Weißhirsch-Dämon
Der Weißhirsch-Dämon ist das entlaufene Reittier des [Antarktischen Unsterblichen](/de/characters/antarctic-immortal), das im Königreich Biqiu als Staatsvater auftritt. Zusammen mit einer weißgesichtigen Fuchsgeistin täuscht er den König, etabliert eine mörderische Arznei und fordert für seine Medizin die Herzen von 1.111 Kindern. Seine Geschichte ist eine der grausamsten im ganzen Roman, weil sie Hofintrige, Heilsversprechen und kindermörderische Kälte miteinander verbindet.
1.111 Kinder in Gänsekäfigen. Das ist das Bild, das in Biqiu die Straßen füllt. In jedem Käfig sitzt ein kleiner Junge von fünf oder sechs Jahren, wie Geflügel gefüttert und mit Papier überdeckt, damit er atmen kann. Als Tang Sanzang und seine Begleiter die Stadt betreten, verstummt sogar Sun Wukong. Denn hier frisst kein einzelner Bergdämon, sondern eine Hauptstadt sammelt Kinder am helllichten Tag systematisch ein.
Der Urheber dieser Szene ist ein Daoist, der sich „Staatsvater“ nennt. In Wahrheit ist er der weiße Hirsch, der dem Antarktischen Unsterblichen entlaufen ist.
Das Tier der Langlebigkeit wird zum Todsamen
Der Weiße Hirsch war einst das Reittier des Antarktischen Unsterblichen. In der chinesischen Bildwelt stehen Hirsch und Unsterblicher fast immer zusammen für Langlebigkeit, Glück und himmlische Gunst. Doch dieses Tier richtet nach seinem Abstieg etwas an, das dem Symbol vollkommen widerspricht.
Es haust nicht irgendwo in den Bergen, sondern direkt im Machtzentrum von Biqiu. Es gibt sich als Staatsvater aus, beeinflusst den König und formuliert die Arznei. Seine Bosheit kommt nicht aus der Wildnis, sondern aus der Nähe zur Herrschaft.
Der weiße Fuchs und der Hofbetrug
Der Weiße Hirsch und die weißgesichtige Fuchsgeistin sind ein perfekt eingespieltes Duo. Die Fuchsgeistin tritt als schöne Königin in den Palast ein und saugt mit Schönheit und Nähe die Kraft des Königs aus. Der Hirsch übernimmt die Rolle des Staatsvaters und liefert die Medizin, mit der auch noch die Angst vor dem Tod ausgenutzt wird.
So entsteht ein geschlossener Kreis: erst die Krankheit erzeugen, dann das Mittel monopolisieren. Der König ist Opfer und Helfer zugleich. Er glaubt, Heilung zu suchen, und arbeitet in Wahrheit den Dämonen zu.
Die 1.111 Kinder
Das Entsetzliche ist die Arznei selbst. Der Hirsch verlangt das Herz von 1.111 Kindern als Zutat für ein Mittel, das angeblich Langlebigkeit schenkt.
Die Zahl ist nicht ungefähr. Sie ist präzise, kühl und damit doppelt grausam. Der Mord erscheint wie eine medizinische Formel, als wären Kinder nur Posten auf einer Liste. Noch schrecklicher ist, dass der König diese Forderung akzeptiert.
Daraufhin beginnt die Maschine zu laufen. Kinder werden in Käfige gesetzt und in die Hauptstadt gebracht. Tang Sanzang ist erschüttert, Wukong bleibt ungewöhnlich still. Hier arbeitet nicht nur ein Dämon, sondern ein ganzer Staatsapparat an seiner Seite.
Wenn Dämon und Verwaltung dieselbe Sprache sprechen
Der Hirsch muss die Kinder gar nicht selbst fangen. Es genügt, dass er sagt: Das ist die Rezeptur. Schon setzt die Verwaltung das Land in Bewegung.
Er arbeitet mit Vorteil und Verheißung, nicht mit Muskelkraft. Zuerst verführt er den König mit Schönheit, dann bindet er ihn mit dem Wunsch nach Langlebigkeit, und am Ende tarnt sich das Massaker als medizinische Maßnahme. Dämon und Verwaltung verschmelzen hier zu einer der dunkelsten Figuren des Romans.
Zurück zum Herrn
Am Ende durchschaut Wukong die Täuschung, und der Hirsch wird vom Antarktischen Unsterblichen persönlich zurückgeholt. Das ist im Roman ein typisches Muster: Ein Wesen mit Herkunft wird nicht vernichtet, sondern vom ursprünglichen Meister wieder eingesammelt.
Doch bei dieser Figur bleibt der Nachgeschmack bitter. Er hat nicht nur einen kleinen Fehltritt begangen, sondern Tausende von Kindern in eine Tötungsmaschine geschoben. Die Rückführung beendet die Episode, aber sie macht die Schuld nicht kleiner.
Verwandte Figuren
- Antarktischer Unsterblicher - der ursprüngliche Besitzer des Hirsches
- Weißgesichtige Fuchsgeistin - die Komplizin im Hofbetrug
- Sun Wukong - erkennt die Wahrheit und rettet die Kinder
- Tang Sanzang - ist vom Anblick der Käfige erschüttert
- König von Biqiu - lässt sich auf die mörderische Arznei ein
Story Appearances
First appears in: Chapter 78 - In Biqiu beklagen die Menschen ihre Kinder, in der goldenen Halle erkennt man Dämonen und spricht von Moral
Also appears in chapters:
78, 79
Tribulations
- 78
- 79