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Kapitel 22: Bajie kämpft am Sandfluss, Mucha empfängt den Befehl und nimmt Wujing auf

Die Reise nach Westen, Kapitel 22: Bajie kämpft am Sandfluss, Mucha empfängt den Befehl und nimmt Wujing auf. Tang Sanzang und seine Schüler überwinden nach vielen Mühen den Gelben-Wind-Berg, erreichen den Sandfluss und werden dort durch ein neues Wesen des Wassers aufgehalten.

Die Reise nach Westen Kapitel 22 Kapitel

Tang Sanzang und seine drei Schüler waren endlich den Gefahren entronnen. Eines Tages hatten sie den Gelben-Wind-Berg hinter sich gelassen und zogen weiter gen Westen, wo das Land nun flach und offen lag. Die Zeit verging schnell, Sommer wurde zu Herbst; schon hörte man die Zikaden im welken Weidenlaub, und das feurige Licht des Westens floss dahin. Gerade als sie unterwegs waren, sahen sie vor sich ein gewaltiges, aufgewühltes Gewässer, die Wellen schlugen hoch wie Berge.

Der Meister rief vom Pferd aus: „Schüler, schaut auf das Wasser dort vorn! Warum sieht man keine Boote? Wie sollen wir hinüberkommen?“ Als Bajie es sah, sagte er: „Wahrhaftig, ein ungestümes Meer, mit keinem Boot zu überqueren.“ Xingzhe sprang in die Luft, schirmte die Augen mit der Hand und blickte hinüber. Auch er erschrak: „Meister, das ist wirklich schwierig, wirklich schwierig. Wenn ich allein hinübermüsste, würde ich nur die Hüfte drehen und wäre drüben. Für den Meister aber ist es in der Tat tausendfach schwer und zehntausendfach mühsam.“

Der Meister fragte: „Von hier bis dort, wie weit mag das Wasser wohl sein?“ Xingzhe sagte: „Etwa achthundert Meilen.“ Bajie fragte: „Großer Bruder, wie kannst du die Entfernung so genau bestimmen?“ Xingzhe antwortete: „Ich sage es euch offen, Bruder: Diese Augen von mir sehen bei Tag das Glück und das Unheil auf tausend Meilen. Eben vom Himmel aus konnte ich erkennen, dass der Fluss sich weit nach oben und unten zieht, doch ich sah nur, dass diese Strecke gut achthundert Meilen beträgt.“ Der Alte sorgte sich und wandte das Pferd um. Da bemerkte er am Ufer einen steinernen Gedenkstein. Als die drei ihn betrachteten, sahen sie oben die drei Siegelzeichen „Sandfluss“ und darunter vier kleine Zeilen in gewöhnlicher Schrift:

Acht hundert Meilen Sandflussland, dreitausend Meilen schwaches Wasser tief. Selbst Gänsefedern tragen nicht, und Schilfblüten sinken bis auf den Grund.

Während die Schüler noch auf die Inschrift sahen, hörten sie das Tosen der Wellen wie Berge, und mitten im Fluss bohrte sich ein Monster aus dem Wasser. Es war äußerst scheußlich und wild:

Ein Kopf aus roter Flamme, zottelig und zerzaust, zwei runde Augen, hell wie Lampen. Sein Gesicht weder schwarz noch grün, sondern blau wie Indigofarbe, seine Stimme klang wie Donner, wie der Ruf eines alten Drachen. Er trug einen hellgelben Mantel, um die Taille ein doppeltes Bündel aus freiliegender weißer Ranke. Um den Hals hingen neun Totenköpfe, in der Hand hielt er einen Schatzstab von beeindruckender Strenge.

Der Kerl wirbelte wie ein Sturmwind an Land und griff direkt nach Tang Sanzang. Xingzhe bekam es mit der Angst zu tun, schloss den Meister fest in die Arme und stürmte mit ihm auf das höhere Ufer. Bajie ließ das Gepäck fallen, zog den Dornenscheit hervor und stach auf den Dämon ein.

