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Kapitel 46 Fremde Lehren setzen sich mit ihrer Macht gegen das rechte Gesetz durch, der Herzaffe offenbart Heiligkeit und tilgt alles Böse

Die sechsundvierzigste Episode von Die Reise nach Westen: Sun Wukong durchschaut die drei Daoisten in ihren Wettstreiten um Meditation, Gegenstandsraterei, Kopfabschlagen, Bauchaufschneiden und den Ölkessel, bis Tiger-, Hirsch- und Schafkraft ihre wahre Gestalt zeigen.

Die Reise nach Westen Kapitel 46 Kapitel

Wer sich in der Welt bewegt, muss das Herz wie eine Klinge tragen und bei der Selbstkultivierung den Rand des Abgrunds nie vergessen. Man sagt wohl, die Klinge sei der Pfad zum Leben, doch man soll stets dreimal bedenken und Zorn wie Betrug fernhalten. Der Edle streitet nicht, und diese Haltung trägt die Zeiten schon seit Urbeginn. Der Weise bewahrt Tugend im Herzen und gibt so die Gegenwart weiter. Doch selbst der Starke stößt eines Tages auf einen noch Stärkeren. Am Ende bleiben nur Leere und Widerspruch zurück.

Als der König sah, dass Sun Wukong die Macht hatte, Drachen herbeizurufen und Heiliges zu wirken, ließ er den Grenzpass mit dem Kaisersiegel versehen und wollte ihn Tang Sanzang überreichen, damit sie ungehindert auf der Weststraße weiterziehen konnten. Da gerieten die drei Daoisten in Panik und warfen sich im Goldenen Thronsaal zu Boden, um zu bitten. Der Kaiser stieg hastig von seinem Drachenstuhl herab und half ihnen mit eigener Hand auf. „Warum, verehrte Reichsmeister, macht Ihr solch eine tiefe Verbeugung?“, fragte er. Die Daoisten sagten: „Majestät, wir sind hierhergekommen, um Reich und Volk zu stützen und das Land zu schützen. Nach zwanzig Jahren Mühe hat dieser Mönch heute mit seinem Zauber unsere Kunst zerrissen, uns bloßgestellt und unseren Ruf ruiniert.

Soll Euch nun wegen eines einzigen Regens der Vorwurf des Totschlags erlassen werden? Das wäre für uns schwer zu ertragen. Lasst bitte den Grenzpass noch bei Euch und gebt uns Brüder die Gelegenheit, mit ihm noch einmal zu wetten, damit man sehe, wer recht hat.“ Der König war leicht zu verwirren, ließ den Grenzpass wieder einziehen und fragte: „Reichsmeister, worin wollt Ihr denn gegen ihn antreten?“ Tigerkraft Daxian sagte: „Ich will mit ihm im Sitzen meditieren.“

Der König fragte: „Reichsmeister, das ist doch keine gute Idee. Dieser Mönch stammt aus der Zen-Lehre; er wird die Meditation gewiss beherrschen, ehe er den kaiserlichen Befehl zur Sutrenreise annimmt. Wie wollt Ihr mit ihm darum wetten?“ Der Daxian sagte: „Mein Sitzen ist anders als gewöhnliches Sitzen. Es heißt bei uns ,Heilige auf der Wolkenleiter zeigen‘.“

„Was bedeutet das?“, fragte der König. Der Daxian erklärte: „Man braucht hundert Tische. Auf fünfzig davon wird eine Meditationsplattform errichtet, Tisch auf Tisch, und niemand darf hinaufklettern oder mit Leitern und Hockern steigen. Jeder setzt sich auf eine Wolke und verharrt mehrere Stunden unbeweglich.“

Der König sah, dass das schwierig war, und ließ den Mönch fragen: „Ehrwürdiger, mein Reichsmeister will mit dir die ,Heilige auf der Wolkenleiter‘-Meditation wetten. Kannst du das?“ Als der Pilger es hörte, schwieg er eine Weile. Bajie fragte: „Bruder, warum sagst du nichts?“ Der Pilger antwortete: „Bruder, ich sage dir offen die Wahrheit. Wenn es um allerlei Kunststücke geht wie den Himmel treten, den Brunnen umstürzen, Meer und Fluss aufwühlen, Berge tragen oder Sterne tauschen, das kann ich alles. Selbst Kopf abschlagen, Bauch aufschneiden und andere seltsame Verrenkungen machen mir nichts aus. Aber Meditation? Da verliere ich. Ich habe einfach keine stille Sitznatur. Selbst wenn du mich an eine Eisenstange kettest, würde ich noch hinauf und hinunter klettern; still sitzen kann ich nicht.“

