Erstes Kapitel Der geistige Kern wird geboren aus der Ursprungslinie; das Herz wird kultiviert, und der Große Weg entsteht
Reise nach Westen, erstes Kapitel: Der geistige Kern wird geboren aus der Ursprungslinie; das Herz wird kultiviert, und der Große Weg entsteht
Das Gedicht sagt:
Das Chaos war noch ungeordnet, Himmel und Erde lagen wirr und dunkel, niemand war zu sehen. Seit Pangu den Urzustand brach, trennten sich Klar und Trüb, und die Welt wurde erschaffen. Alles Lebendige blickt auf die höchste Güte; aus allem Werdenden erwächst das Gute. Wer die Kraft der Schöpfung erkennen will, muss die Überlieferung von Reise nach Westen lesen.
Man sagt, das Maß von Himmel und Erde betrage 129.600 Jahre für einen Zyklus. Teilt man diesen einen Zyklus in zwölf Abschnitte, so sind das die zwölf Zweige: Zi, Chou, Yin, Mao, Chen, Si, Wu, Wei, Shen, You, Xu und Hai. Jeder Abschnitt umfasst 10.800 Jahre.
Und betrachtet man nur einen einzelnen Tag, so ist es bei Zi die Stunde, in der das Yang erwacht; bei Chou krähen die Hühner; bei Yin ist es noch dunkel, bei Mao geht die Sonne auf; bei Chen isst man nach dem Frühstück, bei Si wird man müde; bei Wu steht die Sonne im Zenit, bei Wei neigt sie sich schon westwärts; bei Shen ist der Nachmittag vergangen, bei You ist die Sonne untergegangen; bei Xu dämmert es, bei Hai tritt man in die Stille ein. Überträgt man das auf den großen Maßstab, so ist am Ende des Xu-Abschnitts Himmel und Erde dunkel und alles Leben verloren. Noch 5.400 Jahre weiter, zu Beginn des Hai-Abschnitts, wird es ganz finster, und zwischen Himmel und Erde gibt es keine Menschen und keine Dinge mehr. Darum nennt man es das Chaos.
Noch einmal 5.400 Jahre, und der Hai-Abschnitt neigt sich dem Ende zu: Aus dem Reinen erhebt sich das Neue, dem Zi-Abschnitt nahe, und es beginnt wieder allmählich zu erhellen. Shao Kangjie sagte:
Zur Wintersonnenwende, halb im Zi, ändert sich das Herz des Himmels nicht. Sobald das erste Yang sich regt, ist die Zeit, in der die zehntausend Dinge noch nicht geboren sind.
Bis hierher hat der Himmel erst Wurzel geschlagen. Wieder 5.400 Jahre, und genau im Zi-Abschnitt steigen Leichtes und Reines empor: Sonne, Mond, Sterne und Himmelszeichen entstehen. Sonne, Mond, Sterne und Gestirne nennt man die vier Bilder.
Darum sagt man: Der Himmel öffnete sich im Zi. Nach weiteren 5.400 Jahren neigt sich der Zi-Abschnitt dem Ende zu, nähert sich Chou und verdichtet sich allmählich. Im Buch der Wandlungen heißt es: "Groß ist das uranfängliche Yang, erhaben das uranfängliche Yin; aus allem erwächst das Leben, und alles folgt dem Himmel."
Bis hierher hat die Erde erst Gestalt gewonnen. Nochmals 5.400 Jahre, und im Chou-Abschnitt sinken das Schwere und Trübe ab: Wasser, Feuer, Berge, Steine und Erde entstehen. Wasser, Feuer, Berge, Steine und Erde nennt man die fünf Formen.
Darum sagt man: Die Erde spaltete sich im Chou. Wieder 5.400 Jahre, da endet Chou und Yin beginnt: Dann gebiert sich alles Leben. Der Kalender sagt: Wenn Himmelsatem herabsteigt und Erdatem aufsteigt, wenn Himmel und Erde sich verbinden, dann werden alle Wesen geboren.
Bis hierher sind Himmel klar, Erde frisch, Yin und Yang vereinigt. Wieder 5.400 Jahre, und genau im Yin-Abschnitt werden Mensch, Tier und Vogel geboren. Das heißt: Himmel, Erde und Mensch nehmen ihre drei Stellungen ein. Darum sagt man: Der Mensch ward im Yin geboren.
Von Pangus Weltschöpfung, über die Herrschaft der Drei Erhabenen und die Ordnung der Fünf Kaiser, wurde die Welt schließlich in vier große Kontinente geteilt: Ostgewinnendes Göttliches Kontinent, Westliche Ochsenwagenkontinent, Südlicher Jambudvipa-Kontinent und Nördlicher Jambudvipa-Kontinent. Dieses Buch spricht nur vom Ostgewinnenden Göttlichen Kontinent. Jenseits des Meeres gibt es ein Reich namens Aolai.
Dieses Reich liegt am Meer, und im Meer steht ein Berg namens Blumen-Frucht-Berg. Dieser Berg ist die Urader aller zehn Inselgruppen und der Zugrücken der drei Eilande; er entstand, nachdem Klarheit und Trübung geschieden worden waren und das Chaos sich gelegt hatte. Ein wahrlich herrlicher Berg! Ein Lied bezeugt es.