Der Dämon wehrte mit seinem Schatzstab ab. So kämpften die beiden am Ufer des Sandflusses, jeder zeigte seine Tapferkeit. Ein guter Kampf war das:

Der Neun-Zinken-Dorn, der Dämonenstab, zwei Männer standen sich am Ufer gegenüber. Der eine war der einstige Feldherr Tianpeng, der andere der aus dem Vorhang verbannte General. Einst begegneten sie einander schon im Himmelsaal, heute kämpfen sie um Mut und Kraft. Der eine Dorn sucht den Klauen-Drachen, der andere Stab blockt wie ein zähneknirschender Elefant. Sie spreizen sich in weiten Vier-Schritten-Stellungen, stürzen in den Gegenwind und schlagen wuchtig zu. Der eine greift blindlings an, der andere wirft keine Lücke auf. Der eine ist ein längst in Sandflussland hausender Menschenfresser, der andere ein durch die Lehre gereifter Kämpfer.

Die beiden gingen hin und her und kämpften zwanzig Runden, ohne dass einer unterlag.

Der Große Heilige hatte Tang Sanzang geschützt, das Pferd am Zügel und das Gepäck bewacht. Als er sah, wie Bajie mit dem Ungeheuer kämpfte, biss er vor Zorn die Zähne zusammen, rieb die Handflächen und konnte nicht länger stillstehen. Er zog seinen Stab und sagte: „Meister, bleibt sitzen, habt keine Angst. Ich gehe jetzt und spiele ein wenig mit ihm.“ Der Meister versuchte vergeblich, ihn zurückzuhalten. Wukong pfiff kurz, sprang nach vorn - und siehe da, der Dämon war gerade in voller Schlacht mit Bajie.

Xingzhe hob den Eisenstab und schlug dem Dämon auf den Kopf. Der Dämon drehte sich hastig um, wich erschrocken aus und tauchte geradewegs in den Sandfluss. Bajie sprang vor Wut auf und rief: „Großer Bruder, wer hat dich gerufen? Der Kerl wurde schon langsamer und konnte meine Harke kaum noch abwehren. Noch drei oder fünf Runden, und ich hätte ihn gefasst. Kaum sieht er dich so furchterregend, flieht er! Was soll das?“ Xingzhe lachte: „Bruder, ich sage dir offen: Seit ich den Gelben-Wind-Dämon bezwungen habe, habe ich einen ganzen Monat lang keinen Stock mehr geschwungen. Ich sah euch beide so schön kämpfen, dass ich nicht anders konnte - meine Füße juckten, also sprang ich herbei, um ein wenig mitzuspielen. Dass der Dämon dabei nicht mitspielen wollte, lag nicht an mir.“

Die beiden fassten sich bei den Händen und kehrten lachend zu Tang Sanzang zurück. Der fragte: „Habt ihr den Dämon denn gefasst?“ Xingzhe erwiderte: „Der Dämon konnte dem Kampf nicht standhalten und ist geschlagen ins Wasser zurückgeflüchtet.“ Der Meister sagte: „Schüler, dieser Kerl lebt hier schon lange und kennt die Tiefe und Untiefe des Wassers. Bei solch einem endlosen, schwachen Wasser und ohne Boot braucht man unbedingt jemanden, der das Wasser kennt und einen anführt.“ Xingzhe sagte: „Genau so ist es. Wie man sagt: Wer Rot berührt, wird rot; wer Schwarz berührt, wird schwarz. Der Dämon wohnt hier, also kennt er das Wasser ganz gewiss. Wir dürfen ihn jetzt nicht töten. Wir müssen ihn nur fassen und ihn unseren Meister hinüberbringen lassen.“ Bajie sagte: „Großer Bruder, zögere nicht. Geh nur zuerst hin und fang ihn, ich bewache den Meister.“

