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Kapitel 32 Der Meritbeamte bringt Nachricht vom Flachgipfelberg, in der Lotushöhle trifft Zhu Bajie auf Unheil

Die zweiunddreißigste Episode von Die Reise nach Westen: Der Meritbeamte bringt Nachricht vom Flachgipfelberg, in der Lotushöhle trifft Zhu Bajie auf Unheil.

Die Reise nach Westen Kapitel 32 Kapitel

Ein leichter Wind streicht über die Weiden, grün wie Seide; die schöne Landschaft lohnt es, besungen zu werden.
Die Jahreszeit treibt die Vögel zum Singen, Wärme lockt die Blumen hervor, und überall liegt Duft in der Luft.
Im Begonienhof kommen die Schwalben zu zweit; jetzt ist die rechte Zeit, den Frühling zu genießen.
Roter Staub und violette Wege, Brokatgewänder und Saitenspiel, Graswettstreit und weitergereichte Becher.

Nachdem Tang Sanzang Sun Wukong wiedergewonnen hatte, waren Meister und Schüler ein Herz und eine Seele und zogen gemeinsam gen Westen. Nachdem sie die Prinzessin des Baoxiang-Reiches gerettet hatten, wurden sie vom König und seinen Beamten bis zum Westtor der Stadt begleitet. Was unterwegs an Hunger, Durst, Nachtlager und frühem Aufbruch geschah, lässt sich gar nicht alles erzählen.

Es war gerade die dritte Runde des Frühlings:

Ein leichter Wind streicht über die Weiden, grün wie Seide;
die schöne Landschaft lohnt es, besungen zu werden.
Die Jahreszeit treibt die Vögel zum Singen, Wärme lockt die Blumen hervor, und überall liegt Duft in der Luft.
Im Begonienhof kommen die Schwalben zu zweit; jetzt ist die rechte Zeit, den Frühling zu genießen.
Roter Staub und violette Wege, Brokatgewänder und Saitenspiel, Graswettstreit und weitergereichte Becher.

Gerade als Meister und Schüler in dieser freundlichen Frühlingsstimmung weiterzogen, stellte sich ihnen ein Berg in den Weg.

Tang Sanzang sagte: „Schüler, seid vorsichtig. Vor uns liegt ein hoher Berg. Ich fürchte, Tiger, Wölfe und andere Gefahren könnten den Weg versperren.“

Wukong sagte: „Meister, Mönche sollten nicht wie Weltleute reden.

Erinnert Ihr Euch nicht an die Worte aus dem Herzsutra, die der Mönch vom Krähennest niederschrieb: ,Wenn das Herz ohne Hemmung ist, gibt es keine Furcht, und man ist fern von verkehrten Träumen.‘ Merkt Euch nur: ,Reinigt den Staub im Herzen, wascht den Staub an den Ohren fort. Wer das Leid im Leid nicht erträgt, wird nie einer über den anderen.‘ Sorgt Euch nicht. Solange Old Sun hier ist, kann selbst ein einstürzender Himmel nichts ausrichten. Was sind da Tiger und Wölfe?“

Der ehrwürdige Mönch drehte sein Pferd um und sprach:

Einst erhielt ich kaiserlichen Befehl und verließ Chang'an,
nur um daran zu denken, wie ich in den Westen zog, den Buddha zu verehren.
Im Reich der Reliquien glänzen goldene Bilder;
in der Pagode schimmert der jadefarbene Strich des Buddha.
Ich habe die Wasser ohne Namen in aller Welt gesucht
und alle Berge durchquert, die sonst niemand erreicht.
Schicht um Schicht umschließen mich Dunst und Wellen;
wann wird dieser Leib je zur Ruhe kommen?

Wukong lachte, als er das hörte. „Wenn der Meister seinen Leib ruhen lassen will, was wäre daran so schwer? Wenn das Werk vollendet ist und alle Verstrickungen abgelegt sind, sind alle Lehren leer. Dann kommt die Ruhe von selbst. Wäre das nicht wahre Muße?“

Der ehrwürdige Mönch musste darüber lachen und ließ die Sorge fahren. Er griff die Zügel fester, trieb das Silber-Schwarz-Pferd an und zog weiter. Sie stiegen den Berg hinauf, und der erwies sich als überaus steil und zerklüftet. Ein wahrer Berg!

Hohe, gewaltige Kämme, scharfe Gipfel, die den Himmel spalten.
Unten krümmt sich eine tiefe Schlucht, daneben stehen einsame Klippen und jähe Felsen.
Wo der Graben sich windet, hört man nur das Zischen einer sich im Wasser wendenden Schlange;
wo die Klippe einsam und steil aufragt, sieht man den Schweif eines Tigers durch den Wald schneiden.
Blickt man hinauf, ragen die Gipfel und durchstoßen das Blau;
blickt man zurück, sinken die Täler dunkel und nah an die Unterwelt.
Hinauf geht es wie über eine Leiter, hinunter wie über Gräben und Gruben.
Wahrlich ein wunderlicher Gebirgszug, tatsächlich eine Wand aus scharfem Stein.
Auf dem Gipfel fürchten Kräutersammler jeden falschen Schritt;
vor den Felswänden kann selbst ein Holzfäller keinen Fuß setzen.
Wildziegen und Wildpferde stieben durcheinander, Füchse und Bergochsen ordnen sich wie in Schlachtaufstellung.
Der Berg verdeckt Sonne, Mond und Sterne. Zu Zeiten tauchen wilde Tiere und graue Wölfe auf.
Die Graswege sind so verwildert, dass kein Pferd hindurchkommt. Wie sollte man da je zum Donnerklang und zum Buddha gelangen?