Das Lied sagt:
Die Macht steht fest im Ozean, die Würde beruhigt die Jadeflut. Die Macht steht fest im Ozean, wenn die Brandung silberne Berge aufwirft und Fische in Höhlen treibt; die Würde beruhigt die Jadeflut, wenn Wellen schneeweiß gegen die Ufer schlagen. Wasser und Feuer türmen sich in allen Himmelsrichtungen, hoch empor über dem Ostmeer. Dort ragen gewaltige Gipfel auf. Rote Klippen und wunderliche Felsen, schroffe Wände und seltsame Spitzen. Auf den roten Klippen rufen sich farbenprächtige Phönixe; vor den Wänden lagern einsame Qilins. Auf den Gipfeln hört man mitunter die goldhalsigen Hähne; in den Felsspalten sieht man Drachen kommen und gehen. Im Wald leben langlebige Rehe und unsterbliche Füchse; auf den Bäumen nisten Geistervögel und schwarze Kraniche. Die jadefarbenen Kräuter und seltsamen Blumen verblühen nie, die grünen Kiefern und Zypressen stehen ewig im Frühling. Unsterbliche Pfirsiche tragen ständig Früchte, feine Bambusse halten immer Wolken fest. Eine Schlucht voller Lianen und Ranken, ringsum frisches Gras auf den Ufern. Das ist wahrlich die Stütze, die alle Flüsse vereint, der unverrückbare Grund der Welt durch zehntausend Zeitalter.
Ganz oben auf diesem Berg lag ein göttlicher Stein. Er war drei Zhang, sechs Chi und fünf Cun hoch und hatte einen Umfang von zwei Zhang und vier Chi. Die Höhe von drei Zhang, sechs Chi und fünf Cun entspricht den 365 Tagen des Jahres; der Umfang von zwei Zhang und vier Chi entspricht den 24 Abschnitten des Kalenders.
Oben hatte er neun Öffnungen und acht Löcher, entsprechend den neun Palästen und den acht Trigrammen. Kein Baum stand ringsum als Schatten, und doch wuchsen auf beiden Seiten Duftgräser und Orchideen.
Seit der Erschaffung der Welt hatte der Stein die Essenz von Himmel und Erde empfangen, das Licht von Sonne und Mond, und nach langer Zeit entwickelte sich in ihm die Kraft des Geistes. In seinem Innern bildete sich ein himmlischer Embryo. Eines Tages brach er auf, gebar ein Stein-Ei, rund wie eine Kugel. Kaum war es dem Wind ausgesetzt, verwandelte es sich in einen Steinaffen mit Augen, Ohren, Nase, Mund, Armen und Beinen, alles vollständig.
Kaum hatte er zu krabbeln und zu laufen gelernt, verbeugte er sich nach allen vier Richtungen. Zwei goldene Lichtstrahlen schossen aus seinen Augen und trafen den Palast der Sterne und Einsamen Götter. Der Höchste Himmelskaiser, der Großmilde und Barmherzige, der Erhabene Jadekaiser, saß gerade auf dem goldenen Wolkenthron im Palast des Himmels, rief die himmlischen Beamten zusammen und sah das aufblitzende Goldlicht. Sofort befahl er Tausend-Meilen-Augen und Windhörern, das Südliche Himmelsportal zu öffnen und nachzusehen.
Die beiden Diener gingen hinaus und sahen und hörten alles deutlich. Kurz darauf meldeten sie:
"Euer Untertan hat auf Befehl die Quelle des Goldlichts betrachtet und belauscht. Es liegt im kleinen Reich Aolai östlich des Ostmeeres auf dem Ostgewinnenden Göttlichen Kontinent. Dort steht der Blumen-Frucht-Berg, auf dem ein göttlicher Stein liegt. Aus dem Stein wurde ein Ei geboren; vom Wind berührt, verwandelte es sich in einen Steinaffen, der nach allen vier Richtungen grüßte und mit seinen Augen Goldlicht ausstrahlte, das den Sternenpalast traf. Jetzt frisst und trinkt er Wasser und Nahrung, so dass das Goldlicht allmählich vergeht."
Der Jadekaiser ließ gnädig verlauten:
"Die Dinge der unteren Welt sind aus der Essenz von Himmel und Erde geboren; daran ist nichts Ungewöhnliches."
Der Affe im Berg konnte gehen und springen, Gras und Bäume fressen, Quellwasser trinken, Bergblüten pflücken und Früchte von den Bäumen suchen; er lebte mit Wölfen und Insekten, mit Tigern und Panthern, mit Rehen und Hirschen, mit Makaken und Affen befreundet. Nachts schlief er unter den Felsen, morgens streifte er durch Höhlen und Gipfel. Wahrlich:
Im Berg kennt man keine Kalender; die Kälte geht vorbei, und doch weiß man nicht, wie alt man wird.
Eines Tages war es drückend heiß. Zusammen mit den anderen Affen suchte er im Schatten der Kiefern Abkühlung, tollte herum und spielte. Sie alle:
Kletterten auf Bäume und Äste, pflückten Blumen und suchten Früchte; warfen Kiesel, spielten mit kleinen Figuren; rannten in Sandmulden, bauten Pagoden aus Lehm; jagten Libellen, schlugen Fliegen; verneigten sich vor dem Himmel, beteten Buddhas an; zogen Ranken, flochten Gras; fingen Läuse, bissen und zupften; ordneten ihr Fell, putzten die Fingernägel. Sie schoben sich, rieben sich, stießen und drängten, zogen und zerrten: Unter den grünen Kiefern durften sie sich nach Herzenslust austoben, am klaren Wasserlauf sich waschen.
Nachdem die Affen eine Weile gespielt hatten, gingen sie zum Bach und badeten. Da sahen sie, wie der Wasserlauf wie rollende Melonen spritzte und schoss. Wie es im Altertum heißt: Vögel haben ihre Vögelsprache, Tiere ihre Tiersprache.
Da riefen alle Affen: "Wir wissen nicht, woher dieses Wasser kommt. Heute haben wir Zeit; lasst uns dem Bachlauf nach oben folgen und nach der Quelle suchen, einfach zum Spaß!"
