Kapitel 24: Der Große Unsterbliche vom Berg der Zehntausend Langlebigen hält einen alten Freund zurück; im Wuzhuang-Tempel stiehlt der Wanderer die Ginsengfrüchte
Die Reise nach Westen, Kapitel 24: Der Große Unsterbliche vom Berg der Zehntausend Langlebigen hält einen alten Freund zurück; im Wuzhuang-Tempel stiehlt der Wanderer die Ginsengfrüchte. Am Berg Wanshou betreten die Schüler ein Kloster, in dem die seltsame Frucht des Langlebens wächst.
Die drei Reisenden drangen in den Wald vor und fanden Bajie, der noch immer an einen Baum gebunden war und vor Schmerz jammerte. Xingzhe lachte ihn an: „Guter Schwiegersohn, warum stehst du nicht auf und dankst jetzt für die Verwandtschaft? Warum gehst du nicht zu Meister und meldest die gute Nachricht? Und warum spielst du hier noch den Seiltänzer? Wo ist deine Frau? Wo ist deine Schwiegermutter? Was für ein schön festgebundener Schwiegersohn!“ Bajie biss die Zähne zusammen und wagte vor Scham kaum zu rufen. Sha Seng konnte es nicht ertragen, legte das Gepäck ab und löste ihn schließlich. Bajie verbeugte sich ständig und war so beschämt, dass er kaum aufrecht stehen konnte. Ein Gedicht sagt:
Ein Schwert ist die Begierde, die den Leib verletzt; wer ihr verfällt, erfährt gewiss Unheil. Schönheit im Alter von achtzehn Jahren ist verführerisch, aber auch gefährlicher als ein Yaksha. Es gibt nur ein wahres Erbe, kein kleines Plus an Gewinn; hüte dein Kapital und bewahre es sorgfältig. Halte dich fest, und lass es nicht ausschweifen.
Bajie nahm eine Handvoll Erde, verbrannte Räucherwerk und verbeugte sich in die Luft. Xingzhe fragte ihn, ob er die Bodhisattvas erkannt habe. Bajie sagte, er sei beim Sturz halb bewusstlos gewesen und wisse nicht mehr, wer wer sei. Xingzhe reichte ihm den Spruch vom Baum, und Bajie errötete nur noch mehr. Sha Seng lachte: „Zweiter Bruder, so viel Glück hast du also, dass dir vier Bodhisattvas persönlich eine Braut bringen!“ Bajie schämte sich noch mehr und schwor, nie wieder unbedacht zu handeln. Tang Sanzang sagte nur: „Wenn du das ernst meinst, dann ist es gut.“
Sie setzten den Weg fort und gelangten bald an einen hohen Berg. Tang Sanzang hielt das Pferd an und sagte: „Schüler, dieser Berg vor uns ist ernst zu nehmen. Es könnte dort Dämonen geben, die uns Schaden zufügen.“ Xingzhe lachte: „Wenn wir drei hier sind, wovor sollten wir uns fürchten?“ Also ging der Meister beruhigt weiter.
Der Berg war in der Tat außerordentlich schön:
Hoch und kühn ragte er auf, stolz und gewaltig. Seine Wurzeln reichten bis zum Kunlun-Gebirge, sein Gipfel berührte Himmel und Wolken. Weiße Kraniche nisteten in Zypressen, schwarze Affen hingen an Lianen. Die Sonne färbte den klaren Wald rot, und der Wind aus den Schluchten trieb bunte Wolken. Wilde Vögel riefen in den Bambussen, goldene Fasane stritten zwischen wilden Blumen. Tausendjährige Gipfel, fünf glückverheißende Berge, Lotusgipfel - überall leuchtete heiliges Licht. Steine wie alte Wächter, Felsplatten wie Tigerzähne, überall schien ein verheißungsvoller Dunst. Gras duftete am Hang, Pflaumen wuchsen auf den Höhen. Dornen waren dicht und dunkel, während Orchideen klar und still standen. In tiefen Wäldern sammelten sich Adler und Phönixe, in alten Höhlen herrschten Kylin und zahllose Tiere. Die Bäche schlängelten sich freundlich, die Gipfel lagen Schicht auf Schicht übereinander. Grüne Weiden, gefleckte Bambusse und Kiefern waren seit Jahrhunderten schön, weiße Pflaumen, rote Pfirsiche und grüne Weiden wetteiferten im Frühling. Drachen brüllten, Tiger brüllten, Kraniche tanzten, Affen schrien. Rehe liefen aus den Blumen hervor, und grüne Vögel riefen gegeneinander. Dies war wirklich ein Land der Unsterblichen, ein wahrer Segen, nicht anders als das Paradies von Penglai.