Der ehrwürdige Mönch zog sein Pferd an und schaute in die Höhe, gerade dort, wo der Weg am schwierigsten wurde. Da stand auf einem grünen Hang ein Holzfäller. Seht, wie er gekleidet war:

Auf dem Kopf trug er einen alten blauen Filzhut, am Leib ein grobes schwarzes Gewand aus Haarstoff.
Der alte Filzhut war wirklich merkwürdig, denn er schützte vor Rauch und Sonne zugleich;
das Haargewand war frei von Sorge und doch höchst selten.
In der Hand hielt er eine Stahlhacke, frisch geschärft, um trockenes Holz zu schlagen.
Frühlingsfarben lagen auf den Dachtraufen, und die vier Jahreszeiten schienen dort still zusammenzufließen;
außerhalb des Leibes war der Sinn gelöst, die drei Sterne blieben milde und ruhig.
Im Alter lebt man nur nach dem, was einem beschieden ist - was könnten Rang und Schande da noch an den Hügeln rütteln?

Gerade als der Holzfäller am Hang morsch Holz schlug, begegnete er dem ehrwürdigen Mönch, der aus dem Osten kam.

Er hielt die Axt am Hangrand an, trat aus dem Wald heraus
und stieg eiligen Schrittes die Felsklippe empor.

Er rief mit harter Stimme: „Reverend, der nach Westen zieht, bleibt einen Augenblick stehen. Ich habe euch etwas zu sagen. In diesem Berg gibt es eine Bande giftiger Dämonen und brutaler Ungeheuer, die nichts anderes tun, als die Vorüberreisenden aus Ost und West aufzufressen.“

Tang Sanzang erschrak so sehr, dass ihm die Seele beinahe aus dem Leib fuhr. Er konnte nicht ruhig im Sattel sitzen, wandte sich hastig um und rief seinen Schülern zu: „Hört ihr, was der Holzfäller berichtet? ,In diesem Berg gibt es giftige Dämonen und brutale Ungeheuer.‘ Wer von euch wagt es, ihn weiter zu befragen?“

Wukong sagte: „Meister, bleibt ruhig. Lasst Old Sun hingehen und fragen, wie es wirklich ist.“

Der Große Heilige schritt den Berg hinauf, grüßte den Holzfäller als „großen Bruder“ und fragte nach den Höflichkeiten: „Bruder, aus welchem Grund seid Ihr hier?“

Wukong sagte: „Um ehrlich zu sein, Bruder, wir sind Mönche aus dem Tang-Reich und ziehen gen Westen, um Sutren zu holen. Auf dem Pferd sitzt mein Meister, und er ist etwas ängstlich.

Gerade eben habt Ihr uns gewarnt, dass es hier giftige Dämonen und brutale Ungeheuer gibt. Darum bin ich hergekommen, um offen zu fragen: Wie alt sind diese Dämonen? Wie hoch ist ihr Können? Sind es erfahrene Meister oder nur junge Emporkömmlinge? Sagt es mir bitte ehrlich, damit ich den Berggott und den Erdgeist beauftragen kann, sie fortzuschaffen.“

Der Holzfäller hörte das und lachte zum Himmel hinauf. „Ihr seid also ein windiger Mönch.“

Wukong sagte: „Ich bin kein windiger Mönch. Ich spreche die Wahrheit.“

Der Holzfäller sagte: „Wenn es die Wahrheit ist, wie könnt Ihr dann davon reden, sie fortzuschaffen?“

Wukong sagte: „Ihr redet ihren Ruf hoch und gebt wirres Zeug von Euch, um den Weg zu versperren. Seid Ihr etwa mit ihnen verwandt? Wenn nicht verwandt, dann Nachbar. Wenn nicht Nachbar, dann Freund.“

Der Holzfäller lachte. „Ihr windiger, vorlauter Mönch, Ihr habt ja wirklich keine Vernunft. Ich wollte es nur gut und habe euch ausdrücklich gewarnt, damit ihr morgens und abends auf der Reise vorsichtig seid. Stattdessen legt Ihr die Schuld auf mich.

Sei es auch, dass ich ihren Ursprung nicht kenne - angenommen, ich wüsste ihn: Wie wolltet Ihr sie denn fortschaffen? Und wohin?“

Wukong sagte: „Wenn es Himmelsdämonen sind, schaffe ich sie zum Jadekaiser. Wenn es Erddämonen sind, zum Erdamt. Dämonen aus dem Westen gehören dem Buddha, die aus dem Osten den Weisen; die aus dem Norden dem Dunklen Krieger, die aus dem Süden dem Feuerfürsten. Drachengeister schaffe ich zum Meeresherrn, umherirrende Totengeister zu König Yama. Jeder Ort hat seine Richtung. Old Sun kennt überall Leute. Ich stelle einen Befehl aus und lasse sie über Nacht wegschaffen.“

Der Holzfäller konnte nur kalt lachen. „Ihr vorlauter Mönch, Ihr seid wohl in Grenzgebieten herumgezogen und habt ein paar Talismane und Wassersprüche gelernt. Damit kann man zwar Geister vertreiben und Gespenster fesseln, aber Ihr seid noch nicht auf ein so grausames Ungeheuer gestoßen.“

Wukong fragte: „Wie grausam ist es denn?“

Der Holzfäller sagte: „Dieser Berg erstreckt sich über ungefähr sechshundert Li und heißt Flachgipfelberg. In ihm gibt es eine Höhle, die Lotushöhle heißt. Darin leben zwei Dämonen, die bereits Bilder von Mönchen anfertigten und nun mit Namen und Gesicht nach ihnen fahnden. Wenn Ihr von woanders kommt, ist das etwas anderes. Aber sobald der Name ,Tang‘ an Euch hängt, braucht Ihr gar nicht erst zu glauben, Ihr kämt hier durch. Ihr kommt nicht durch.“

Wukong sagte: „Wir kommen gerade aus dem Tang-Reich.“

Der Holzfäller sagte: „Dann seid Ihr genau die, die sie fressen wollen.“

Wukong sagte: „Welch Glück, welch Glück. Aber wie fressen sie Menschen denn?“

Der Holzfäller sagte: „Wie wollt Ihr denn, dass sie Euch fressen?“

Wukong sagte: „Wenn sie zuerst den Kopf fressen, wäre das beinahe noch amüsant. Wenn sie zuerst die Füße fressen, wäre das beschwerlich.“