Sie schrien laut, nahmen Weibchen und Männchen, Brüder und Schwestern mit und rannten alle zugleich den Bach hinauf, bergan, bis sie an die Quelle kamen: dort war ein Wasserfall aus Sprühwasser und fallendem Regen. Man sah nur:
Eine weiße Regenbogenbahn steigt auf, tausend Lagen Schnee schlagen Wellen. Der Meereswind bläst ihn nicht auseinander, und das Licht des Mondes spiegelt ihn wider. Kalte Luft teilt die grünen Berge, der Reststrom nährt das smaragdgrüne Gestein. Sanft fließend heißt er Wasserfall, und wahrlich hängt er wie ein Vorhang.
Die Affen klatschten und lobten:
"Schönes Wasser, schönes Wasser! Hier ist es also, direkt verbunden mit dem Meer unten am Fuß des Berges."
Sie sagten weiter: "Wer hat die Kraft, hinüberzudringen und die Quelle auszuforschen? Wer ohne Schaden wieder herauskommt, den machen wir zu unserem König."
Dreimal riefen sie. Da sprang aus dem Durcheinander ein Steinaffe hervor und rief laut:
"Ich gehe hinein! Ich gehe hinein!"
Ein prächtiger Affe! Auch das war er: Heute sollte sein guter Name offenbar werden, und das Glück war zu ihm gekommen. Wer an diesem Ort wohnen darf, den ruft das Königsschicksal ins Unsterbliche.
Er schloss die Augen, hockte sich zusammen, stieß sich mit dem Körper ab und sprang direkt in den Wasserfall. Kaum hatte er die Augen wieder geöffnet und nach oben gesehen, da war drinnen weder Wasser noch Wellen, sondern helles Licht und eine Brücke. Er blieb stehen und blickte genau hin: Es war eine eiserne Plankenbrücke. Unter der Brücke strömte das Wasser durch die Steinschlitze hindurch und fiel von hinten wieder heraus, so dass der Eingang verdeckt war.
Er ging weiter auf die Brücke zu und sah sich um wie in einem bewohnten Haus. Wirklich ein guter Ort! Man sah:
Smaragdmoos wie aufgeschichtetem Blau, weiße Wolken schwebten wie Jade, und das Licht ließ ganze Schwaden von Dunst und Abendrot aufleuchten. Offene Fenster und stille Zimmer, glatte Hocker und Tische, auf denen Blumen blühten. Tropfsteinhöhlen mit Drachenperlen hingen schräg herab, überall lagen wundersame Blüten. Töpfe und Herde an der Klippe trugen Feuerspuren, auf Truhen und Tabletts sah man Rückstände von Speisen und Getränken. Steinsitze und Steinbetten waren wahrlich reizvoll; Steinschalen und Steinbecher noch mehr. Dazu ein, zwei, drei Bambusrohre, drei, fünf, gar mehrere Pflaumenblüten. Einige grüne Kiefern standen stets im Regen, und das Ganze wirkte wie ein echtes Wohnhaus.
Nachdem er sich lange umgesehen hatte, sprang er über die Brückenmitte und schaute links und rechts. Genau in der Mitte stand eine steinerne Tafel mit einer Zeile in Kanzleischrift: "Blumen-Frucht-Berg, segensreicher Ort; Wasser-Vorhang-Höhle, Höhle des Himmels."
Der Steinaffe konnte sein Glück kaum fassen und sprang hastig wieder hinaus. Er hockte sich noch einmal zusammen, sprang aus dem Wasser hinaus und lachte zweimal:
"Welch ein großes Glück! Welch ein großes Glück!"
Die Affen umringten ihn und fragten: "Wie ist es drinnen? Wie tief ist das Wasser?"
Der Steinaffe sagte: "Kein Wasser! Kein Wasser! Es ist in Wirklichkeit nur eine eiserne Brücke, und hinter der Brücke liegt ein von Natur geschaffener Hausstand."
Die Affen fragten: "Woran sieht man, dass es ein Hausstand ist?"
Der Steinaffe lächelte:
"Dieses Wasser wird von der Brücke unten durch den Stein gepresst und hängt von dort herab, so dass der Eingang verdeckt ist. Neben der Brücke gibt es Blumen und Bäume; das ist ein steinernes Haus. Innen gibt es Steinnischen, einen Steinho f, Steinschalen, Steinbecken, Steinbetten und Steinhocker. In der Mitte steht eine steinerne Tafel mit den Worten: 'Blumen-Frucht-Berg, segensreicher Ort; Wasser-Vorhang-Höhle, Höhle des Himmels.' Wirklich, das ist unser Wohnort. Drinnen ist es sehr geräumig, groß genug für Hunderte von Alten und Jungen. Wir sollten alle hineingehen und dort wohnen; dann müssten wir die Launen des Himmels nicht länger ertragen. Drinnen gilt: Bei Wind gibt es einen Schutzplatz, bei Regen einen guten Zufluchtsort. Frost und Schnee machen keine Sorgen, Donner wird niemals gehört. Dunst und Abendrot leuchten immer, Glückszeichen wärmen und duften. Kiefern und Bambus bleiben Jahr für Jahr grün, seltsame Blumen blühen Tag für Tag neu."
Als die Affen das hörten, waren sie alle froh. Sie riefen: "Du gehst zuerst, führe uns hinein, hinein!"
Der Steinaffe sprang wieder hinein und rief: "Kommt alle mit mir, kommt herein!"
Die kräftigen Affen sprangen hinein; die ängstlichen streckten die Köpfe vor, zogen den Hals ein, kratzten sich hinter den Ohren und schrien laut. Nach einigem Hin und Her gingen schließlich auch sie hinein. Über die Brücke angekommen, stürzten sie sich auf Schalen und Becher, nahmen Herde und Betten in Besitz, schoben und wühlten alles hin und her. Es war Affennatur in ihrer wildesten Form; erst als alle vor Erschöpfung fast umkamen, hörten sie auf. Der Steinaffe saß auf dem erhöhten Platz und sagte:
"Ihr Herren, 'ein Mensch ohne Vertrauen weiß nicht, was möglich ist.' Ihr habt eben gesagt: Wer hineinkommt und wieder herauskommt, ohne Schaden zu nehmen, soll zum König gemacht werden. Nun bin ich hinein und wieder hinaus, hinaus und wieder hinein gegangen, habe euch diesen Höhlenort zum Schlafen und sicheren Ruhen gefunden und euch das Glück eines eigenen Hauses beschert. Warum solltet ihr mich nicht zum König machen?"