Tang Sanzang freute sich auf dem Pferd: „Seit ich von Osten her gezogen bin, habe ich viele Berge und Wasser gesehen, doch noch nie einen so schönen Ort. Wenn das Reine Land des Donnerklangs nicht mehr weit ist, können wir würdevoll und aufrecht vor den Ehrwürdigen treten.“ Xingzhe lachte: „Noch weit, noch weit, wir sind noch lange nicht da.“
Als sie tiefer in den Berg kamen, hörten sie im Dickicht eine Stimme singen. Ein Holzhacker trug ein Lied vor, das von Muße, Schlichtheit und dem Garten des Dao handelte. Xingzhe freute sich sehr und sagte: „Die Unsterblichen wohnen hier!“ Er eilte hinein und sah tatsächlich einen Holzhacker. Nach einigem Wortwechsel fragte er nach dem Wohnsitz eines Unsterblichen. Der Holzhacker erklärte, hier heiße der Berg Lingtai Fangcun, und in der Höhle des Schrägen Mondes und des Dreisterns wohne Patriarch Subodhi.
Xingzhe folgte dem Weg und gelangte zum Berg mit der Höhle. Vor dem Tor stand eine steinerne Tafel: „Lingtai Fangcun-Berg, Höhle des Schrägen Mondes und der Drei Sterne.“ Als der Meister das hörte, stieg er ab, und die Schüler freuten sich sehr über den stillen, heiligen Ort. Ein junger Mönch kam heraus, schlicht und klar in Gestalt. Xingzhe erkannte sofort, dass dies der Ort des Dao sein musste.
Der Mönch meldete, der Meister sei gerade bei einer Predigt und empfange Besucher. Tang Sanzang verbeugte sich demütig. Der Patriarch nannte ihm auf der Stelle den Namen „Sun Wukong“, und als Xingzhe danach fragte, gab ihm der Meister den Dharma-Namen „Wukong“, weil er auf das Schriftzeichen „Wu“ in der Reihe der Schüler fiel. Xingzhe war darüber hocherfreut.
Als sich das Gespräch dem Ende zuneigte, schickte der Patriarch den Meister auf seine Reise und sagte den beiden jungen Mönchen Qingfeng und Mingyue, sie sollten sich an zwei Ginsengfrüchten bedienen und sie Tang Sanzang reichen. Die beiden holten die Früchte jedoch mit spitzen Worten hervor, und Tang Sanzang war entsetzt, als er sah, dass sie wie kleine Kinder aussahen. Er wollte sie nicht essen und nannte sie ein dreitägiges Kind. Qingfeng und Mingyue nahmen die Früchte wieder mit und aßen sie heimlich selbst. Bajie lief schon beim Anblick das Wasser im Mund zusammen und bat Xingzhe, welche zu stehlen.
Xingzhe ging unsichtbar in den Garten, fand den großen Baum mit den ginsengartigen Früchten und stellte fest, dass sie, wenn sie mit Metall berührt wurden, zu Boden fielen und dann in die Erde verschwanden. Er rief den Erdgeist, fragte nach der Herkunft der Frucht und schlug probehalber mit dem Stab auf den Boden - ohne auch nur eine Spur zu hinterlassen. Der Geist erklärte ihm, dass es sich um eine göttliche Frucht des Langlebens handelte, die nur mit einer Metallvorrichtung geerntet und mit einer Schale aus Stoff aufgefangen werden könne. Als Xingzhe das hörte, stahl er drei Früchte, verteilte sie an Bajie und Sha Seng und aß seinen eigenen Anteil nicht weiter aus.
Bajie verschlang seine Frucht in einem Zug und fragte dann noch gierig nach mehr. Xingzhe ermahnte ihn, dass solche Früchte nur selten seien: In zehntausend Jahren gäbe es nur dreißig Stück. Also sei genug genug. Noch während sie darüber redeten, kamen Qingfeng und Mingyue wieder herein, sahen die offenen Tore des Gartens und bemerkten, dass die Früchte fehlten. Sie rannten aufgebracht zum Meister zurück und beschuldigten Tang Sanzang und seine Schüler, die Ginsengfrüchte gestohlen zu haben.
Tang Sanzang war empört und sagte, man dürfe keine ungeprüften Anschuldigungen machen. Die beiden jungen Mönche aber wurden noch lauter, sperrten schließlich die Tore des Klosters zu und ließen die vier Reisenden samt Pferd und Gepäck im Inneren eingeschlossen zurück. Tang Sanzang war bitter enttäuscht, Bajie schimpfte, Xingzhe wusste, dass hier ein Missverständnis vorlag, und Sha Seng blieb ruhig. So endete Kapitel 24 mit der Verschlossenheit des Hofes und der großen Verwirrung vor dem kommenden Sturm.