Der Holzfäller sagte: „Wie meint Ihr das - zuerst den Kopf, zuerst die Füße?“

Wukong sagte: „Ihr habt es ja selbst nie erlebt. Wenn sie zuerst den Kopf fressen, ein Biss, und ich bin tot. Danach sollen sie mich kochen, braten oder schmoren; ich spüre nichts mehr. Wenn sie aber zuerst die Füße fressen, die Knöchel abnagen, die Waden zerbeißen und sich bis zum Hüftknochen vorarbeiten, dann bin ich noch halb lebendig und muss Stück für Stück leiden. Darum ist es schwierig.“

Der Holzfäller sagte: „Mönch, dafür hätten sie gar keine Zeit. Sie würden Euch einfach packen, in einen Käfig sperren und ganz im Ganzen dämpfen.“

Wukong lachte. „Das ist noch besser. Schmerzhaft wäre es nicht, nur etwas stickige Luft müsste ich ertragen.“

Der Holzfäller sagte: „Mönch, scherzt nicht. Der Dämon trägt fünf Schatzstücke an sich und verfügt über riesige Kräfte. Selbst wenn Ihr einen jadeernen Pfeiler hättet, der den Himmel tragen könnte, oder einen goldenen Balken, der das Meer hält, müsstet Ihr immer noch den Verstand verlieren, um Tang Sanzang durchzubringen.“

Wukong sagte: „Den Verstand verlieren? Wie oft denn?“

Der Holzfäller sagte: „Drei- oder viermal mindestens.“

Wukong sagte: „Kein Problem, kein Problem. In einem einzigen Jahr verlieren wir oft sieben- oder achthundertmal den Verstand. Drei oder viermal sind leicht zu machen. Dann verlieren wir ihn eben und gehen weiter.“

Der Große Heilige hatte wirklich keinerlei Furcht. Sein ganzes Herz war nur darauf gerichtet, Tang Sanzang zu schützen.

Er schob den Holzfäller zur Seite, kehrte zum Pferd zurück und sagte: „Meister, es ist nichts Großes. Es gibt hier vielleicht ein oder zwei Dämonen, aber die Leute sind nur ängstlich und reden sich etwas ein. Solange ich da bin, was soll schon passieren? Geht, geht nur weiter.“

Der ehrwürdige Mönch hörte das und konnte nur erleichtert weiterziehen.

Sie waren nur ein Stück gegangen, da war der Holzfäller bereits verschwunden.

Tang Sanzang fragte: „Wie konnte der Warn-Holzfäller so plötzlich verschwinden?“

Bajie sagte: „Unser Glück ist wohl niedrig. Wir sind einem Tagesgeist begegnet.“

Wukong sagte: „Er ist vielleicht in den Wald gegangen, um Holz zu suchen. Ich schaue nach.“

Der Große Heilige öffnete seine Feueraugen und suchte Berge und Höhen ab, doch nirgends war eine Spur zu finden. Dann hob er den Kopf und blickte in die Wolken - und sah dort den Meritbeamten des Tages. Er sprang auf eine Wolke und jagte ihm nach, schimpfend: „Du Geisterschlingel, warum hast du nicht offen gesprochen? Warum hast du dich so verwandelt und Old Sun narrt?“

Der Meritbeamte verbeugte sich hastig. „Großer Heiliger, ich komme mit der Warnung zu spät. Verzeiht mir, verzeiht mir. Der Unhold besitzt tatsächlich große Kräfte und viele Verwandlungen. Nur wenn Ihr flink und aufmerksam seid und Euren göttlichen Verstand in Bewegung haltet, könnt Ihr Euren Meister schützen. Wenn Ihr nur ein wenig nachlässig seid, braucht Ihr an die Westfahrt nicht mehr zu denken.“

Wukong hörte ihn an und schickte ihn mit einem scharfen Tadel fort. Er behielt alles fest im Sinn, senkte die Wolke und kehrte auf den Bergweg zurück.

Dort sah er Tang Sanzang, Bajie und Bruder Sha dicht beieinander und vorwärtsgehen.

Wukong dachte bei sich: Wenn ich dem Meister genau erzähle, was der Meritbeamte gesagt hat, taugt er für so etwas nicht und fängt bestimmt an zu weinen. Wenn ich es ihm nicht sage und ihn halb schlafend weiterführe, gilt doch das alte Sprichwort: ,Kaum betritt man das Schilf, kennt man seine Tiefe nicht.‘ Falls er von Dämonen geraubt wird, habe ich nur noch mehr Arbeit. Also will ich erst Bajie prüfen. Ich lasse ihn vorangehen und einmal gegen den Unhold kämpfen. Wenn er ihn besiegen kann, ist das sein Verdienst. Wenn er nichts kann und selbst gefangen wird, kann ich ihn später retten. So zeige ich auch meine Fähigkeit und mache mir einen Namen.

Während er so überlegte, sagte er sich weiter: Ich fürchte nur, Bajie ist faul und will nicht vorangehen, und der Meister hat ein weiches Herz für ihn. Ich muss ihn also festnageln.

Der Große Heilige machte eine ganze Vorstellung. Er rieb sich die Augen, brachte ein wenig Träne hervor und ging dem Meister entgegen.

