite die wahre Welt,
dann darfst du in westlicher Seligkeit verweilen.

Tripitaka hatte sich mit Zähnen und Nägeln durchgebissen, den Leib vor dem Zerbrechen bewahrt und dank Sun Wukong und den anderen den Skorpiondämon erschlagen und die Pipa-Höhle befreit. Wortlos zogen sie weiter. Es war bereits Hochsommer.

Der Wind roch nach wildem Orchideenkräutern, nach dem Regen war das frische Bambusgrün kühl, und an den Gräben blühte Calamus dicht und duftend. Granatapfelblüten leuchteten an den Ufern, die Weiden warfen tiefen Schatten, und die gelben Vögel jubelten laut. Auf der langen Straße hätte man eigentlich Zongzi wickeln und das Drachenbootfest am Miluo-Fluss begehen sollen, doch die Pilger gingen weiter und sahen plötzlich einen hohen Berg vor sich.

Tripitaka zügelte das Pferd und sagte: "Wukong, vor uns liegt ein Berg. Ich fürchte, wieder könnte ein Dämon auftauchen. Ihr müsst besonders aufpassen."

Wukong sagte: "Meister, sorgt Euch nicht. Wir haben uns dem Buddha anvertraut. Was sollten wir noch fürchten?"

Der Alte freute sich darüber, drängte das Pferd weiter, und im Nu standen sie auf dem Bergrücken. Was für ein Anblick:

Pines und Zypressen am Gipfel reichten blaugrün in die Wolken, an den Felswänden klammerten sich Dornen und wilde Reben. Die Höhen waren steil und gewaltig, die Täler tief und scharf eingeschnitten. Moos und Flechten bedeckten die Schattensteine, uralte Wacholder und hohe Akazien bildeten einen dichten Wald. In den tiefen Wäldern hörte man verborgene Vögel singen; im Graben rann das Wasser wie verschüttetes Jade. Der Berg war rau und schroff, kein Weg bot auch nur einen halben flachen Schritt.

Die vier Reisenden kamen auf der Westseite des Berges in eine Ebene. Zhu Bajie tat wichtig und trieb das Pferd, während Sha Wujing die Lasten trug. Das Pferd fürchtete sich nicht vor ihm, es trottete nur gemächlich weiter. Wukong lachte: "Warum treibst du es so? Lass es doch langsam gehen."

Bajie sagte: "Es wird Abend. Wir sind den ganzen Tag über den Berg gestiegen und haben Hunger. Wir sollten uns ein wenig beeilen und irgendwo ein Haus suchen, um etwas zu essen zu erbetteln."

Wukong sagte: "Dann lass mich es schneller machen."

Er schwang den Goldenen-hohen Stab, rief laut, und das Pferd riss sich los und schoss wie ein Pfeil davon. Warum fürchtete es Bajie nicht, wohl aber Wukong? Vor fünfhundert Jahren hatte Wukong in den kaiserlichen Pferdeställen als Hüter der himmlischen Pferde gedient. Seit jener Zeit scheuen Pferde vor Affen zurück.

Tripitaka konnte die Zügel nicht halten und klammerte sich nur noch an den Sattel. Nach weiteren zwanzig Li kam endlich ebenes Land, als plötzlich rechts und links der Straße dreißig oder mehr Männer hervorsprangen und den Weg versperrten.

"Mönch, wohin des Weges?"

Tripitaka erschrak so sehr, dass er vom Pferd fiel und sich in den Grasbüscheln am Wegrand duckte. "Große Könige, schont mein Leben! Schont mein Leben!"

Die zwei Anführer sagten: "Dein Leben wollen wir nicht. Lass nur das Reisegeld zurück."

Erst da begriff Tripitaka, dass es Straßenräuber waren. Einer hatte blaues Gesicht und Reißzähne, der andere hervortretende Augen und ein rundes Antlitz, als sei sogar der Tod gegen ihn zahm. Rotes Haar stand wie Feuer an den Schläfen, gelbe Bärte ragten wie aufgereihte Nadeln am Kinn. Tigerfellmützen saßen auf den Köpfen, bunte Jacken aus Fuchspelz um die Hüften, in der Hand hielten sie Wolfszahnknüppel und geknotete Rattanstäbe. Sie sahen aus wie Bergtiger und Wasserdrachen zugleich.

Tripitaka musste sich aufrichten und die Hände vor der Brust falten. "Große Könige, ich bin ein Mönch aus dem Großen Tang, vom Kaiser nach Westen gesandt, um Sutren zu holen. Seit meiner Abreise aus Chang'an sind Jahre vergangen, und alles Reisegeld ist längst aufgebraucht. Ein Mönch lebt von Almosen. Wo sollte ich Reichtümer haben? Bitte seid gnädig und lasst mich vorbei."

Die Banditen lachten nur. "Genade? Wir haben uns hier mit Tigerherz auf die Straße gestellt, um Geld zu holen. Wenn du keines hast, dann zieh die Kleider aus, lass das weiße Pferd hier und geh weiter."