Xingzhe lachte: „Bruder, bei dieser Sache darf ich nicht groß tun. Im Wasser bin ich nicht besonders sicher. Wenn ich nur geradeaus gehe, muss ich ein Zeichen knüpfen und den Wasserschutzspruch sprechen, dann kann ich gehen. Sonst müsste ich mich in irgendeinen Fisch, eine Krabbe, eine Schildkröte oder sonst ein Wesen verwandeln, erst dann käme ich voran. Was die Kunststücke angeht, sei es auf hohen Bergen oder in den Wolken, die seltsamsten Dinge kann ich allesamt. Doch Wasserhandel ist mir etwas zu schwierig.“

Bajie sagte: „Ich, der alte Zhu, war einst Oberbefehlshaber des Himmelsflusses und hatte achtzigtausend Wasserkrieger unter mir. Ein wenig Wasserkenntnis habe ich also. Nur fürchte ich, dass die Wasserfamilie dort unten mit all ihrem Verwandtschafts- und Sippengefolge aus sieben Nestern und acht Generationen kommen könnte und ich mit ihnen nicht fertig werde; am Ende ziehen sie mich noch hinab.“ Xingzhe erwiderte: „Wenn du in sein Wasser gehst und mit ihm kämpfst, darfst du nicht zu lange bleiben. Verlieren darfst du, gewinnen nicht. Locke ihn heraus, dann helfe ich dir von außen.“ Bajie sagte: „Gut, so soll es sein. Ich gehe.“ Er zog sofort die blaue Seidenrobe aus, zog seine Schuhe aus, schwang mit beiden Händen die Harke, teilte das Wasser und setzte zu den alten Kunststücken an, die einst seine Stärke gewesen waren. Er sprang über die Wellen, rollte über das Wasser und drang geradewegs hinab auf den Grund.

Der Dämon war nach der Niederlage zurückgekehrt, hatte gerade erst Atem geschöpft und hörte schon wieder, wie jemand das Wasser aufwirbelte. Er stand auf und sah, dass Bajie mit der Harke das Wasser teilte. Der Dämon hob den Stab und rief laut: „Mönch, wohin willst du? Pass auf den Schlag auf.“

Bajie hob die Harke und blockte ab: „Was bist du für ein Dämon, dass du hier den Weg versperrst?“ Der Dämon sagte: „Du erkennst mich nicht. Ich bin weder Monster noch Geist, und auch kein namenloser kleiner Kerl.“ Bajie sagte: „Wenn du weder Dämon noch Geist bist, warum bringst du dann hier Leben zu Schaden? Nenne erst deinen Namen, dann lasse ich dir dein Leben.“

Der Dämon sprach:

Seit meiner Kindheit war mein Geist stark, ich bin im Himmel und auf Erden weit umhergezogen. Als Held machte ich mir überall einen Namen, als Tapferer gab ich in jedem Haus die Haltung vor. Zehntausend Länder, neun Provinzen, ich ging, wohin ich wollte, über die fünf Seen und vier Meere sprang ich nach Belieben. Ich lernte den Weg, zog staubfrei durch die Welt, nur um einen Meister zu suchen und fernes Land zu bereisen. Jahr um Jahr trug ich die Ordensschale bei mir, Tag für Tag durfte ich den Geist nicht locker lassen. Ich wanderte dutzendfach durch die Länder, an allen Orten streifte ich ziellos umher. So begegnete ich einem wahren Meister, der mir das große Dao und sein goldenes Licht aufschloss. Zuerst nahm er das Knäblein und das Mädchen auf, dann ließ er Holz-Mutter und Metall-Herrn frei. Das Herzwasser des geheimen Saals floss in den Lotosteich, das Leberfeuer des Stockwerks darüber stürzte ins Herz. Als die dreitausend Verdienste voll waren, verneigte ich mich vor dem himmlischen Antlitz; mit aufrichtigem Herzen trat ich vor und erwies ehrfürchtigen Gruß. Der Jadekaiser beförderte mich daraufhin und ernannte mich mit eigenen Worten zum Vorhangträger. Am Südtor des Himmels war ich der Vornehmste, vor dem Leuchtenden Tonpalast war ich der Erste. An meiner Taille hing die Tiger-Plakette, in meiner Hand hielt ich den Dämonenstab. Auf dem Kopf trug ich einen goldenen Helm, hell im Sonnenschein, am Leib eine Rüstung, glänzend wie Morgenrot. Auf- und abgehend schützte ich die kaiserliche Fahrt, bei Ein- und Auszug stand ich stets zuerst. Nur weil die Königinmutter zum Pfirsichfest kam und im Jadeteich ein Gelage für die Generäle gab, schlug ich im Augenblick das Glasgefäß entzwei; da waren alle Himmelsgötter vor Schrecken außer sich. Der Jadekaiser wurde zornig und befahl seinem linken Kanzler: „Nimm Helm und Rüstung ab, reiße ihm den Amstitel herunter, stoß ihn mit dem ganzen Leib auf das Schlachtfeld.“ Nur dank des barfüßigen großen Unsterblichen wurde ich über die Stufen hinaus begnadigt. So entkam ich dem Tod, wurde nicht bestraft, doch ich fiel an den östlichen Ufer des Sandflusses. Wenn ich satt bin, schlafe ich hier im Berg, wenn ich Hunger habe, wälze ich die Wellen und suche Nahrung. Holzfäller, die mir begegnen, sind dem Tod geweiht, Fischer, die mich sehen, verlieren Leib und Leben. Viel zu viele habe ich auf und ab verschlungen, und mit jedem Umwälzen schuf ich neues Leid. Ihr wagt es, mit Gewalt an mein Tor zu treten, heute ist also der Augenblick, an dem ich auf Fleisch hoffe. Sag nicht, ich sei grob und ungenießbar; fasst man mich, dann werde ich euch fein zerschneiden und zu Sauce machen.

Bajie hörte das und wurde vor Zorn rot. „Du freches Geschöpf!“ rief er. „Du hast ja gar keinen Augenmaß! Ich, der alte Zhu, habe doch selbst noch Wasser in die Luft spritzen können. Und du willst mich grob nennen und zu Fischsauce zerstückeln? Sieht so aus, als hieltest du mich für einen alten Schwefelkrater! Sei nicht unverschämt und nimm dies von deinen Vorfahren.“ Damit schlug er mit der Harke los. Der Dämon wich mit einer „Phönix-Kopfbewegung“ aus. Die beiden kämpften im Wasser, dann brachen sie wieder an die Oberfläche. Dieser Kampf unterschied sich merklich vom ersten:

Der Vorhangträger und der Himmelsfeldherr, jeder zeigte seine wahre göttliche Kunst. Der Dämonenstab senkte sich, die Harke hob sich, der Neunzinken-Dorn bewegte sich schnell wie aus dem Handgelenk. Aufspringen und Wellen brechen ließen Berge und Flüsse beben, Wasser wälzen ließ die Welt in Finsternis sinken. Wild wie ein sündiger Stern, der gegen eine Fahne prallt, böse wie ein Totentor, das einen Schatzdeckel aufstößt. Der eine schützt mit aufrichtigem Herzen Tang Sanzang, der andere war durch Schuld längst zum Wasserdämon geworden. Die Harke hinterlässt neun Spuren, der Stab schlägt und lässt die Seele zusammensinken. Mit all ihrer Kraft halten sie einander fest, nur um der Reisenden des Westens willen toben sie so. Die Harke ist gewaltig und unerbittlich, der Stab äußerst geübt und altbekannt. Der eine zerrt den anderen ans Ufer, der andere zieht ihn wieder ins Wasser. Donnerartig klingt es, Fische und Drachen erbeben, Himmel verdunkelt sich und Geister sinken nieder.