Bajie sah ihn und rief: „Bruder Sha, leg das Gepäck ab. Holt das Reisezeug heraus, dann teilen wir es auf.“

Bruder Sha fragte: „Zweiter Bruder, wozu sollen wir es teilen?“

Bajie sagte: „Teilen wir es eben. Du gehst zurück zum Fließenden-Sand-Fluss und wirst wieder Dämon; der alte Schweinchen kann zurück ins Gao-Haus und auf seine Frau warten. Wir verkaufen das weiße Pferd, kaufen einen Sarg und schicken den Meister ordentlich zur letzten Ruhe. Dann zerstreuen wir uns und gehen heim - wozu noch weiter gen Westen?“

Der ehrwürdige Mönch hörte das auf dem Pferd und sagte: „Du schwerfälliger Klotz, wir sind noch unterwegs, und du redest schon Unsinn?“

Bajie sagte: „Euer Sohn redet Unsinn? Schaut ihr denn nicht, wie Sun Wukong dort drüben herweint? Er ist einer, der zum Himmel steigen, in die Erde fahren, mit Beilen schlagen, Feuer aushalten und sogar in einen Ölkessel springen kann. Und jetzt trägt er einen Kummerhut und weint mit Tränen im Gesicht. Das heißt doch wohl, dass der Berg gefährlich und die Dämonen grausam sind. Wie sollen wir Weichen wie wir da durchkommen?“

Tang Sanzang sagte: „Red nicht so wirr. Ich frage ihn lieber selbst.“

Er fragte: „Wukong, wenn du etwas zu sagen hast, dann sag es offen. Warum bist du so unruhig? Machst du dieses weinerliche Gesicht nur, um mich zu erschrecken?“

Wukong sagte: „Meister, der Meritbeamte, der eben die Warnung brachte, sagte, die Dämonen seien grausam und der Weg hier sei schwer. Der Berg ist wirklich hoch und der Pfad steil. Wir sollten besser warten und einen anderen Tag gehen.“

Als Tang Sanzang das hörte, wurde er bang und ängstlich. Er packte Wukongs Tigerschurze und sagte: „Schüler, wir haben nur die halbe Strecke zurückgelegt. Warum redest du von Rückzug?“

Wukong sagte: „Ich bin keiner, der die Reise nicht ernst nimmt. Ich fürchte nur, die Dämonen seien zahlreich und unsere Kraft sei schwach, wir stünden zu sehr allein. ,Selbst wenn es Eisen ist, wie viele Nägel kann man aus dem Ofen schlagen?‘“

Tang Sanzang sagte: „Schüler, du redest vernünftig. Ein einzelner Mensch kann es wirklich nicht schaffen. Wie die Kriegsschriften sagen: ,Die Wenigen können den Vielen nicht widerstehen.‘ Hier habe ich noch Bajie und Bruder Sha, beide sind Schüler. Nutze sie, wie du willst, als Begleiter oder als Helfer. Wenn sie gemeinsam den Bergpfad säubern und mich hinüberführen, wären wir dann nicht alle schon auf dem rechten Weg?“

Wukong hatte das ganze Hin und Her nur veranstaltet, um dem ehrwürdigen Mönch diese Worte zu entlocken.

Er wischte sich die Tränen ab und sagte: „Meister, wenn wir über diesen Berg kommen wollen, muss Zhu Bajie zwei Dinge erfüllen; dann gibt es vielleicht noch ein Drittel Hoffnung. Wenn er meinen Worten nicht folgt und mir nicht zur Hand geht, dann ist nicht einmal die Hälfte der Strecke zu schaffen.“

Bajie sagte: „Bruder, wenn du nicht gehen willst, dann soll alles auseinandergehen. Häng mich nicht hinein.“

Tang Sanzang sagte: „Schüler, frag doch deinen Bruder, was er von dir will.“

Der Tölpel fragte Wukong wirklich: „Bruder, was soll ich denn tun?“

Wukong sagte: „Erstens den Meister bewachen, zweitens den Berg erkunden.“

Bajie sagte: „Den Meister bewachen heißt sitzen. Den Berg erkunden heißt gehen.

Soll ich etwa eine Weile sitzen und dann wieder gehen, und dann wieder sitzen? Wie soll ich auf zwei Seiten zugleich achtgeben?“

Wukong sagte: „Ich verlange nicht, dass du beides gleichzeitig tust. Übernimm einfach eine der beiden Aufgaben, dann genügt es.“

Bajie lachte wieder. „So geht das also. Aber wie genau sieht das aus: den Meister bewachen und den Berg erkunden? Erkläre es mir zuerst, dann mache ich lieber die Sache, die mir mehr liegt.“

Wukong sagte: „Den Meister bewachen heißt: Wenn der Meister sein Geschäft verrichten muss, bedienst du ihn. Wenn der Meister weiterreisen muss, stützt du ihn. Wenn der Meister vegetarische Kost braucht, bettelst du Almosen. Wenn er ein wenig dünner wird, wirst du geschlagen. Wenn sein Gesicht ein wenig gelb wird, wirst du geschlagen. Wenn sein Leib etwas abmagert, wirst du geschlagen.“

Bajie geriet in Panik. „Das ist schwer, schwer, schwer.

Bedienen und stützen ist ja noch kein Problem. Selbst ihn auf dem Rücken zu tragen wäre noch leicht. Aber wenn du mich ins Dorf schickst, um Essen zu erbetteln, dann werden sie auf dieser Weststraße nicht wissen, dass ich ein Pilgermönch bin. Sie werden nur denken, ich sei ein halb kräftiges Wildschwein, das aus dem Berg gekommen ist. Dann kommt eine ganze Menge mit Heugabeln, Rechen und Besen, wirft mich zu Boden, schleppt mich heim, schlachtet mich, pökelt mich ein und hebt mich für Neujahr auf. Das würde uns doch den Fluch bringen.“

Wukong sagte: „Dann geh und erkunde den Berg.“

Bajie fragte: „Wie macht man das beim Erkunden?“

Wukong sagte: „Geh in diesen Berg hinein und finde heraus, wie viele Dämonen es gibt, was für ein Berg das ist und was für eine Höhle sie haben, damit wir hindurchkommen.“

Bajie sagte: „Das ist leicht. Old Pig geht den Berg erkunden.“

Der Tölpel schüttelte seine Kleidung zurecht, stellte die Neunzahn-Gabel auf und marschierte mit großem Pathos in den Berg hinein, stolz und aufrecht die Hauptstraße entlang.

Wukong stand daneben und konnte sich ein kaltes Lachen nicht verkneifen.