Tripitaka sagte: "Amitabha. Dieses Gewand ist aus Fetzen zusammengebettelt, aus Stoffstücken von hier und von dort. Wenn ihr es mir abzieht, dann bringt ihr mich um. In dieser Welt wird man heute als Held gesehen und morgen als Tier."

Die Räuber wurden zornig, zogen ihre Knüppel und wollten losprügeln. Tripitaka war von jeher kein guter Lügner. In dieser Not blieb ihm nichts anderes übrig, als zu flunkern. "Große Könige, wartet. Hinter mir kommt noch ein kleiner Schüler. Er hat ein paar Silberstücke bei sich. Ich lasse ihn sie bringen."

Der Anführer sagte: "Dieser Mönch lässt sich nicht gern etwas nehmen. Bindet ihn fest."

Die Leute zogen an einem Strang, fesselten ihn und hängten ihn hoch in einen Baum.

Nun kamen die drei Unruhestifter heran. Bajie lachte laut: "Der Meister muss schnell vorausgegangen sein. Wir wissen bloß nicht, wo er auf uns wartet."

Da sah er Tripitaka am Baum hängen und sagte auch noch: "Seht nur, der Meister ist schon da und spielt am Baum wie auf einer Schaukel."

Wukong sagte: "Du Narr, rede keinen Unsinn. Der Meister hängt dort. Ihr kommt nach, ich gehe und sehe nach."

Der Große Heilige stieg den Hang hinauf, sah genauer hin und erkannte die Räuber. "Glück, Glück! Das Geschäft kommt von selbst an die Tür."

Er drehte sich, schüttelte sich und wurde zu einem sauberen kleinen Mönch, kaum sechzehn Jahre alt, mit schwarzem Gewand und einem blauen Bündel auf der Schulter. Er trat vor und rief: "Meister, was ist das hier? Was für schlechte Leute sind das?"

Tripitaka sagte: "Schüler, warum fragst du so viel? Befreie mich schnell!"

Wukong fragte: "Was tun sie denn?"

Tripitaka sagte: "Sie haben mich angehalten und nach Reisegeld gefragt. Da ich nichts bei mir hatte, haben sie mich hier aufgehängt und warten auf dich. Sonst hätten sie mir sogar das Pferd genommen."

Wukong lachte. "Meister, Ihr seid wirklich zu weich. Nicht alle Mönche dieser Welt sind so schwach wie Ihr. Der Tang-Kaiser schickte Euch nach Westen, um Buddha zu sehen. Wer hat Euch erlaubt, das Drachenpferd zu verschenken?"

Tripitaka sagte: "Ich hing hier am Baum und wurde geprügelt, wie hätte ich da anders reden sollen?"

Wukong fragte: "Wie habt Ihr denn geredet?"

Tripitaka sagte: "Sie haben mich heftig geschlagen. Also musste ich Dich verraten."

Wukong sagte: "Meister, das war aber sehr unbedacht. Warum habt Ihr mich verraten?"

Tripitaka antwortete: "Ich sagte, Du hättest etwas Reisegeld bei Dir. Das war nur eine Notlüge, um mein Leben zu retten."

Wukong lachte. "Gut, gut. Ihr habt mich genau so herausgestellt, wie ich es verdiene. Wenn Ihr mich nur sieben- oder achtzigmal im Monat erwähnen würdet, hätte ich noch mehr Geschäfte."

Die Banditen sahen Wukong mit Tripitaka reden und kamen im Schwarm heran. "Kleiner Mönch, dein Meister hat gesagt, du hättest Reisegeld im Bündel. Gib es heraus, dann lassen wir euch am Leben. Sagst du auch nur ein halbes Nein, ist euer elendes Leben vorbei."

Wukong legte das Bündel nieder und sagte: "Meine Herren, nur nicht schreien. In diesem Bündel ist ein wenig Geld, nicht viel - ungefähr zwanzig Riegel Pferdegold, dreißig Stück Silber und etwas Kleingeld, das ich gar nicht gezählt habe. Wenn ihr es wollt, nehmt das Bündel gleich mit. Schlagt nur meinen Meister nicht. Wie die alten Bücher sagen: 'Die Tugend ist der Ursprung, das Geld nur der Zweig.' Das hier ist also bloß Nebensache.

Wir Mönche wissen uns ohnehin anders zu ernähren. Wenn wir ein wohltätiges Haus finden, das Mönche bewirtet, gibt es eben Reisegeld und Kleidung. Was soll uns viel Reichtum? Lasst nur meinen Meister frei, ich gebe euch alles."

Die Räuber freuten sich sehr. "Der alte Mönch ist geizig, aber dieser kleine Mönch ist großzügig."

Sie riefen: "Lasst ihn herunter!"

Tripitaka bekam sein Leben zurück, sprang aufs Pferd und jagte, ohne auf Wukong zu warten, schon wieder den alten Weg entlang.