Da sagte Sanzang unvermittelt: „Ich kann meditieren.“ Der Pilger freute sich. „Das ist gut, das ist gut. Wie lange könnt Ihr sitzen?“ Sanzang sagte: „Als Kind begegnete ich einem Zen-Mönch, der den Weg lehrte. Über die Wurzel von Leben und Schicksal, über Festigkeit des Geistes, habe ich im Tor von Leben und Tod auch zwei, drei Jahre gesessen.“

Der Pilger sagte: „Wenn mein Meister zwei oder drei Jahre sitzen würde, dann müssten wir die Sutrenreise wohl bleiben lassen. Länger als zwei oder drei Stunden hält er es ohnehin nicht aus.“

Sanzang sagte: „Schüler, ich kann nicht hinaufsteigen.“ Der Pilger sagte: „Ihr antwortet nur zu, ich trage Euch hinauf.“

Tatsächlich legte der Ehrwürdige die Hände vor der Brust zusammen und sagte: „Armer Mönch kann meditieren.“ Der König ließ sofort die Plattformen aufstellen. Mit einer Kraft, die Berge versetzen konnte, waren nach nicht einmal einer halben Stunde zwei Plattformen errichtet, links und rechts des Goldenen Thronsaals.

Tigerkraft Daxian stieg vom Saal herab, stellte sich in die Mitte der Stufen, schwang den Leib und setzte sich auf eine Wolke auf die westliche Plattform. Der Pilger riss ein Haar aus und verwandelte es in einen Doppelgänger, der mit Bajie und Sha Wujing unten stehen blieb; er selbst wölbte aus bunten Wolken Tang Sanzang hoch in die Luft und setzte ihn auf die östliche Plattform. Dann zog er das Leuchten zusammen, verwandelte sich in ein winziges Insekt und flog Bajie ans Ohr. „Bruder“, flüsterte er, „achte gut auf den Meister und rede nicht mit meinem Stellvertreter.“ Der Tölpel lachte: „Verstanden, verstanden.“

Dann saß auch Hirschkraft Daxian auf dem gestickten Sitz und beobachtete lange. Die beiden oben auf den Plattformen gaben sich nichts. Da wollte der Daoist seinem Bruder helfen: Er riss sich ein Haar aus dem Hinterkopf, knetete es zu einem Klümpchen und schnippte es hinauf. Es landete auf Sanzangs Kopf und verwandelte sich in einen großen Stinkkäfer, der sich in den Scheitel bohrte. Sanzang spürte zuerst nur Jucken, dann Schmerz. Doch wer in Meditation sitzt, darf die Hände nicht bewegen; wer die Hände bewegt, verliert.

Der Schmerz wurde unerträglich. Er zog den Kopf ein und rieb sich mit dem Gewandkragen. Bajie sagte: „Nicht gut, der Meister hat einen Anfall.“ Sha Wujing sagte: „Nein, das ist Kopfschmerz.“

Der Pilger hörte es und sagte: „Mein Meister ist ein aufrichtiger, wahrer Mann. Wenn er sagt, dass er meditieren kann, dann kann er es auch; wenn er sagt, dass er es nicht kann, dann kann er es nicht. Was für ein Mensch wäre er sonst? Ihr beiden schweigt, ich gehe hin und sehe nach.“

Mit einem leisen Surren flog er zum Kopf seines Meisters. Da saß wirklich ein stinkender Käfer in Stecknadelgröße. Er zupfte ihn rasch herunter und rieb Sanzangs Scheitel. Sofort war der Ehrwürdige weder verletzt noch geplagt und saß wieder aufrecht. Der Pilger dachte bei sich: „Ein Mönch hat eine Glatze, da soll nicht einmal eine Laus Platz finden. Woher kommt dieser Käfer? Ganz sicher ist das ein Zaubertrick jener Daoisten, um meinen Meister zu schädigen.

Nun gut, da man ohnehin nicht sieht, wer gewinnt, lass den alten Sun sie selbst ein wenig reizen.“ Er flog hinauf, landete auf dem Löwenkopf auf dem Goldenen Saal und verwandelte sich in einen sieben Zoll langen Tausendfüßer. Direkt kroch er in die Nasenöffnung des Daoisten und stach zu.