Die Affen hörten das und verneigten sich ohne Widerspruch. Einer nach dem anderen traten sie der Reihe nach vor und verbeugten sich, alle nannten ihn "Tausendjahre-König". Von da an stieg der Steinaffe auf den Königsthron. Er ließ das Wort "Stein" fallen und nannte sich fortan "Schöner Affenkönig".
Ein Gedicht bezeugt es:
Als Yang und Yin sich mischten, gebar sich das Affenvolk;
der göttliche Stein hielt Sonne und Mond im Leib.
Aus dem Ei ward der Affe, vollendet im großen Weg;
unter fremdem Namen reifte das Gold der Tinktur.
Im Innern erkennt man nicht, weil es formlos ist;
im Äußeren wird klar, weil es Gestalt annimmt.
Die Menschen aller Zeiten gehören alle dazu;
König und Heiliger zu sein, erlaubt das freie Spiel.
Der Schöne Affenkönig führte eine Schar von Affen, Makaken und Halbaffen an und ordnete ihnen Beamte und Helfer zu. Tagsüber streifte er über den Blumen-Frucht-Berg, nachts schlief er in der Wasser-Vorhang-Höhle. Alle kamen gut miteinander aus, gehörten nicht zu den Vögeln und nicht zu den wilden Tieren, und er allein war ihr König. Das Glück war grenzenlos. Daher:
Im Frühling pflückte er hundert Blumen zum Essen, im Sommer suchte er Früchte zum Lebensunterhalt.
Im Herbst sammelte er Yams und Kastanien, um die Jahreszeit zu verlängern.
Im Winter suchte er Geißbartwurzel, um die Jahreszeit zu überbrücken.
Der Schöne Affenkönig lebte in unbeschwerter Natürlichkeit, und wie hätte er ahnen sollen, dass drei- oder fünfhundert Jahre vergehen würden. Eines Tages, mitten in einem Festmahl mit den Affen, geriet er plötzlich in Sorge und brach in Tränen aus. Die Affen erschraken und verbeugten sich hastig.
"Weshalb ist der König betrübt?"
Der Affenkönig sagte: "Obwohl ich mich gerade in Freude befinde, ist da ein ferne Sorge, und deshalb bin ich traurig."
Die Affen lachten wieder:
"Eure Majestät weiß wirklich nicht zu schätzen, was sie hat. Wir feiern täglich hier, in diesem heiligen Berg und gesegneten Land, in dieser göttlichen Höhle auf göttlichem Boden. Wir unterstehen weder dem Qilin noch dem Phönix, noch sind wir den Herrschern der Menschen unterworfen. Frei und ungebunden zu leben, ist ein grenzenloses Glück. Warum also so weit in die Ferne sorgen?"
Der Affenkönig sagte: "Heute unterstehen wir zwar weder dem Gesetz der Menschen noch fürchten wir die Macht von Vögeln und Tieren. Aber wenn Alter und Kraft vergehen, wird im Verborgenen der Höllenfürst über uns wachen. Wenn dann der Tod kommt, wäre es nicht vergebliche Geburt in dieser Welt und kein langer Aufenthalt unter Himmel und Mensch?"
Als die Affen das hörten, bedeckten sie alle ihre Gesichter und weinten. Alle dachten an das Unbeständige.
Da sprang mitten aus der Menge ein langarmiger Affe hervor und rief laut:
"Wenn Eure Majestät so weit vorausdenkt, dann ist das wahrlich das Erwachen des Dao-Herzens. Unter den fünf Arten von Wesen gibt es nur drei Gattungen, die sich dem Höllenrichter nicht beugen: Die erste sind die Himmelsunsterblichen, die zweite die Erdunsterblichen, die dritte die Leichenbefreiten. Wer eine dieser drei Vollkommenheiten erlangt, kann dem Tod entgehen."
Der Affenkönig fragte: "Und wo wohnen diese drei?"
Der Affe antwortete: "Buddhas, Unsterbliche und Weise leben nur in der Welt der Menschen, in alten Höhlen auf unsterblichen Bergen."
Der Affenkönig war außer sich vor Freude. "Morgen", sagte er, "werde ich euch verlassen, den Berg hinabsteigen, ans Meer und bis an die Enden der Erde ziehen und erst dann ruhen, wenn ich einen von ihnen gefunden und die Kunst der Unsterblichkeit gelernt habe, damit ich mich für immer dem Zugriff des Yama entziehe."
Schon dieser eine Entschluss genügte, um ihn aus dem Netz von Geburt und Tod hervorzureißen und die Geburt des Großen Weisen, der dem Himmel ebenbürtig ist, in Gang zu setzen.
Die Affen klatschten und jubelten. "Gut! Gewiss gut! Morgen wollen wir über Pässe und Berge ziehen, Früchte aller Art sammeln und ein großes Fest bereiten, um unseren König auf den Weg zu schicken."
Am nächsten Tag taten sie genau das. Sie pflückten unsterbliche Pfirsiche, sammelten seltsame Früchte, gruben wilde Yams und Gelbessenzwurzel aus und brachten duftende Orchideen, heilige Gräser und wunderbare Blüten herbei. Alles, jede Art und Sorte, wurde ordentlich auf Steintischen und Steinbänken aufgestellt, dazu unsterblicher Wein und Köstlichkeiten aus dem Wald.