Der ehrwürdige Mönch schalt ihn: „Du frecher Affe! Du hast gar kein Mitgefühl mit deinen Brüdern und bist immer eifersüchtig. Was soll das für ein kluges Getue sein, mit süßen Worten, mit denen du ihn zum Bergerkunden schickst, und dann stehst du hier und lachst über ihn?“

Wukong sagte: „Ich lache nicht über ihn. Mein Lachen hat seinen Grund. Ihr werdet sehen: Zhu Bajie wird nicht den Berg erkunden und auch nicht wagen, den Dämon zu sehen. Er wird sich irgendwo verstecken, eine Weile warten und sich dann eine Lüge ausdenken, um uns zu täuschen.“

Tang Sanzang fragte: „Woher weißt du das denn schon?“

Wukong sagte: „Ich kann es mir denken. Wenn Ihr mir nicht glaubt, dann lasse ich ihn verfolgen und höre ihm zu. Erstens kann ich ihm mit meiner Fähigkeit zur Dämonenbezwingung beistehen, zweitens sehe ich, ob er wirklich aufrichtig Buddha verehrt.“

Tang Sanzang sagte: „Gut, gut, gut. Aber geh ihn nicht zu sehr drangsalieren.“

Wukong versprach es und eilte den Hang hinauf hinterher. Er verwandelte sich in eine winzige Zikade.

Wirklich, seine Verwandlung war höchst fein:

Dünne Flügel schlagen mühelos durch den Wind;
die Taille ist so schmal wie eine Nadel.
Durch Gras und Blumen gleitet er wie durch Schatten,
schnell wie ein fallender Stern, ja noch schneller.
Die Augen glänzen klar, die Stimme ist fein und schwach.
Unter den Insekten ist er der Kleinste, doch klug und sicher.
In einsamen Wäldern ruht er manchmal an stillen Tagen;
den Leib sieht niemand, und mit tausend Augen findet ihn keiner.

Mit einem Flügelschlag flog er hinter Bajie her und setzte sich an den Borsten hinter dessen Ohr.

Der Tölpel ging einfach weiter und merkte nicht, dass jemand auf ihm saß.

Nach sieben oder acht Li warf er die Gabel weg, drehte sich zu Tang Sanzang um und fuchtelte mit den Armen, während er schimpfte:

„Dieser schwache alte Mönch, dieser lästige Bimi-Wen, dieser weichgesichtige Bruder Sha - sie alle haben es bequem, und mich alten Schweinchen schicken sie durchs Gelände.

Wir ziehen doch alle aus, um Sutren zu holen und die rechte Frucht zu erreichen, und ausgerechnet ich soll hier irgendeinen Berg erkunden. Ha! Wenn ich wüsste, dass Dämonen hier sind, würde ich eben etwas Abstand halten und mich nicht einmal halb so weit vorwagen. Stattdessen soll ich sie suchen - was für ein Unglück. Wo soll ich denn schlafen gehen? Ich schlafe einfach ein, kehre dann zurück und antworte nur halbherzig, ich hätte den Berg erkundet, und damit ist die Rechnung beglichen.“

Nach einer Weile hatte der Tölpel Glück; er griff nach der Gabel und ging weiter. Da sah er in einer Mulde des Berges einen roten, grasigen Hang. Er kroch hinein, legte die Neunzahn-Gabel zu Boden, rollte sich zusammen und schlief ein. Er streckte den Rücken und sagte: „Wie schön. Nicht einmal Bimi-Wen ist so frei wie ich.“

Wukong saß noch immer an seinem Ohr und hörte jedes Wort. Er konnte nicht anders und flatterte nochmals los, um ihn noch einmal zu ärgern. Dann verwandelte er sich in einen Specht. Seht ihn an:

Ein eisener Schnabel, spitz und rot glänzend; smaragdgrüne Federn, hell und strahlend.
Stahlkrallen, scharf wie Nägel.
Leerer Bauch? Macht nichts, wenn der Wald still ist.
Am liebsten hackt er an trockenem, verrottetem Holz,
am meisten verabscheut er einsame, alte Bäume.
Seine runden Augen und der schwingende Schwanz sind voller Geist.
Das Klopfen klingt hübsch und hört sich gut an.
Dieser Vogel ist weder groß noch klein, auf der Waage nur zwei oder drei Tael schwer.

Mit dem rotkupfernen Schnabel und den schwarzen Eisenfüßen schoss er herab und hackte Bajie scharf auf die Lippen.

Der Tölpel sprang erschrocken auf und rief durcheinander: „Ein Dämon, ein Dämon! Er hat mir mit einer Lanze in den Mund gestochen, das tut ja weh!“ Er tastete nach seinem Mund, und das Blut trat hervor. „Verflixt, ich habe gar keinen glücklichen Anlass, und trotzdem wird mein Mund rot?“

Er sah auf seine blutige Hand, blickte verwirrt umher und merkte nichts.

„Kein Dämon weit und breit - warum sticht mir denn jemand mit einer Lanze?“

Als er aufblickte, sah er über sich einen Specht fliegen.

Der Tölpel fluchte: „Dieser Verdammte! Bimi-Wen schikaniert mich ja schon, und nun schikaniert mich auch noch du. Jetzt weiß ich es: Ihr haltet mich bestimmt nicht für einen Menschen, sondern für ein Stück schwarzen, morschen Baumstamms mit Maden darin und hackt deshalb nach den Würmern. Wartet nur, ich stecke den Mund ins Hemd und schlafe weiter.“

Er rollte sich wieder zusammen. Wukong flog erneut heran und hackte ihm hinter dem Ohr ein zweites Mal.

Der Tölpel sprang erschrocken auf und schimpfte: „Dieser Verdammte! Der hält mich ja schlimmer auf als zuvor. Bestimmt ist das hier sein Nest, er legt hier Eier und zieht seine Jungen auf und fürchtet, ich könnte ihm das Revier wegnehmen. Schluss damit, Schluss damit, ich schlafe hier nicht mehr.“

Er nahm die Gabel und verließ den roten Gras-Hang, suchte sich einen Weg und ging weiter. Es machte Sun Wukong fast vor Freude krank und den schönen Affenkönig vor Lachen schier umfallen.