Der Daoist konnte nicht mehr still sitzen, überschlug sich und fiel hinunter. Er wäre beinahe gestorben, wenn nicht Beamte und Diener ihn aufgefangen hätten. Der König erschrak sehr und ließ seinen Hofmeister kommen, damit man ihn in die Wenhua-Halle trüge und wusch.

Der Pilger spannte erneut seine Wolken aus, trug den Meister die Stufen hinab und erklärte ihn zum Sieger.

Der König wollte nur noch den Pass freigeben. Da sagte Hirschkraft Daxian: „Majestät, mein Bruder hat von alters her einen versteckten Windschlag, und weil er so hoch oben saß und der kalte Wind ihn traf, ist die alte Krankheit wieder aufgebrochen. Darum gewann der Mönch. Lasst ihn bitte noch hier, damit ich mit ihm über das Erraten eines Gegenstands hinter einer Platte wette.“

Der König fragte: „Was heißt ,hinter einer Platte erraten‘?“ Hirschkraft Daxian sagte: „Ich verfüge über die Kunst, Dinge durch eine Platte hindurch zu erkennen. Ob jener Mönch das auch kann? Wenn er mich übertrumpft, darf er gehen. Wenn nicht, soll Eure Majestät ihm die Strafe zumessen, damit der Groll gegen meine Brüder gestillt und unser zwanzigjähriger Schutzdienst nicht beschmutzt wird.“ Der König, ganz verwirrt, ließ sofort einen zinnoberrot lackierten Schrank bringen und ordnete an, die Kaiserin solle ein Schatzstück hineinlegen.

Nach kurzer Zeit wurde der Schrank herbeigetragen und vor die weiße Jadestufe gestellt. Die Mönche und Daoisten sollten erraten, welches Schatzstück darin sei.

Sanzang fragte: „Schüler, wie sollen wir wissen, was im Schrank liegt?“ Der Pilger zog seine Wolken zusammen, verwandelte sich wieder in das winzige Insekt, kroch auf Sanzangs Kopf und sagte: „Meister, nur keine Sorge, ich schaue nach.“

Der große Heilige flog leise zum Schrank, kroch unter den Fuß und fand eine Spalte. Er schlüpfte hinein und sah eine zinnoberrote Schale, in der ein kaiserliches Gewand lag, nämlich der Hemdrock von Berg und Reich und der Rock von Himmel und Erde. Er hob es mit der Hand hoch, schüttelte es auseinander, biss sich in die Zungenspitze und spritzte einen Mund voll Blut darauf. „Verwandelt euch!“, rief er. Sofort wurde daraus ein zerrissenes, fadenscheiniges Glöckchen. Beim Weggehen spritzte er noch einen Schwall scharfes Urinwasser darauf. Dann kroch er wieder durch die Spalte hinaus, flog Sanzang ans Ohr und sagte: „Meister, ratet nur: ein zerfetztes, herunterhängendes Glöckchen.“

Sanzang sagte: „Sie lassen mich ein Schatzstück erraten. Was bitte ist denn ein herunterhängendes Glöckchen für ein Schatzstück?“ Der Pilger sagte: „Fragt nicht, ratet einfach so.“

Der Ehrwürdige trat vor und wollte gerade raten, da sagte Hirschkraft Daxian: „Ich rate zuerst: Im Schrank liegt das Hemdgewand von Berg und Reich und der Rock von Himmel und Erde.“ Sanzang sagte: „Nein, nein, im Schrank liegt ein zerfetztes, herunterhängendes Glöckchen.“ Der König rief: „Dieser Mönch ist unverschämt, er wagt es, über die fehlenden Schätze meines Reiches zu spotten. Was für ein herunterhängendes Glöckchen! Ergreift ihn!“

Die beiden Reihen der Wachen wollten schon zupacken. Sanzang erschrak und rief hastig: „Majestät, verschont bitte für einen Augenblick den armen Mönch. Lasst uns doch den Schrank öffnen. Wenn es wahrlich ein Schatz ist, nehme ich die Strafe auf mich. Wenn es keiner ist, dann wäre es ungerecht, mich zu beschuldigen.“ Der König ließ den Schrank öffnen.