Und dies war es:
Goldene Kugeln und rote Aufbrüche, gelb, reich und reif.
Wachskirschen, hell wie Perlen, von wahrer Farbe und süßem Geschmack.
Pflaumen, rot aufgebrochen und goldschwer, duftig und herb auf der Zunge.
Frische Longans, süßes Fleisch, dünne Schale.
Litschis, rot wie Flammen, in scharlachenen Schalen mit kleinen Kernen.
Grüne Äpfel wurden samt Zweig gereicht; Loquats hob man mit noch grünen Blättern empor.
Hasenkopf-Birnen und Hühnerherz-Jujuben, genug, um Durst zu stillen, Sorge zu lindern und selbst einen Trunkenen wieder nüchtern zu machen.
Duftende Pfirsiche und weiche Aprikosen, süß wie Jade-Nektar oder Himmelswein.
Knackige Pflaumen und Myrtenfrüchte, herb und cremig wie feiner Quark.
Reife Wassermelonen mit rotem Fleisch und schwarzen Kernen; gewaltige Kakis in gelber Schale, geviertelt und glänzend.
Granatäpfel sprangen auf, ihre zinnoberroten Kerne wie glühende Kristallperlen.
Aufgebrochene Taro- und Kastanienknollen zeigten ihr festes Fleisch wie gelben Achat.
Walnüsse und Ginkgos dienten zum Tee, Kokosnüsse und Trauben wurden zu Wein.
Haselnüsse, Pinienkerne, Chinesische Steineiben und Zieräpfel häuften sich auf Platten.
Mandarinen, Zuckerrohr, Clementinen und Orangen überquollen auf den Tischen.
Yams wurden weich geröstet, Gelbessenzwurzel zart gekocht.
Zerstoßenes Poria und Coixkörner simmerten langsam in Steintöpfen über kleinem Feuer.
Für Menschen in der Welt unten mag es edles Essen geben, aber wie sollte es je die stille Freude eines Bergaffen erreichen?
Die Affen ehrten den Schönen Affenkönig auf dem Platz an der Spitze; die Reihen darunter standen nach Alter und Rang geordnet. Einer nach dem anderen trat vor, brachte Wein, Blumen und Früchte dar und trank den ganzen Tag hindurch.
Am nächsten Morgen stand der Schöne Affenkönig früh auf und befahl: "Ihr Kleinen, schneidet mir ein paar trockene Kiefern, flicht daraus ein Floß und nehmt einen Bambus als Stange. Sammelt ein paar Früchte und dergleichen, und dann gehe ich."
So stieg er allein auf das Floß, stieß es mit aller Kraft ab und ließ sich auf den Winden des Himmels über das Meer treiben, bis er Südliches Jambudvipa erreichte. Und dies war es:
Der Himmel gebar den unsterblichen Affen, dessen Weg groß und hell erstrahlt;
vom Berg stieß er sich ab und trieb mit dem Himmelswind dahin.
Über Meer und Ozean suchte er den Weg der Unsterblichen,
fest entschlossen, im Stillen das große Werk zu vollbringen.
Wo es Bestimmung gibt, vergeudet man keine weltlichen Wünsche;
ohne Sorgen und ohne Kummer begegnet man dem Ursprung des Zyklus.
Gewiss wird er einem Wissenden begegnen,
der ihm die Quelle erklärt und alle Gesetze erhellt.
So war es auch seinem Glück beschieden. Kaum hatte er sich auf das Holzfloß gestellt, trieb ihn der kräftige Südostwind Tag um Tag nach Nordwesten, bis er an das Festland von Südlichem Jambudvipa gelangte. Mit dem Bambusstab prüfte er das Wasser, fand zufällig eine seichte Stelle, ließ das Floß zurück und sprang an Land. Am Ufer sah er Fischer, Gänsejäger, Muschelsammler und Salzarbeiter.
Er ging auf sie zu, machte einen kleinen Kunstgriff, verwandelte sich in einen Tiger und erschreckte sie so, dass sie ihre Körbe und Netze fallen ließen und in alle Richtungen flohen. Einen, der nicht schnell genug davonkam, packte er, zog ihm die Kleider aus und lernte, sie selbst zu tragen. So schwankte er von Provinz zu Provinz und von Kreis zu Kreis, lernte unter den Menschen ihre Sitten und Sprache.
Er speiste morgens und nächtigte abends, und sein einziges Ziel war es, nach dem Weg zu Buddha, Unsterblichen, Göttern und Heiligen zu fragen und eine Methode zu finden, die ihn nicht altern und nicht sterben ließ. Er sah, dass alle Menschen der Welt nur auf Ruhm und Gewinn aus waren und dass sich keiner fand, der wegen seines Lebens selbst suchte. Und so war es:
Wie lange noch soll der Streit um Namen und Gewinn denn ruhen?
Früh aufstehen, spät schlafen, und dennoch nie frei sein!
Auf Eseln und Mauleseln reiten und dabei an gute Pferde denken,
als Minister im Amt sitzen und doch nach dem Kaiserthron schielen.
Man sorgt nur um Essen und Kleidung und verliert sich in Mühe und Arbeit;
vor dem Höllenfürsten fürchtet man sich nicht und wird am Ende doch geholt.
Für Kinder und Kindeskinder sucht man Reichtum und Rang,
und doch ist keiner bereit, einmal umzuwenden und nach Hause zu sehen.
Der Affenkönig suchte den Weg der Unsterblichen, fand aber noch keinen Glücksfall. In Südlichem Jambudvipa zog er lange durch Städte und kleine Bezirke und bemerkte es nicht einmal, dass schon acht oder neun Jahre vergangen waren. Eines Tages gelangte er zum Westlichen Ozean. Da dachte er: Jenseits des Meeres müssen gewiss Unsterbliche wohnen.