Wukong sagte: „Dieser grobschlächtige Klotz hat die Augen weit offen und erkennt nicht einmal die eigenen Leute.“

Der Große Heilige verwandelte sich erneut, diesmal wieder in eine Zikade, und klebte ihm hinter dem Ohr. Er wich ihm keinen Schritt mehr von der Seite.

Nachdem Bajie weiter in den Berg hineingezogen war und noch vier oder fünf Li zurückgelegt hatte, sah er in einer Mulde des Tals drei quadratische, glatte, etwa tischgroße blaue Steine. Bajie legte die Gabel ab und grüßte die Steine ehrerbietig.

Wukong dachte insgeheim: Dieser Tölpel - Steine sind doch keine Menschen, sie können weder reden noch zurückgrüßen. Warum grüßt er sie? Wahrlich blindes Gerede.

Der Tölpel hatte in Wahrheit die Steine als Tang Sanzang, Sha Wujing und Wukong selbst ausgegeben und probte nur, was er später erzählen wollte. Er sagte zu sich selbst: „Wenn ich zurückgehe und der Meister fragt, ob es Dämonen gibt, sage ich, es gibt Dämonen. Fragt er, was für ein Berg es ist, dann sage ich nicht, er sei aus Lehm, Erde, Zinn, Bronze, Teig, Papier oder gemalt - sonst halten sie mich für wirklich töricht. Ich sage einfach: Es ist ein Steinberg. Fragt er nach der Höhle, sage ich: Steinhöhle. Fragt er nach dem Tor, sage ich: eisernes Tor mit Nagelblech. Fragt er, wie weit es innen ist, sage ich: drei Schichten. Wenn er weiter fragt, wie viele Nägel am Tor sind, sage ich einfach, das habe ich in der Eile nicht genau gemerkt. So, jetzt ist es ordentlich zurechtgelegt. Damit kann ich den Bimi-Wen täuschen.“

So hatte er sich alles zurechtgelegt, nahm die Gabel und kehrte den Weg zurück.

Wukong hörte hinter seinem Ohr alles ganz genau. Als Bajie zurückkam, flog er voraus, kehrte in seiner wahren Gestalt zu den andern zurück und traf den Meister.

Der Meister fragte: „Wukong, du bist also gekommen. Warum ist Wuneng noch nicht zurück?“

Wukong lachte. „Er steht dort hinten und erfindet Lügen. Gleich wird er kommen.“

Tang Sanzang sagte: „Die zwei Ohren verdecken seine Augen, dieser einfältige Mensch. Was soll er schon an Lügen erfinden? Du hast dir wohl wieder etwas ausgedacht und willst ihm die Schuld geben.“

Wukong sagte: „Meister, Ihr nehmt ihn wirklich immer in Schutz. Aber es ist ganz genau diese Art von Fragen und Antworten.“ Dann erzählte er, wie Bajie sich ins Gras gelegt hatte, wie der Specht ihn geweckt hatte, wie er die Steine gegrüßt und sich eine Lüge über Steinberg, Steinhöhle, Eisenblechtor und Dämonen zurechtgelegt hatte.

Kaum hatte er geendet, kam Bajie zurück. Aus Angst, er könnte seine Lüge vergessen, senkte er den Kopf und murmelte sie vor sich hin. Wukong rief: „Tölpel, was murmelst du denn da?“

Bajie hob die Ohren und fragte: „Bin ich schon am Ziel?“

Er trat vor und kniete nieder.

Tang Sanzang half ihm auf. „Schüler, du hast dich geplagt.“

Bajie sagte: „Ganz recht. Wer wandert und Berge steigt, der ist am meisten geplagt.“

Tang Sanzang fragte: „Gab es Dämonen?“

Bajie sagte: „Es gab Dämonen, es gab Dämonen, ein ganzer Haufen Dämonen!“

Tang Sanzang fragte: „Wie haben sie dich wegschickt?“

Bajie sagte: „Sie nannten mich Schweine-Urgroßvater und Schweine-Großvater, richteten etwas Mehlbrühe und vegetarisches Essen her und ließen mich davon essen. Dann sagten sie, sie würden mit Fahnen und Trommeln aufziehen und uns über den Berg geleiten.“

Wukong sagte: „Wahrscheinlich hast du im Gras geschlafen und redest nun nur im Traum.“

Als der Tölpel das hörte, schrumpfte er sofort um zwei Zoll. „Großer Herr! Wie sollte ich denn wissen, dass ich geschlafen habe?“

Wukong ging vor, packte ihn und sagte: „Komm her, ich frage dich.“

Der Tölpel erschrak erneut. „Frag nur, warum zerren?“

Wukong fragte: „Was für ein Berg war es?“

Bajie sagte: „Ein Steinberg.“

„Was für eine Höhle?“

„Eine Steinhöhle.“

„Was für ein Tor?“

„Ein eisernes Tor mit genageltem Blech.“

„Wie weit war es drinnen?“

„Drei Schichten weit.“

Wukong sagte: „Du brauchst nichts mehr zu sagen. Den hinteren Teil erinnere ich noch genau. Damit der Meister dir nicht glaubt, sage ich es dir vor:

Wie viele Nägel am Tor? - Old Pig konnte es in der Eile nicht genau merken.

War es nicht so?“

Der Tölpel kniete sofort hastig nieder.