Der Hofbeamte machte auf und nahm die Schale heraus. Tatsächlich war darin ein kaputtes Glöckchen ohne jede Würde. Der König wurde wütend und fragte: „Wer hat so etwas hineingelegt?“ Da trat hinter dem Drachenthron die Kaiserin hervor und sagte: „Mein Herr, ich habe mit eigener Hand das Hemd von Berg und Reich und den Rock von Himmel und Erde hineingelegt. Wie das in so etwas verwandelt werden konnte, weiß ich nicht.“ Der König sagte: „Verehrte Gemahlin, zieht Euch zurück. Ich weiß schon, woran es liegt. In meinem Palast gibt es nur Brokat, Seide und Satin, wo soll denn so etwas Herabhängendes herkommen? Bringt den Schrank wieder her, und ich werde selbst ein Schatzstück hineinlegen; dann sehen wir weiter.“

Er ging in den hinteren Palast, holte einen großen Pfirsich aus dem Pfirsichbaum im Garten der Unsterblichen, so groß wie eine Schale, und legte ihn in den Schrank. Dann ließ er ihn wieder herbringen und raten.

Sanzang sagte: „Schüler, es geht wieder los.“ Der Pilger sagte: „Nur keine Sorge, ich schaue noch einmal nach.“

Wieder surrte er hinauf, schlüpfte durch die Spalte und sah einen Pfirsich. Genau nach seinem Wunsch verwandelte er sich wieder in seine wahre Gestalt, setzte sich in den Schrank und fraß den Pfirsich bis zum Kern aus. Selbst die Wangenmulden fraß er sauber aus. Den Kern legte er hinein. Dann verwandelte er sich wieder in das winzige Insekt, flog hinaus und sagte Sanzang ans Ohr: „Meister, ratet nur: ein Pfirsichkern.“

Der Ehrwürdige sagte: „Schüler, höre auf, mich zu veräppeln. Vorhin warst du voreilig und wir wären beinahe dafür hingerichtet worden. Diesmal müsst Ihr den Schatz wirklich erraten. Ein Pfirsichkern, was soll das für ein Schatz sein?“ Der Pilger sagte: „Habt keine Angst, wir gewinnen ihn schon.“

Sanzang wollte gerade antworten, da hörte man den Schafkraft-Daxian sagen: „Ich rate zuerst: Es ist ein Unsterblichkeits-Pfirsich.“ Sanzang sagte: „Nein, es ist kein Pfirsich, sondern nur ein nackter Kern.“ Der König rief: „Ich habe den Unsterblichkeits-Pfirsich hineingelegt, wie soll es bloß ein Kern sein? Die drei Reichsmeister haben richtig geraten.“

Sanzang sagte: „Majestät, öffnen wir doch und schauen nach.“ Der Hofbeamte trug den Schrank wieder herbei und öffnete ihn. Tatsächlich lag nur noch ein Kern darin, ohne Fruchtfleisch und ohne Schale. Der König erschrak: „Reichsmeister, wettet nicht weiter mit ihm. Lasst ihn ziehen. Ein Pfirsich, den ich mit eigenen Händen hineingelegt habe, ist nun bloß noch ein Kern. Wer hat ihn wohl gegessen? Es muss ein Geist geholfen haben.“

Bajie hörte das und grinste Sha Wujing leise an: „Da sieht man nur, er kann Pfirsiche essen.“

Mitten im Reden kam Tigerkraft Daxian aus der Wenhua-Halle, frisch gewaschen und geschniegelt, und sagte auf den Thron zu: „Majestät, dieser Mönch beherrscht die Kunst des Ver- und Umsetzens. Bringt den Schrank her, ich werde seine Kunst brechen und mit ihm noch einmal raten.“ Der König fragte: „Worauf wollt Ihr diesmal raten?“ Tigerkraft sagte: „Eine Kunst kann Dinge ersetzen, aber keinen menschlichen Leib. Wir legen diesen Novizen hinein; dann kann er nichts mehr vertauschen.“

Der Novize wurde also in den Schrank gelegt, der Deckel zugeschoben und wieder hinuntergebracht. Man rief: „Nun ratet noch einmal, was dies für ein Schatz ist.“

Sanzang sagte: „Schon wieder!“ Der Pilger sagte: „Dann gehe ich noch einmal.“

Er surrte hinein, sah den kleinen Novizen und dachte: Der Knirps ist wirklich geschickt; so klug ist man selten auf der Welt. Er verwandelte sich auf der Stelle in einen alten Daoisten, ging in den Schrank und sagte: „Schüler.“