Er flocht wie zuvor ein Floß, fuhr über das Westmeer und gelangte bis an das Gebiet von Westlichem Ochsenwagenkontinent. Am Ufer ging er lange umher und entdeckte schließlich einen hohen, schönen Berg mit tiefen Wäldern und steilen Hängen. Auch vor Wölfen und Insekten, vor Tigern und Panthern fürchtete er sich nicht; er stieg bis zum Gipfel hinauf und schaute sich um.
Wahrlich ein herrlicher Berg:
Tausend Gipfel stehen wie Speere, zehntausend Klafter öffnen sich wie ein Paravent.
Sonnenlicht spiegelt sich im Nebel und schließt das Grün sanft ein;
Regen sammelt das Dunkel und lässt es kühl und blau erscheinen.
Dünne Ranken umschlingen alte Bäume, ein alter Fährweg teilt die stille Reise.
Seltsame Blumen und heilige Kräuter, feiner Bambus und hohe Kiefern.
Feiner Bambus und hohe Kiefern: Jahrtausendelang grün, als wollten sie das Segensland beschämen;
seltsame Blumen und heilige Kräuter: zu allen vier Jahreszeiten unvergänglich, wie in Penglai selbst.
Nahe rufen die einsamen Vögel, die Quelle klingt klar und rein.
Überall in den Tälern ranken Orchideen und Gräser, überall wachsen Moos und Felsen.
Die Hügel steigen und fallen, die Drachenader ist vortrefflich;
gewiss verbirgt sich hier ein Hochgelehrter und hält seinen Namen zurück.
Während er noch schaute, hörte er aus dem Waldinneren Stimmen. Hastig ging er näher, drang in den Wald ein und lauschte. Es war Gesang:
Beim Schachspiel zerbricht der Stock, beim Holzfällen klingt das Hauen.
Am Rand der Wolken und am Talgrund schreitet man langsam dahin.
Holz verkaufen, Wein kaufen, und lachend sich selber gefallen.
Auf der alten Pfadspur, im hohen Herbst, den Mond auf Kiefernwurzeln als Kissen nehmen und bis zum Morgen schlafen.
Den alten Wald erkennen, die Klippe erklimmen, über den Grat gehen,
die Axt in der Hand, dürre Ranken zerschneiden.
Den Fang heimtragen, zu einem Bündel gebunden, auf dem Markt singend,
drei Scheffel Reis eintauschen.
Kein Streit, kein Trug und kein Berechnen, kein Ruhm und keine Schande, nur friedlich das Leben verlängern.
Wo man einander begegnet, ist man entweder Unsterblicher oder Dao-Mensch;
still sitzt man da und spricht vom Huangting.
Als der Affenkönig das hörte, war er überglücklich.
"Die Unsterblichen verbergen sich also hier!"
Er sprang rasch hinein und sah genauer: Es war ein Holzfäller, der dort die Axt schwang und Holz schlug. Aber seine Kleidung war ungewöhnlich:
Auf dem Kopf trug er einen Bambushut, als ob die Schale des ersten jungen Bambussprosses daraus gemacht wäre. Auf dem Leib trug er ein Stoffgewand, als wäre es aus gezwirnter Baumwolle. Um die Hüfte hatte er einen Ringgürtel, als wäre er aus dem Seidenfaden alter Seidenraupen gesponnen. An den Füßen trug er Gras-Schuhe, als wären sie aus trockenem Seggengras geflochten. In der Hand hielt er eine schlichte Stahl-Axt und trug Brennhanf auf der Schulter. Beim Zerteilen von Kiefern und dem Spalten von Totholz war er dem Affenkönig weit überlegen.
Der Affenkönig trat vor und rief:
"Alter Unsterblicher, euer Schüler grüßt euch."
Der Holzfäller erschrak, warf die Axt weg und erwiderte hastig die Verbeugung:
"Nicht doch, nicht doch. Ich bin nur ein grober Mann, dem Essen und Kleidung nicht einmal vollständig genügen. Wie sollte ich den Titel eines Unsterblichen verdienen?"
Der Affenkönig sagte: "Wenn du kein Unsterblicher bist, warum sprichst du dann wie einer?"
Der Holzfäller fragte: "Was habe ich denn Unsterbliches gesagt?"
Der Affenkönig erwiderte: "Gerade eben, als ich an den Waldrand kam, hörte ich dich sagen: 'Wo man einander begegnet, ist man entweder Unsterblicher oder Dao-Mensch; still sitzt man da und spricht vom Huangting.' Huangting ist ein wahres Wort des Dao. Wenn du kein Unsterblicher bist, wer dann?"
Der Holzfäller lachte:
"Ich will es euch nicht verbergen: Dieses Lied heißt Vollen Hofes Duft und wurde mir von einem Unsterblichen beigebracht. Dieser Unsterbliche wohnt in meiner Nachbarschaft. Als er sah, wie mühsam ich den Haushalt führe und wie sehr ich mich täglich plage, lehrte er mich, dieses Lied zu singen, wenn mich Kummer drückt. Erstens zerstreut es den Geist, zweitens nimmt es die Last. Gerade hatte ich an etwas Mangelhaftes gedacht, deshalb sang ich es. Ich hätte nicht erwartet, dass Ihr es hört."
Der Affenkönig sagte: "Wenn ihr schon Nachbarn mit Unsterblichen habt, warum kultiviert ihr euch dann nicht bei ihm? Wenn ihr die Methode erlernt, nicht alt zu werden, wäre das nicht gut?"