So kämpften sie hin und her, dreißig Runden lang, ohne dass einer überlegen war. Bajie gebrauchte wieder einen Trick des scheinbaren Verlierens, zog die Harke zurück und ging. Der Dämon setzte sofort hinterher, wälzte die Wellen und jagte ihn bis ans Ufer. Bajie schimpfte: „Du frecher Dämon, komm herauf. Oben auf festem Grund lässt es sich viel besser kämpfen.“ Der Dämon schrie zurück: „Du willst mich hinauf locken und dann wieder deine Helfer rufen. Komm du herunter und kämpfe im Wasser weiter.“ Der Dämon war inzwischen klug geworden und wollte nicht mehr an Land steigen; er stritt nur noch am Flussrand mit Bajie.

Als Xingzhe sah, dass er nicht an Land kam, wurde er unruhig und ärgerlich. Er konnte es kaum erwarten, ihn mit einer einzigen Hand zu packen. Er sagte: „Meister, bleibt nur sitzen. Ich gebe ihm jetzt den ‚Adler schnappt Beute‘.“ Er stieß sich mit dem Salto in die Luft und stürzte herab, um den Dämon zu greifen.

Gerade als der Dämon mit Bajie stritt, hörte er plötzlich die Windbewegung. Er blickte hastig zurück, sah, dass Xingzhe aus der Wolke herabkam, zog den Stab ein und tauchte mit einem Satz in das Wasser zurück, wo er sich spurlos verbarg. Xingzhe stand am Ufer und sagte zu Bajie: „Bruder, dieser Dämon ist uns glatt entglitten; er will nicht mehr ans Ufer. Was nun?“ Bajie antwortete: „Schwer, schwer, schwer. Wir werden ihn nicht besiegen. Selbst mit aller Kraft erreichen wir nur Unentschieden.“

Xingzhe sagte: „Dann gehen wir erst zum Meister zurück.“

Die beiden kehrten wieder zum hohen Ufer zurück und berichteten Tang Sanzang, dass sie ihn nicht fassen konnten. Der Alte ließ Tränen in die Augen fallen und sagte: „Bei solch einer Schwierigkeit, wie sollen wir da hinüberkommen?“ Xingzhe erwiderte: „Meister, sorgt euch nicht. Der Kerl liegt tief im Wasser und ist wirklich schwer zu handhaben.

Bajie, du bleibst hier und schützt den Meister. Kämpfe nicht mehr mit ihm. Ich gehe jetzt zum Südmeer und hole Hilfe.“ Bajie fragte: „Großer Bruder, was willst du beim Südmeer?“ Xingzhe antwortete: „Dieses Geschäft des Schriftenholens verdanken wir Bodhisattva Guanyin. Auch uns aus der Not befreit hat Guanyin. Nun blockiert der Sandfluss unseren Weg. Wenn wir ihn nicht fragen, wie sollen wir zurechtkommen? Ich gehe, um ihn zu bitten. Das ist doch besser, als weiter mit diesem Dämon zu kämpfen.“

Bajie nickte: „Ja, ja. Bruder, wenn du gehst, richte ihr bitte aus: ‚Einst danke ich dir für deine Unterweisung.‘“ Der Meister sagte: „Wukong, wenn du den Bodhisattva bitten gehst, dann zögere nicht. Geh schnell und komm schnell wieder.“

Xingzhe warf sich wieder in den Salto und flog direkt zum Südmeer. Ach, das dauerte nicht einmal eine halbe Stunde, da sah er schon das Gebiet des Berges Putuo. Nach einem Augenblick sank er aus dem Salto, erschien vor dem Bambushain aus Purpurbambus, und die vierundzwanzig Himmlischen traten vor und fragten: „Großer Heiliger, was führt Euch hierher?“ Xingzhe antwortete: „Mein Meister ist in Not. Darum komme ich, den Bodhisattva zu besuchen.“