Der Knabe fragte: „Meister, wo kommt Ihr denn her?“ Der Pilger sagte: „Ich kam mit einer Fluchtmethode her.“

Der Knabe fragte: „Was ist Eure Weisung?“ Der Pilger sagte: „Der Mönch hat gesehen, dass du in den Schrank gekommen bist. Wenn er nun ,Novize‘ rät, würde er doch wieder verlieren. Also komme ich, um mit dir zu verhandeln: Wir scheren dir den Kopf und raten dann ,Mönch‘.“

Der Knabe sagte: „Wie es der Meister bestimmt, Hauptsache, wir gewinnen ihn. Wenn wir wieder verlieren, sinkt nicht nur unser Ruf, auch der Hof wird uns nicht mehr achten.“ Der Pilger sagte: „So ist es recht. Komm her, mein Kind. Wenn wir gewinnen, belohne ich dich reichlich.“

Er verwandelte den Goldenen Stab in ein Rasiermesser, umarmte den Knaben und sagte: „Stillhalten, das tut ein wenig weh, aber schrei nicht. Ich schere dir den Kopf.“ Nach kurzer Zeit war das Haar abgeschoren. Er wickelte es zusammen und stopfte es in die Ecke des Schrankbodens. Dann strich er über den blanken Schädel und sagte: „Mein Sohn, dein Kopf sieht nun schon wie der eines Mönchs aus, nur die Kleidung passt noch nicht. Zieh sie aus, ich verwandle sie dir.“

Der Novize trug ein himmelblaues, mit Wolken besticktes Brokatgewand mit Kräuselbesatz; er zog es aus. Der Pilger blies einen Hauch Unsterblichenatems darauf und rief: „Verwandelt euch!“ Sofort wurde daraus ein zerlumptes, herunterhängendes Mönchsgewand. Der Knabe verstand zunächst gar nicht, was geschehen war, und der Pilger sagte lachend: „Jetzt siehst du schon ganz wie ein Mönch aus. Nur dein Kleid muss noch stimmen. Geh, zieh es an, wir wollen weitersehen.“ Der Novize tat, wie ihm geheißen wurde, und bald saß er geschniegelt im Schrank, als wäre er tatsächlich ein Mönch. So verlor auch die dritte Probe ihren Halt.

Darauf führte der Wettbewerb weiter über Kopfabschlagen, Bauchaufschneiden und den Ölkessel. Der Tigerkraft-Daxian ließ sich den Kopf abschlagen, rief aber auf dem Boden nicht mehr zurück. Der Pilger schickte heimlich einen Hund los, der den Kopf davontrug und ihn in den Fluss warf. Aus dem Körper wurde ein kopfloser gelber Tiger. Als der Hofbeamte es meldete, wusste jeder, dass die drei Meister diesmal nicht mehr entrinnen konnten.

Hirschkraft trat dann zum Bauchaufschneiden an. Der Pilger ließ einen hungrigen Falken erscheinen, der in einem Zug Herz, Leber, Milz und Darm hinwegraffte. Auf dem Boden blieb nur ein ausgehöhlter Leib zurück, und als man ihn hochhob, war daraus ein weißer Hirsch geworden.

Schafkraft wollte schließlich im siedenden Ölkessel bestehen. Doch als der Pilger merkte, dass das Öl bei ihm heiß, bei dem Daoisten aber kalt war, rief er den Nordmeer-Drachenkönig herbei. Der Drachenkönig zog den kalten Drachen aus dem Kessel, und da gab es keine Täuschung mehr. Schafkraft stürzte in das siedende Fett, seine Glieder lösten sich, die Haut verbrannte, und er ging ebenfalls zugrunde.

Der König sah die drei Dämonen nun mit eigenen Augen und begriff endlich, wie gründlich er sich hatte täuschen lassen. Er ließ den Grenzpass freigeben und dankte Tang Sanzang und seinem Schüler von Herzen. Der Pilger aber sagte nur, dass in dieser Welt die Fremdlehren viel Lärm machen, das rechte Gesetz jedoch am Ende bleibt. So verließ der Meister mit seinen Schülern den Hof und zog wieder nach Westen, auf der Suche nach dem wahren Sutra.