Der Holzfäller antwortete:
"Mein Leben ist von Kindheit an vom Unglück begleitet. Meine Eltern zogen mich bis zum achten oder neunten Lebensjahr groß, und erst da verstand ich, wie menschliche Dinge funktionieren. Leider starb mein Vater, und meine Mutter wurde Witwe. Ich habe weder Brüder noch Schwestern, nur mich allein, und konnte nichts tun als morgens und abends für sie sorgen. Jetzt ist meine Mutter alt geworden, und ich wage erst recht nicht, sie zu verlassen. Außerdem liegen Felder und Haus verödet da, Essen und Kleidung reichen nicht. Also hacke ich zwei Bündel Brennholz, trage sie zum Markt, tausche sie gegen ein paar Münzen und kaufe ein paar Scheffel Reis. Damit koche ich selbst und bereite Tee und Mahlzeiten, um meine alte Mutter zu versorgen. Deshalb kann ich nicht kultivieren."
Der Affenkönig sagte: "Nach allem, was du erzählt hast, bist du ein Mann der kindlichen Pietät. Später wirst du gewiss belohnt werden. Aber zeige mir bitte den Wohnort jenes Unsterblichen, damit ich ihn aufsuchen kann."
Der Holzfäller sagte: "Nicht weit, nicht weit. Dieser Berg heißt Lingtai Fangcun, und in ihm gibt es eine Höhle namens Schräger Mond, Dreisterne. Dort wohnt ein Unsterblicher namens Patriarch Subhuti. Seine Schüler sind unzählig; gegenwärtig praktizieren noch dreißig oder vierzig bei ihm. Folgt dem kleinen Pfad nach Süden, sieben oder acht Li weit, und dort ist sein Haus."
Der Affenkönig packte den Holzfäller am Arm und sagte:
"Bruder, komm doch mit mir. Wenn ich etwas Gutes erlange, werde ich niemals deine Wegweisung vergessen."
Der Holzfäller sagte: "Du bist wirklich ein unbeholfener Mensch. Ich habe dir das doch gerade erst erklärt, und du hast es immer noch nicht begriffen. Wenn ich mit dir ginge, würde ich nicht mein Geschäft versäumen? Wer versorgt dann meine alte Mutter? Ich muss Holz hacken; geh du nur, geh du nur."
Der Affenkönig musste sich fügen und verabschiedete sich. Er verließ den tiefen Wald, fand den Pfad, überquerte einen Berghang und sah nach sieben oder acht Li tatsächlich einen Höhleneingang. Er reckte den Leib und blickte hinauf: ein wahrlich guter Ort! Man sah:
Dunst und Wolken streuen Farben, Sonne und Mond schimmern.
Tausend alte Zypressen, zehntausend Bambusabschnitte.
Tausend alte Zypressen: vom Regen in halber Luft sanft grün,
zehntausend Bambusabschnitte: vom Dunst erfüllt, in der Schlucht tief dunkel.
Vor der Tür liegen seltsame Blumen wie ein Teppich,
neben der Brücke sprühen himmlische Kräuter ihren Duft.
Felswände ragen steil auf, mit nassem Moos bedeckt;
an den Hängen hängen grünes Moos und lange Ranken.
Oft hört man die Kraniche rufen,
und häufig sieht man Phönixe kreisen.
Wenn die Kraniche rufen, hallt der Klang durch die neun Gruben bis weit in Himmel und Wolken;
wenn die Phönixe kreisen, leuchten ihre bunten Federn wie Wolkenlicht.
Schwarze Affen und weiße Hirsche erscheinen und verschwinden; goldene Löwen und jadefarbene Elefanten ziehen nach Belieben ein und aus.
Betrachtet man diesen heiligen Ort genau, so ist er wahrlich dem Himmel überlegen.
Auch sah er, dass das Höhlentor verschlossen war und kein Mensch sich zeigte. Da blickte er sich um und sah auf dem Klippenkopf eine Steintafel, über drei Zhang hoch und acht Chi breit. Darauf standen zehn große Zeichen: "Lingtai Fangcun, Höhle Schräger Mond und Drei Sterne." Der Schöne Affenkönig freute sich sehr.
"Die Leute hier sind wahrhaft schlicht. Es gibt hier wirklich einen solchen Berg und eine solche Höhle."
Nach langem Betrachten wagte er nicht zu klopfen. Stattdessen sprang er auf einen Kiefernast, pflückte Tannensamen und spielte damit. Nach einer Weile hörte er ein "Ja" und sah, wie sich das Höhlentor öffnete. Ein junger Unsterblicher trat heraus, wahrhaft edel in Haltung und Erscheinung, schöner und feiner als gewöhnliche Sterbliche. Man sah:
Die Haare als Haarknoten mit zwei Bändern gebunden,
weite Gewänder mit zwei flatternden Ärmeln.
Gestalt und Wesen sind verschieden von allen anderen,
Herz und Erscheinung ganz leer und klar.
Ein beständiger Gast außerhalb der Welt,
ein ewig jugendlicher Knabe aus dem Berg.
Kein Stäubchen haftet an ihm,
Kalender und Jahre können an ihm vorüberwirbeln.
Der Knabe trat heraus und rief:
"Wer ist da und macht hier Lärm?"
Der Affenkönig sprang vom Baum, verneigte sich und sagte:
"Unsterblicher Knabe, ich bin ein Schüler auf der Suche nach dem Dao, der nach Unsterblichen lernt und sich niemals erlauben würde, hier zu stören."
Der Knabe lächelte:
"Du suchst also den Weg?"
Der Affenkönig sagte: "Ja."
Der Knabe erwiderte: "Mein Meister war eben erst aufgestanden und hatte sich auf die Terrasse gesetzt, um den Weg zu lehren. Noch ehe er den Grund der Lehre erklärte, ließ er mich herauskommen und die Tür öffnen. Er sagte: 'Draußen ist ein Kultivierender gekommen, geh und empfange ihn.' Du bist wohl dieser eine?"
Der Affenkönig lachte: "Ja, ich bin es, ich bin es."
Der Knabe sagte: "Dann komm mit mir hinein."