Die Himmlischen sagten: „Bitte setzt Euch, wir melden es.“ Der Kreis der sonnenführenden Himmlischen meldete an der Höhle des Klanges der Wellen: „Sun Wukong bittet um eine Audienz.“ Der Bodhisattva saß gerade mit der Perlenträgerin am Lotusbecken und lehnte sich an das Geländer, während er die Blumen betrachtete. Als er die Meldung hörte, wandte er sich zur Wolkenklippe, öffnete die Tür und ließ ihn eintreten. Der Große Heilige verneigte sich würdevoll.

Der Bodhisattva fragte: „Warum beschützt du Tang Sanzang nicht? Weshalb kommst du wieder zu mir?“ Xingzhe erwiderte: „Bodhisattva, mein Meister hatte vor dem Hoch-Gao-Hof schon einen Schüler namens Zhu Bajie aufgenommen, und Ihr habt ihm den Dharma-Namen Wuneng gegeben. Wir sind gerade am Gelben-Wind-Berg vorbeigekommen, und nun sind wir am achthundert Meilen breiten Sandfluss. Mein Meister kann ihn nicht überqueren. Im Fluss aber lebt ein Dämon mit außerordentlich starken Künsten. Wuneng hat dreimal mit ihm auf der Wasseroberfläche gekämpft, konnte aber nicht gewinnen. Er hat uns deshalb aufgehalten und das Überqueren unmöglich gemacht. Darum melde ich es Euch und bitte um Mitgefühl, damit Ihr uns bei der Überfahrt helft.“

Der Bodhisattva sagte: „Du Affe, du willst wieder dein Können zeigen und sprichst nicht offen aus, dass du Tang Sanzang beschützt?“ Xingzhe sagte: „Wir wollten ihn nur fangen und ihn zwingen, meinen Meister über den Fluss zu bringen. Mit Wasserangelegenheiten bin ich nicht besonders geübt. Nur Wuneng suchte sein Nest und stritt mit ihm; das Wort von der Schriftenreise ist dabei wohl nicht gefallen.“ Der Bodhisattva erwiderte: „Der Dämon im Sandfluss ist in Wirklichkeit die Erscheinung des ehemaligen Vorhangträgers. Ich habe ihn einst selbst belehrt und wollte, dass er die Schriftenreisenden beschützt. Wenn du ihm jetzt sagst, dass ihr aus dem Osten kommt, um die Schriften zu holen, wird er sich gewiss nicht länger widersetzen, sondern sich fügen.“ Xingzhe sagte: „Jetzt scheut er den Kampf und steigt nicht einmal an das Ufer. Er bleibt im Wasser versteckt. Wie kann er sich da fügen? Und wie soll mein Meister über das schwache Wasser kommen?“

Der Bodhisattva rief sogleich Huian und nahm eine kleine rote Kürbisflasche aus dem Ärmel. Er befahl: „Nimm diese Kürbisflasche zusammen mit Sun Wukong und geh zum Sandfluss. Ruf dort nur ‚Wujing‘, dann wird er herauskommen. Du musst ihn erst dazu bringen, sich Tang Sanzang anzuschließen. Danach nimm die neun Totenköpfe an seinem Hals und reihe sie nach den neun Palästen, während du die Flasche in die Mitte setzt. Dann wird daraus ein Dharma-Schiff, mit dem Tang Sanzang den Sandfluss überqueren kann.“

Huian gehorchte ehrfürchtig, nahm die Flasche und verließ mit dem Großen Heiligen die Höhle des Klanges der Wellen. Nachdem sie den Befehl des Bodhisattva im Bambushain angenommen hatten, verabschiedeten sie sich von der Purpurbambushecke. Ein Gedicht belegt es:

Die Fünf-Elemente passen zusammen, wenn die wahre Natur rein ist, erkenne den alten Herrn von einst, dem du gedient hast. Das Verfeinern des Leibes ist die wunderbare Wirkung, das Unterscheiden von gut und böse zeigt den Grund. Metall kehrt zum Wesen zurück und gehört wieder seinesgleichen, Holz löst sich aus dem Gefühl und wird wieder in den Kreislauf geführt. Wenn beide Erden ihr Werk vollenden, bleibt nur Stille, Wasser und Feuer werden ausgeglichen, ohne einen Staubkorn zurückzulassen.