Wukong rief hastig: "Falscher Weg!"

Er nahm das Bündel auf und wollte gerade hinterher, als die Räuber ihm den Weg versperrten. "Wohin willst du? Lass das Geld da, wenn du keinen Schmerz willst."

Wukong lachte. "Dann teilen wir es eben zu dritt."

Der Anführer sagte: "Dieser kleine Mönch ist zu listig. Er will etwas für sich verstecken. Na gut, hol es heraus, wir teilen dir vielleicht im Geheimen etwas ab."

Wukong sagte: "Bruder, so meinte ich es nicht. Warum sollte ich überhaupt Reisegeld haben? Ihr seid doch die, die Gold und Silber bei anderen holen. Davon solltet ihr mir etwas abgeben."

Die Räuber gerieten in Rage. "Dieser Mönch weiß offenbar nicht, ob er lebt oder schon tot ist. Wir wollten dich freilassen, und du verlangst von uns Geld. Bleib stehen!"

Sie hoben den Rattanstab und schlugen Wukong sieben oder acht Mal auf den kahlen Kopf. Wukong tat, als merkte er nichts, und lächelte weiter. "Bruder, wenn du schon schlägst, dann schlag doch bis zum nächsten Frühling."

Der Banditenchef erschrak. "Dieser Mönch hat aber einen harten Schädel!"

Wukong sagte: "Ich wage es kaum, ich wage es kaum. Ihr schmeichelt mir zu sehr."

Die anderen verstanden ihn nicht. Zwei oder drei kamen auf ihn zu und prügelten durcheinander. Wukong sagte: "Meine Herren, beruhigt euch. Ich hole das Geld heraus."

Der Große Heilige griff ins Ohr und zog eine winzige gestickte Nadel hervor. "Meine frommen Brüder, ich habe wirklich kein Reisegeld mitgebracht. Ich schenke euch nur diese Nadel."

Die Banditen sagten: "Was für ein Pech. Da lassen wir einen reichen Mönch laufen und erwischen einen armen Glatzenratten. Was sollen wir mit einer Nadel?"

Als Wukong hörte, dass sie sie nicht wollten, hielt er sie zwischen zwei Fingern und schüttelte sie. Sie verwandelte sich in einen Stab, so dick wie eine Schüssel. Die Räuber erschraken. "Dieser Mönch ist klein, aber er beherrscht Zauberei."

Wukong stellte den Stab in den Boden. "Meine Herren, wenn ihr ihn heben könnt, gehört er euch."

Zwei Räuber sprangen vor und versuchten ihn zu packen. Vergeblich. Es war, als wollten sie mit einer Libelle eine steinerne Säule schütteln. Der Stab war der Ruyi Jingu Bang, auf der Himmelswaage 13.500 Jin schwer.

Der Große Heilige trat vor, hob ihn mühelos auf und schlug mit einem Riss den ersten Banditen nieder. "Ihr habt euer Glück verfehlt. Ihr seid an Old Sun geraten."

Die Banditen kamen wieder an, doch Wukong setzte noch einmal an und sagte: "Ihr seid müde. Dann ist jetzt Old Suns Runde."

Ein einziger Schlag traf den Anführer. Der zweite fiel gleich danach. Die übrigen Räuber ließen Speere und Stäbe fallen und flohen in alle Richtungen.

Tripitaka ritt inzwischen aus Versehen nach Osten. Bajie und Sha Wujing hielten ihn an. "Meister, wohin wollt Ihr? Ihr seid auf dem falschen Weg."

Tripitaka zügelte das Pferd. "Schüler, beeilt euch und sagt eurem Seniorbruder, er soll die Räuber nicht töten."

Bajie sagte: "Meister, bleibt hier. Ich gehe."

Er lief voraus und rief: "Bruder, Meister sagt, du sollst keine Leute töten."

Wukong sagte: "Wer sagt denn, dass ich jemanden getötet habe?"

Bajie fragte: "Wo sind denn die Räuber hin?"

Wukong sagte: "Die anderen sind fort. Nur die beiden Anführer schlafen hier."

Bajie lachte. "Die armen Kerle, die müssen die Nacht über wach gewesen sein. Sie haben sich nur hier schlafen gelegt."

Er beugte sich vor und sagte: "Sie sehen aus wie ich, den Mund sperren sie weit auf, und aus dem Mund läuft klebriger Speichel."

Wukong sagte: "Mein Stab hat aus ihnen Tofu geschlagen."

Bajie fragte: "Hat ein Mensch denn Tofu im Kopf?"

Wukong sagte: "Ich habe ihnen das Hirn herausgeschlagen."

Als Bajie das hörte, rannte er erschrocken zurück und sagte Tripitaka, die Bande sei auseinandergegangen. Tripitaka seufzte nur: "Gut ist es nicht." Dann weinte er die Räuber ein wenig an und forderte Wukong schließlich auf, ihn nicht mehr zu begleiten. Und genau hier schließt sich die Tür zum nächsten Kapitel.