Wukong sagte: „Du hast dich zum Steinstoß verbeugt, als wärest du einer von uns dreien. War es nicht so? Und du sagtest: ,Wenn ich die Lüge fertig zusammengesponnen habe, täusche ich damit den Bimi-Wen.‘ War es nicht so?“

Der Tölpel nickte rasch und schlug nur noch mit dem Kopf auf den Boden. „Bruder, ich bin den Berg erkunden gegangen. Hast du denn tatsächlich hinter mir hergelaufen und zugehört?“

Wukong schalt ihn: „Ich schlage dich, Sack voll Kleie! An einem so wichtigen Ort schickte man dich zur Erkundung, und du legst dich schlafen. Hätte der Specht dich nicht aufgeweckt, würdest du noch immer dort schlafen. Und nachdem er dich geweckt hatte, erfindest du eine solche Riesengeschichte - wie sollte das nicht das große Geschäft verderben? Streck jetzt dein Knie vor, ich gebe dir fünf Schläge als Denkzettel.“

Bajie geriet in Panik. „Der Klage-Stab ist schwer; ein Schlag und die Haut fällt ein, ein Schlag und die Sehnen sind verletzt. Fünf Schläge und ich bin tot.“

Wukong sagte: „Du fürchtest die Schläge - warum lügst du dann?“

Bajie sagte: „Bruder, nur dieses eine Mal. Danach wage ich es nie wieder.“

Wukong sagte: „Einmal heißt drei Schläge.“

Bajie rief: „Großer Herr, selbst ein halber Schlag wäre schon zu viel.“

Der Tölpel hatte nichts mehr auszurichten und klammerte sich an den Meister. „Bitte sprich doch ein gutes Wort für mich.“

Tang Sanzang sagte: „Wukong, ich glaubte dir nicht, als du sagtest, er erfinde Lügen. Nun ist es wahr, und eigentlich gehört er geschlagen. Aber jetzt brauchen wir ihn auf der Bergüberquerung noch als Helfer. Wukong, verschone ihn erst einmal, bis wir den Berg hinter uns haben. Dann kannst du ihn schlagen.“

Wukong sagte: „Die Alten sagten: ,Das Gefühl, das den Worten von Eltern folgt, nennt man große Kindespflicht.‘ Da der Meister sagt, ich solle nicht schlagen, verschone ich dich fürs Erste. Geh nun wieder mit ihm den Berg auskundschaften. Wenn du noch einmal lügst und dadurch alles verdirbst, verzeihe ich dir nicht einmal mit einem einzigen Schlag.“

Der Tölpel musste also wieder aufstehen und weitergehen.

Seht ihn nur, wie er auf die Hauptstraße rennt. Weil Misstrauen den heimlichen Geist erzeugt, glaubte er bei jedem Ding, es sei Wukong, der ihm folgte. Nach sieben oder acht Li sah er einen Tiger den Berghang hinunterlaufen. Er hatte keine Angst, hob die Gabel und rief: „Bruder, bist du wieder gekommen, um die Lüge zu hören? Diesmal erfinde ich nichts.“

Weiter vorn kam ein heftiger Wind auf; mit einem Rauschen fiel ein vertrockneter Baum um und rollte vor ihn hin. Da stampfte er und schlug sich auf die Brust. „Bruder, was soll das denn? Ich habe doch gesagt, dass ich keine Lügen mehr erfinden will, und jetzt verwandelst du dich noch in einen Baum, um mich zu schlagen?“

Wenig später krächzte eine weißhalsige alte Krähe über ihm. Wieder sagte er: „Bruder, das ist nicht schön, nicht schön. Ich habe doch gesagt, ich erfinde nichts mehr, warum also verwandelst du dich wieder in eine Krähe? Willst du mich hören?“

In Wahrheit war Wukong diesmal gar nicht hinter ihm hergelaufen. Bajie erschrak und verdächtigte sich selbst, spekulierte und mutmaßte überall, als würde Wukong ihn tatsächlich begleiten. Hier lassen wir ihn erst einmal in diesem Zustand der Unruhe.

Der Berg hieß Flachgipfelberg, und die Höhle hieß Lotushöhle. In der Höhle lebten zwei Dämonen: einer hieß Goldhorn-König, der andere Silberhorn-König.

Goldhorn saß gerade und sagte zu Silberhorn: „Bruder, wie lange ist es her, dass wir den Berg nicht mehr patrouilliert haben?“

Silberhorn sagte: „Schon einen halben Monat.“

Goldhorn sagte: „Bruder, heute gehst du mit mir den Berg ab.“

Silberhorn sagte: „Was soll ich heute beim Bergengehen tun?“

Goldhorn sagte: „Du weißt es nicht. Ich habe jüngst gehört, dass aus dem Tang-Reich ein kaiserlicher Ordensmönch namens Tang Sanzang nach Westen zieht, um Buddha zu verehren, zusammen mit vier Gefährten, genannt Sun Wukong, Zhu Bajie und Sha Wujing, dazu ein Pferd - insgesamt fünf Köpfe.

Schau, wo sie sind, und bring sie mir her.“

Silberhorn sagte: „Wenn wir Menschen essen wollen, müssen wir ohnehin ein paar fangen. Dieser Mönch wird sich schon ergeben.“

Goldhorn sagte: „Du verstehst das nicht. Als ich einst den Himmel verließ, hörte ich oft sagen: ,Tang Sanzang ist der als Mensch wiedergeborene Goldzikaden-Mönch, ein guter Mensch, der zehn Leben lang geübt hat und noch nicht einmal ein Fünkchen seines reinen Yang verloren hat. Wer sein Fleisch isst, verlängert das Leben und erlangt Unsterblichkeit.‘“

Silberhorn sagte: „Wenn man sein Fleisch essen und so langes Leben erlangen kann, warum meditieren wir dann, warum leisten wir Verdienste, warum schmieden wir Drachen und Tiger, warum fügen wir Weibliches und Männliches zusammen? Dann sollten wir ihn nur holen und essen.“

Goldhorn sagte: „Bruder, du bist zu ungeduldig. Warte nur. Wenn du aus der Tür gehst, dann ist es egal, was du zuerst triffst - ein Mönch ist ein Mönch, und wenn er nicht Tang Sanzang ist, taugt er auch nichts. Ich erinnere mich an sein Aussehen; ich habe einst ihn und seine Schüler als Schattenbild gezeichnet und ihre Formen festgehalten. Du kannst das Bild mitnehmen und immer dann prüfen, wenn du einen Mönch triffst.“

Er nannte auch alle Namen einzeln. Silberhorn erhielt die Bilder, kannte nun die Namen und kam aus der Höhle heraus. Er ließ dreißig kleine Monster zusammenrufen und ging mit ihnen den Berg hinauf auf Patrouille.