Nach kurzer Zeit setzten sie die Wolken herab und gelangten wieder an das Ufer des Sandflusses. Zhu Bajie erkannte den Holzstabträger und führte den Meister vor, um ihn zu begrüßen. Huian verneigte sich vor Tang Sanzang und begrüßte dann auch Bajie.

„Vornehmer Herr“, sagte Bajie, „damals habt Ihr mich angewiesen und ich durfte den Bodhisattva sehen. Ich, der alte Zhu, habe in der Tat der Lehre gefolgt und bin nun froh, ein Mönch zu sein. Auf dem Weg waren wir dauernd unterwegs und kamen nicht dazu, uns zu bedanken. Verzeiht, verzeiht.“ Xingzhe sagte: „Lasst die langen Höflichkeiten. Wir rufen jetzt den Kerl.“

Tang Sanzang fragte: „Wen rufen?“ Xingzhe erwiderte: „Ich habe dem Bodhisattva die ganze Sache erzählt. Er sagte, der Dämon des Sandflusses sei die Wiedergeburt des großen Vorhangträgers. Weil er im Himmel gesündigt habe, sei er in diesen Fluss gefallen und habe dort als Ungeheuer gelebt. Der Bodhisattva hat ihn früher schon bekehrt und will, dass er uns über den Weg nach Westen begleitet. Wir haben ihm aber nicht gesagt, dass wir Schriften holen. Darum kämpft er so heftig. Nun schickt der Bodhisattva Huian mit dieser Kürbisflasche, damit daraus ein Schiff wird, das dich hinüberträgt.“ Tang Sanzang verneigte sich tief und sagte zu Huian: „Bitte geht schnell.“ Huian hielt die Kürbisflasche fest, stieg halb in die Wolken und halb in den Nebel und rief mit harter Stimme auf die Wasseroberfläche des Sandflusses: „Wujing, Wujing! Der Schriftenreisende ist schon lange hier. Warum bekehrst du dich nicht?“

Der Dämon fürchtete den Affenkönig, zog sich in die Tiefe zurück und ruhte gerade im Nest, als er seinen Dharma-Namen rufen hörte. Er wusste sogleich, dass es Guanyin sein musste. Als er außerdem hörte: „Der Schriftenreisende ist hier“, fürchtete er weder Axt noch Schwert. Er wälzte die Wellen auf, streckte den Kopf heraus und erkannte Huian. Lächelnd trat er vor und verbeugte sich: „Euer Gnaden, verzeiht die schlechte Begrüßung. Wo ist der Bodhisattva jetzt?“ Huian sagte: „Mein Meister kommt noch nicht selbst. Er hat mich vorausgeschickt, damit du dich rasch Tang Sanzang anschließt. Die Totenköpfe an deinem Hals und diese Kürbisflasche sollen nach den neun Palästen zu einem Schiff verbunden werden, mit dem du ihn über dieses schwache Wasser bringst.“ Wujing fragte: „Wo ist der Schriftenreisende?“ Huian zeigte auf das Ostufer: „Ist er nicht dort drüben?“ Wujing sah Bajie und sagte: „Der ist ein freches Subjekt, ich habe zwei Tage lang mit ihm gekämpft, und nie fiel auch nur das Wort von den Schriften.“ Dann sah er Xingzhe und sagte: „Und dieser Herr ist sein Helfer; furchtbar gefährlich, ich gehe nicht mit.“