Der Affenkönig richtete Kleidung und Haltung und folgte dem Knaben tief in die Höhle, wo Schicht um Schicht Jadetürme und Perlenpaläste standen; von der stillen Kammer und dem abgeschiedenen Wohnsitz kann man gar nicht alles sagen. Bis unter die Jadeterasse gelangt, sah er Patriarch Subhuti auf dem Podest sitzen, rechts und links dreißig kleine Unsterbliche. Wahrhaft:
Der große erleuchtete Goldene Unsterbliche ohne Makel und mit westlicher Gestalt ist Patriarch Bodhi.
Ungeboren und unsterblich, in dreimal drei Wegen,
erfüllt von Ganzheit an Geist und Atem, mit zehntausendfacher Barmherzigkeit.
Leer und still, von Natur aus wandelbar,
wahres So-Sein und Eigenart wirken nach Belieben.
Von himmlischem Alter und würdiger Gestalt,
ein großer Lehrer, der während zahlloser Kalpas den Geist erhellt.
Der Schöne Affenkönig sah ihn, warf sich sofort nieder und schlug unzählige Male mit dem Kopf auf. Er sagte nur:
"Meister, Meister, euer Schüler grüßt mit ganzem Herzen, ich grüße mit ganzem Herzen."
Der Patriarch fragte: "Aus welchem Land stammst du? Sag mir Herkunft und Namen klar und deutlich, dann verneige dich noch einmal."
Der Affenkönig sagte: "Euer Schüler stammt aus dem Ostgewinnenden Göttlichen Kontinent, aus dem Blumen-Frucht-Berg in Aolai, aus der Wasser-Vorhang-Höhle."
Der Patriarch rief streng: "Hinaus mit ihm! Er ist ein Mann von Betrug und Blendwerk, wo sollte er denn den Weg erlangen?"
Der Affenkönig verneigte sich hastig und sagte immer wieder: "Euer Schüler spricht nur die Wahrheit, ganz ohne Betrug."
Der Patriarch sagte: "Wenn du so aufrichtig bist, weshalb sprichst du dann vom Ostgewinnenden Göttlichen Kontinent? Von dort bis hier liegen zwei große Meere und der Südliche Jambudvipa-Kontinent dazwischen. Wie bist du denn überhaupt hierhergekommen?"
Der Affenkönig antwortete: "Euer Schüler hat über Meer und Ozean gereist und von Land zu Land gezogen. Zehn Jahre sind vergangen, ehe ich diesen Ort gefunden habe."
Der Patriarch sagte: "Wenn du also allmählich hierher gekommen bist, sei es so. Wie heißt du mit Familiennamen?"
Der Affenkönig sagte wieder: "Ich habe keinen Naturnamen. Wenn man mich beschimpft, werde ich nicht zornig; wenn man mich schlägt, werde ich nicht böse. Ich erwidere nur einen Gruß. Mein ganzes Leben lang habe ich keinen solchen Namen."
Der Patriarch sagte: "Das ist nicht der Name, von dem ich spreche. Wie heißt denn dein Vaterhaus?"
Der Affenkönig sagte: "Ich habe auch keine Eltern."
Der Patriarch fragte: "Wenn du keine Eltern hast, bist du dann wohl auf einem Baum gewachsen?"
Der Affenkönig sagte: "Ich bin nicht auf einem Baum gewachsen, sondern aus einem Stein hervorgegangen. Ich erinnere mich nur, dass es auf dem Blumen-Frucht-Berg einen göttlichen Stein gab, der in jenem Jahr barst; da wurde ich geboren."
Der Patriarch freute sich insgeheim und sagte: "Dann bist du also von Himmel und Erde hervorgebracht. Steh auf und geh ein wenig, damit ich dich sehe."
Der Affenkönig sprang hoch auf und ging zweimal schief und wacklig hin und her.
Der Patriarch lachte:
"Dein Körper ist zwar unscheinbar, aber du ähnelst einem Affen, der Pinienkerne frisst. Ich will dir einen Familiennamen geben und dich damit 'Hou' nennen. Entfernt man aus dem Zeichen Hou den Tier-Radikal, bleibt 'alter Mond' übrig. Alt bedeutet verfallen, Mond bedeutet Yin. Mit altem Yin kann man nichts hervorbringen; deshalb ist das Zeichen 'Sun' besser. Entfernt man auch dort den Tier-Radikal, bleibt 'Sohn' und 'Feinheit' übrig. Sohn bedeutet Knabe, Feinheit bedeutet zart und klein. Das passt genau zur Grundidee des Säuglings. Also sollst du 'Sun' heißen."
Als der Affenkönig das hörte, war er überglücklich, verneigte sich und sagte:
"Gut! Gut! Gut! Erst heute weiß ich, dass ich einen Familiennamen habe. Ich bitte den Meister um Barmherzigkeit: Wenn ich nun schon einen Namen habe, dann gib mir bitte auch noch einen persönlichen Namen, damit man mich ansprechen kann."
Der Patriarch sagte: "In meiner Schule gibt es zwölf Zeichen, aus denen die Namen verteilt werden. Bei dir ist nun die zehnte Generation an der Reihe."
Der Affenkönig fragte: "Welche zwölf Zeichen sind das?"
Der Patriarch antwortete: "Es sind die zwölf Zeichen Guang, Da, Zhi, Hui, Zhen, Ru, Xing, Hai, Ying, Wu, Yuan und Jue. Bei dir ist das Zeichen Wu dran. Ich gebe dir deshalb den Dharma-Namen 'Sun Wukong'. Wie klingt das?"
Der Affenkönig lachte: "Gut! Gut! Gut! Von jetzt an heiße ich Sun Wukong."
So lautet es:
Am Anfang des Chaos gab es keinen Namen;
um das störrische Leere zu durchbrechen, muss man Wukong erwachen.
Was aus der Kultivierung danach werden sollte, das erfahrt ihr im nächsten Kapitel.