Währenddessen hatte Bajie Unglück. Gerade als er vorwärts ging, stieß er direkt mit den Dämonen zusammen, die ihm den Weg versperrten. „Wer seid ihr?“ fragten sie.

Der Tölpel hob den Kopf, spitzte die Ohren und sah, dass es Dämonen waren. Sofort geriet er in Panik und dachte: Wenn ich sage, ich bin der Pilgermönch, greifen sie mich und nehmen mich mit. Also sagte er nur: „Ein Wandernder bin ich.“

Die kleinen Monster meldeten: „Großer König, es ist ein Wandernder.“

Unter den dreißig kleinen Unholden erkannten einige ihn, andere nicht. Einer, der die Beschreibung gehört hatte, sagte: „Großer König, dieser Mönch sieht aus wie der auf dem Bild, genau wie Zhu Bajie.“

Sie hängten das Schattenbild auf.

Bajie sah es und erschrak. „Kein Wunder, dass ich seit einiger Zeit so energielos bin - sie haben mein Schattenbild schon hergebracht.“

Die kleinen Monster hielten die Waffe hoch, Silberhorn zeigte mit dem Finger darauf und sagte: „Das Pferd mit dem weißen Fell ist Tang Sanzang, das behaarte Gesicht ist Sun Wukong.“

Bajie hörte es und murmelte: „Stadtgott, wenn ich nicht da wäre, ginge es auch. Schweineopfer, reines Fasten, vierundzwanzig Gebete.“

Er murmelte weiter und sprach Gelübde. Der Unhold sagte wieder: „Der Schwarze, Lange ist Sha Wujing, der Langschnauzige mit den großen Ohren ist Zhu Bajie.“

Als Bajie sich selbst genannt hörte, erschrak er und steckte den Mund in den Busen.

Der Dämon rief: „Mönch, streck den Mund heraus.“

Bajie sagte: „Ein Geburtsfehler, der kommt nicht heraus.“

Der Dämon befahl den kleinen Monstern, ihn mit einem Haken herauszuziehen.

Bajie erschrak so sehr, dass er den Mund hervorstieß und sagte: „So ein Kleinzeug - hier, ist es nicht da? Wenn ihr schon schauen wollt, dann schaut nur, warum gleich mit Haken?“

Der Dämon erkannte, dass es Bajie war, zog seinen Schatzdolch und schlug sofort zu. Der Tölpel hob die Gabel und hielt den Schlag auf. „Mein Sohn, sei nicht unhöflich. Schau dir die Gabel an!“

Der Dämon lachte. „Der Mönch ist unterwegs erst noch zum Mönch geworden.“

Bajie sagte: „Gut, mein Sohn, du hast tatsächlich etwas Verstand. Wie hast du gleich erkannt, dass dein Großvater unterwegs erst Mönch geworden ist?“

Der Dämon sagte: „Du beherrschst diese Gabel. Also musst du sie wohl aus einem Garten gestohlen haben, nachdem du dort die Erde umgegraben hast.“

Bajie sagte: „Mein Sohn, du kennst meinen Großvater und seine Gabel nicht. Die ist nicht irgendeine Gartenhacke. Das ist:

Schmiedezähne, wie Drachenklauen geformt,
mit Gold verwirkt, wie ein Tiger gestaltet.
Trifft sie auf Feinde, zieht kalter Wind auf;
gerät sie in Kampf, flammt Feuer darin auf.
Sie beseitigt für Tang Sanzang jedes Hindernis
und fängt auf dem Westweg Dämonen ein.
Wenn sie wirbelt, bedecken Rauch und Glanz Sonne und Mond;
wenn sie schwingt, verdunkeln Wogen und Wolken die Sterne.
Selbst den Taishan bringt sie zu Fall, und Tiger fürchten sie;
kippt das Meer um, erschrickt der alte Drache.
Und selbst wenn du, Dämon, Kunststücke hast -
ein einziger Hieb, und du hast neun blutige Löcher.“

Der Unhold ließ nicht locker. Er zog das Sieben-Sterne-Schwert und kämpfte mit Bajie Runde um Runde im Gebirge, etwa zwanzig Durchgänge lang, ohne dass jemand gewann. Bajie wurde richtig wütend und begegnete ihm todesmutig.

Der Dämon sah, dass Bajie mit den Ohren schlug, klebrigen Speichel spuckte und die Gabel schwang, und ihm wurde selbst etwas bange. Er rief die kleinen Monster zurück und ließ sie gemeinsam angreifen. Gegen einen Einzelnen war es noch erträglich, aber jetzt, da die kleinen Monster alle mitmachten, geriet Bajie ins Schwimmen und konnte nicht mehr standhalten. Er verlor die Schlacht und rannte davon.

Der Weg war uneben, und er hatte nicht gut hingeschaut. Plötzlich stolperte er über eine Rankenpflanze, taumelte und stürzte. Kaum war er wieder auf den Beinen, wurde er von einem kleinen Monster zu Boden gedrückt, das ihn an den Fersen packte. Dann fiel er nochmals mit dem Gesicht voraus. Die Verfolger drängten heran, hielten ihn fest, griffen nach Mähne, Ohren, Beinen und Schwanz, schleppten, zerrten und trugen ihn in die Höhle hinein.

Ein Leib voller dämonischer Wildheit ist schwer zu tilgen;
tausend Arten von Unheil sind nur schwer zu beseitigen.

Ob Zhu Bajie nun Leben oder Tod erwartet, erfahrt ihr in der nächsten Episode.