Huian sagte: „Das ist Zhu Bajie, das ist Sun Xingzhe, beide sind Tang Sanzangs Schüler und beide vom Bodhisattva bekehrt. Warum solltest du dich vor ihnen fürchten? Ich bringe dich erst einmal zu Tang Sanzang.“

Da legte Wujing seinen Schatzstab nieder, richtete die gelbe Brokatrobe und sprang ans Ufer. Vor Tang Sanzang kniete er auf beide Knie und sagte: „Meister, Euer Schüler hatte Augen, aber kein Erkennen, und begriff Euer ehrwürdiges Antlitz nicht. Ich habe Euch oft angegriffen. Bitte verzeiht mir.“ Bajie rief: „Du Eitersack, warum bist du nicht früher zu uns übergetreten, statt mit mir kämpfen zu wollen? Was soll das?“ Xingzhe lachte: „Bruder, tadel ihn nicht. Wir hatten ihm ja weder die Schriftenreise noch unsere Namen genannt.“ Der Alte fragte: „Willst du der Lehre wirklich von Herzen folgen?“ Wujing antwortete: „Euer Schüler wurde schon früher vom Bodhisattva erzogen. Er gab mir Sand als Nachnamen und den Dharma-Namen Sha Wujing. Wie könnte ich meinem Meister nicht folgen?“ Tang Sanzang sagte: „Wenn das so ist“, und rief: „Wukong, bring das Rasiermesser und schneide ihm die Haare ab.“ Der Große Heilige tat es sofort und rasierte ihm den Kopf. Dann verneigte sich Wujing nochmals vor Tang Sanzang, vor Xingzhe und vor Bajie und ordnete die Rangfolge. Da er bei den Verbeugungen wirklich wie ein Mönch wirkte, nannte Tang Sanzang ihn von nun an Sha Heshang, den Mönch Sha.

Huian sagte: „Da du die asketische Regel nun angenommen hast, brauchen wir nicht weiter zu reden. Mach schnell das Dharma-Schiff bereit.“ Wujing wagte nicht zu zögern. Er nahm die Totenköpfe von seinem Hals, verband sie mit einer Schnur nach den neun Palästen und setzte die Kürbisflasche des Bodhisattva in die Mitte. Dann bat er den Meister, ans Ufer zu kommen. Der Alte stieg auf das Dharma-Schiff und saß darauf; es lag tatsächlich so ruhig wie ein leichtes Boot. Links stützte Bajie, rechts trug Wujing; Sun Xingzhe hielt das Drachenpferd von hinten, halb in Wolken, halb im Dunst, und oben übernahm Huian den Schutz.

So fuhr der Meister ganz ruhig und sicher über das Gebiet des Sandflusses. Das Wasser glättete sich, der Wind legte sich, und der schwache Fluss war überquert. Tatsächlich ging es so schnell wie ein Pfeil. Bald schon stand er auf dem jenseitigen Ufer und war aus der gewaltigen Brandung befreit. Kein Schlamm hing an ihm, kein Wasser tropfte von ihm; mit trockenen Händen und Füßen setzten die Schüler endlich festen Fuß auf Boden. Da zog Huian die glückverheißenden Wolken wieder zusammen und nahm die Kürbisflasche an sich.

Und siehe da: Die Totenköpfe lösten sich augenblicklich in neun dunkle Windstöße auf und verschwanden lautlos. Tang Sanzang dankte Huian, verbeugte sich tief vor dem Bodhisattva. Es gilt der Spruch:

Mucha kehrt direkt zurück zum Ostmeer, Tang Sanzang sitzt wieder im Sattel und zieht gen Westen.

Wann sie wohl ihre wahre Frucht erlangen und die Schriften in Händen halten, ist noch nicht zu sagen. Hören wir deshalb im nächsten Kapitel weiter.